China-Autoimporte "Wir lassen uns nicht vom Markt schubsen"


Die nächste Auto-Welle aus China rollt an. Die deutsche Industrie ist entsetzt und droht mit Klagen. stern.de sprach mit Importeur Karl Schlössl, dem Mann, der deutsche Normalverdiener mit mächtigen China-SUVs versorgen will.

Jedes Jahr erreicht eine neue Welle von chinesischen Fahrzeugen Europa. Der Geländewagen Landwind und die Mittelklassen-Limousine BS6 von Brilliance erlitten mit fatalen Ergebnissen im Crashtest Schiffbruch. Nun probiert es die Firma "China Automobile" erneut mit Fahrzeugen aus dem Reich der Mitte. Zwei SUVs und ein Kleinwagen stehen im Programm. Die Modelle und die Absicht des Importeurs, auf der IAA auszustellen, haben für Aufregung in der deutschen Industrie gesorgt. Dem Ceo wird vorgeworfen eine Design-Kopie des BMW X5 zu sein, der kleinere Ufo ähnelt dem alten Rav4 von Toyota und Mercedes sieht Rechte des Smart vom Kleinwagen Noble verletzt. BMW und Smart haben angekündigt mit juristischen Mitteln gegen die angeblichen Plagiate vorgehen zu wollen. stern.de sprach mit dem Chef von China Automobile, Karl Schlössl.

Herr Schlössl, haben Sie Angst vorm Zorn der deutschen Platzhirsche?

Mein Gott, ich kann den Ärger ja verstehen, aber früher oder später musste es doch passieren. Uns nutzt der Wirbel ja mehr als den Herren. Die besten Schlagzeile war: "Daimler und BMW: Angst vorm Chinesen." Das Mitleid der Kunden draußen hält sich in Grenzen. Ich habe heute 60 E-Mails bekommen, wo mir die Leute sagen, lassen sie sich nicht unterkriegen. Die Leute sind ja nicht dumm, die wissen doch genau, wo der X5 und die M-Klasse vom Band rollen.

Haben Sie die Angriffe überrascht?

BMW wundert uns schon. Der große Ceo läuft seit drei Jahren, den gibt es in Portugal, in Spanien, in Russland und jetzt wacht BMW auf und sagt, da haben wir eine Konkurrenz und Verwechslungsgefahr? Ein Wagen, der ein Drittel kostet? Bitte! Dass eine Firma wie BMW auf solche juristische Mittel verfällt, um seinen Markt zu schützen, verstehe ich nicht. Schützen müssen die sich nicht, denn wir sind kein Plagiat. Ja, wir haben europäische und asiatische Designelemente, der Rest ist komplett anders. Andere sind am Crashtest gescheitert, dass passiert uns nicht, den haben wir abgehakt, da werden jetzt werden andere Register gezogen, um uns vom Markt zu kommen. Zu gewinnen ist die Auseinandersetzung nicht. Für einen Wagen, den sie vom Markt kicken, kommen fünf neue nach.

Im CEO sehen sie kein Plagiat?

Eine einzige Ansicht sieht zugegeben ähnlich aus, aber verwechseln kann man beide Fahrzeuge sicherlich nicht. Wir bieten doch keine Alternative zum X5 an. Der Ceo ist einzigartig. Für das Geld wüsste ich nichts Vergleichbares. Die Technik stammt von Mitsubishi und ist alt bewährt. Das kriegt man nicht kaputt, da kann nichts passieren. Manuell zuschaltbarer Allradantrieb. Keine Datenbusse, keine Computer – einfache Technik, die funktioniert. Einzelradansteuerung hat der natürlich nicht. Ist ein eben klassischer Allradler.

Bestehen Sie eine juristische Auseinandersetzung?

Sicher, die Chinesen haben grünes Licht gegeben. Die sagen: Wir lassen uns nicht so vom Markt schubsen. Wenn spätestens vor einem europäischen Gericht festgestellt wird, der Ceo ist keine Kopie, dann ist der Schaden für BMW doch höher als für uns. Für uns ist das doch PR. Für BMW kann es da keinen Sieg geben. Selbst wenn wir den Ceo so nicht bringen dürfen, wie er jetzt ausschaut, dann sieht der in zwei Monaten eben ein bissel anders aus. Das ist doch nur eine optische Geschichte von schräg hinten. Da verändern wir die Rückleuchte, da wird was am Spoiler gemacht und fertig. Aber noch mal: Wir haben keine Fälschung und wir versprechen auch niemanden, dass er bei uns einen X5 bekommt. Punkt.

Sie kommen von Import von US-Wagen. Darunter Exoten und Spezialfahrzeuge. Das sind keine Angebote für Sparfüchse. Wie kamen ausgerechnet Sie auf China?

Zuerst bin ich Händler und habe wie jeder Händler Kontakt mit den Käufern. Wir wissen alle, das Geld sitzt nicht locker. Wenn man den Markt betrachtet, kommt man schon auf die Idee, mal um die Ecke zu schauen. In China gibt es fast 100 Automarken. Aber: Die Chinesen an sich wollen gar nicht nach Europa. Das ist ganz weit weg von ihrer Denke, weil der chinesische Markt so ungeheuer wächst. Da ist Überzeugungsarbeit notwendig und wir bringen auch Know-How ein. Jedenfalls diktieren wir den Chinesen nicht, ihr müsst dies und dies und das für soundsoviel Geld anbieten.

Wer soll denn Ihr Auto kaufen?

Die Nachfrage beim Endkonsumenten ist unendlich groß. Klar, überall gibt es Unmut über die Fahrzeugpreise. Die Preise galoppieren, aber wir zeigen: Es geht auch anders. In jede Richtung. Ob das ein Kleinwagen für 7000 bis 8000 Euro ist, oder beim kleineren Ufo der zwischen 16.000 und 19.000 liegt. Mit Leder und allem Drum und Dran. Der UFO ist etwas, was man früher mit dem Rav4 hatte. Früher war das ein Spaßmobil zu bezahlbaren Preisen, aber der ist ja in Preisregionen jenseits von 30.000 Euro angekommen. Aber auch 15.000 Euro sind halt nach wie vor 30.000 Mark. So rechnen viele und sagen sich, da muss ich lange für stricken

<zwit>Und Sie haben das passende Strickzeug hier auf Lager? Sicher. Wenn man den Verbraucher anspricht, was will denn der? Ein großes, hohes Auto, möglichst ein SUV. Kleinere Motorisierung, aber allen Luxus. Das kost zwischen 35.000 und 40.000 Euro. Das ist unsere Lücke! Was wir hier machen, ist eine ganz verbraucherfreundliche Geschichte Beim Kleinwagen finden Sie das gleiche Drama! Für einen Aygo, da hat man früher eine tollen Golf bekommen. Was die Leute flüssig haben, das sind sieben, achttausend Euro. Das kann man mit hundert Euro finanzieren. Jeder sucht das gleiche Preissegment auch von Gebrauchtfahrzeugen. Aber der Markt ist absolut leer. Das ist die Lücke, in die man rein muss.

Warum bieten Sie vorwiegend SUVs an?

China ist extrem weit weg. Wir können keinen Wagen wie den Logan holen zu dem Preis. Da würde der Transport fast teuerer werden, wie das Auto selbst. Bis jetzt müssen fast alle Autos nämlich im Container verschifft werden und das sind 4.500 bis 5000 Euro pro Container. Dieser Aufschlag ist nur zu verkraften, wenn die Konkurrenz sehr teuer ist, wie bei den großen SUV's. Wenn wir erst bei 700 bis 800 Autos pro Monat sind, dann können wir ganze RoRo Schiffen beladen, dann geht der Preis für den Transport extrem runter. Da müssen wir hinkommen, das ist eine Frage der Zeit. Und dann kommen noch ganz andere Fahrzeuge, auch günstige Pkw. Aber jetzt haben wir mit dem CEO haben trotz der Transport-Kosten eine Chance, weil wir vom Preis im Blick auf die Konkurrenz sehr attraktiv sind.

Und dann gibt es keine Pkws von Ihnen?

Bei Pkws aus China sehe ich folgendes Problem. Für 25.000 Euro gibt es sehr viele Stufenheck Limousinen auf dem Markt, da erkenne ich die Nische wegen unserer Transportkosten nicht. Wenn wir durch die SUVs erst entsprechende Stückzahlen haben, werden wir mit Pkw kommen.

Was kommt also als Nächstes

Wir haben jetzt drei Fahrzeuge im Programm, wir erweitern danach auf fünf. Einer wird Victor heißen, das ist auch ein SUV. Der sieht mehr nach japanischer Bauart aus, wie ein großer klassischer Geländewagen und wird so bei 22.000 Euro liegen. Dann kommt der Jetstar. Ein wirklich immens großes Fahrzeug aus China. Größenordnung: Hummer H2, Cadillac Escalade, Fünf-Meter-Zwanzig groß! Der Jetstar wird um die 30.000 Euro kosten.

Sie sprechen von "bewährter" Technik, was bieten Sie an Garantie?

Wir bieten zwei Jahre Gewährleistungen, ein Jahr Plus kann man billig dazukaufen. Wir haben ein zentrales Ersatzteillager in Europa. In Italien fahren die Wagen seit drei, vier Monaten, bis Ende des Jahres haben in Italien 2500 Fahrzeuge auf der Straße. In Deutschland wird im Oktober geliefert, nur der kleine Nobel kommt zwischen Dezember und Januar.

Interview: Gernot Kramper

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