Einparken Slimfast für Parklücken?


Wie kommt man am besten in eine Parklücke? Mit Technik. Das heißt entweder per Do-it-Yourself-Einparkformel oder elektronischer Hilfestellung. Und doch scheint dabei irgendwie alles ein bisschen enger geworden zu sein.
Von Sabine Franz

Frauen können es angeblich schlecht und Männer besser als zuhören. Knapp jede dritte Autofahrerin gibt in aktuellen Umfragen zu, nicht problemlos rückwärts in eine Parklücke setzen zu können. Das sind doppelt so viele wie Männer. Vielleicht sind sie auch einfach nur ehrlicher. Denn: Die Kunst einzuparken bleibt aus wissenschaftlicher Sicht chromosomunabhängig, die Technik geschlechterübergreifend. Professor Norbert Herrmann, Forscher am Institut für Angewandte Mathematik der Uni Hannover, beschäftigt sich schon lange mit dem Phänomen des Einparkens und hat die passende Formel parat:

Einfach anwenden, drin sind wir, in der Parklücke parallel zur Straße. Wer die nötige Parklückengröße passend zu seinem Fahrzeug ausrechnen möchte, kann auf Herrmanns Hompage (www.ifam.uni-hannover.de/~herrmann) die eigenen PKW-Daten eingeben, schon spuckt der Rechner auch die nötigen Maße der Bilderbuch-Lücke aus. Eine Spielerei, gibt der gar nicht verrückte Professor zu, verweist aber zugleich auf Auto-Hersteller wie BMW, die bereits auf Basis seiner Formel elektronische Parksysteme und -assistenten operieren lassen.

Die Tücken der Fahrzeuge

Soweit erst mal die Theorie. Um das Einparken ein bisschen schwerer zu machen, bauen die Automacher seit geraumer Zeit ein paar Tücken in ihre Fahrzeuge ein. Breite A-, B-, und C-Säulen zum Beispiel, die Rundumsicht und gefühlte PKW-Größe erschweren. Dazu hochgezogene Heckscheiben, schräge Frontscheiben. Aerodynamik und modernes Design müssen eben stimmen. Zwar ist dies auch Ergebnis der erhöhten Sicherheit für Fußgänger und Fahrzeuginsassen. Laut ADAC aber ist etwa die Gefahr, beim Abbiegen Passanten zu übersehen, deutlich gestiegen. Und gegen einen Parkboller beim Einparken zu fahren entsprechend auch.

Des Deutschen liebstes Kind hat zudem kräftig an Umfang zugelegt - in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 60 cm Länge. Das jedenfalls gilt für den VW Passat, der von 4,19 auf 4,77 Meter wuchs. Der VW Golf 1 bringt’s auf zusätzliche 50 cm, der aktuelle Ford Fiesta ist so lang wie der Escort Mitte der 70er. Und der Audi A8 schoss Seit Ende der 80er um rund 20 Zentimeter in die Länge und überschritt damit die 5-Meter-Marke. Der Opel Corsa ging 18 cm in die Breite, der Porsche 911 Carrera rund 20 cm und der aktuelle 3er BMW ist genau so breit wie der 7er aus dem Jahr 1977. Nur zum Statistik-Vergleich: Der Mensch wuchs hierzulande in den letzten hundert Jahren um rund zehn bis zwölf Zentimeter. An Gewicht zugelegt hat er natürlich auch.

Schummeln beim beim Parkhäuslebau

Was auf der einen Seite mehr Komfort und Platz im Innenraum bedeutet, heißt zugleich weniger Platz zum Abstellen des Fahrzeugs. Laut bundesweiter Empfehlung für Anlagen des ruhenden Verkehr (EAR 05) müssen Parklücken 5 Meter lang und 2,50 Meter, Parkboxen mindestens 2,30 Meter breit sein. Seit 1991 hat sich da nichts mehr getan. Da die einzelnen Bundesländer eigene Vorschriften haben, kommt es laut der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen zu Kompetenzrangeleien. Die Folge: Nicht alle richten sich nach den Empfehlungen. Auch Architekten schummeln beim Bau von Parkhäusern schon mal 20 Zentimeter der 2,50 Meter Breite weg, bestätigt der ADAC. Ein Fall landete jüngst vor Gericht. Ergebnis: Absprache nicht eingehalten, der Architekt musste auf einen Teil seines Honorars verzichten.

Damit beim Parkhäusle bauen alles mit rechten Dingen zugeht, steht Deutschlands größter Automobilclub beratend zur Seite. Der Verband zeichnet seit rund 20 Jahren benutzerfreundliche Parkhäuser per Zertifikat aus, sofern sie 99 Prüfkriterien erfüllen - dazu zählen großzügig bemessene Rampen und Parkstände, Markierungen als Einparkhilfen, genügend Parkraum für Behinderte, Familien mit Kindern und Frauen. Von den rund 2200 öffentlichen Parkhäusern in Deutschland haben erst 208 (9,5 Prozent) die Qualitätskriterien erfüllt. Positives Beispiel: Das Parkhaus des Frankfurter Flughafens "Fraport" hat jüngst freiwillig von 2,30 auf 2,40 Meter aufgestockt. Immerhin. Und bequem lässt es sich auch beim Discounter einparken. "Aldi und Lidl sind vorbildlich in ihren Parkplatzangeboten", sagt Roman Breindl vom ADAC.

Hilfe gegen Park-Ängste

Wo das nicht der Fall ist, tauschen sich jede Menge Autofahrer in Foren über prekäre Parksituationen aus. Wie er seinen 1,75 Meter breiten PKW auf einem zwei Meter breiten Stellplatz vor seinem Haus unterbringen solle, beschwert sich einer: "Wenn ich neben meinen direkten Parkplatznachbarn zentriert parke, ist zwischen den Rückspiegeln links und rechts noch ein Zwischenraum von ca. drei bis vier Zentimetern." Vernünftiges Aussteigen, ohne das Nachbarfahrzeug zu berühren oder zu beschädigen sei da nicht mehr möglich. Und wo wenig Platz ist, werden Grenzen überschritten: Leidgenossen beschimpfen Parkrowdys, die Markierungen ignorieren und dominoartig für weitere Falschparker sorgen.

Nach einer Umfrage von Maritz Research wünschen sich 35 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen eine Kamera im Heck. 37 Prozent der Autofahrerinnen träumen sogar von einem selbst parkenden Auto. Laut Experten bieten elektronische Einparkhilfen Komfort und bauen Park-Ängste ab. Die einfachste Variante: Ein akustisches Signal ertönt, wenn der Abstand zu Bordstein oder Nachbarauto kritisch wird. Bei Audi heißt das dann APS, PDC bei BMW und ParkPilot bei VW. Aber es geht noch intelligenter: Der VW Touran zum Beispiel tastet sich per Ultraschallsensoren an den Kotflügeln in eine Parklücke. Die Passende erkennt er im Vorbeifahren, wenn man nicht schneller als 30 km/h unterwegs ist, der Rest geht dann automatisch: Der Touran lenkt selbsttätig, der Fahrer gibt Gas und bremst. Auch der Toyota Prius rollt selbstständig lenkend in die Lücke, vermessen aber kann er sie nicht. Das wiederum leistet beispielsweise der Parkassistent der neuen Mercedes A-Klasse. Er erspäht eine Lücke ab 5,19 Meter Länge und rangiert den Wagen hinein. Laut Mercedes gibt es weltweit kein anderes Auto, das automatisch in eine so kleine Lücke einparken könne. Der Wunderwaffe würden nämlich schon Wagenlänge plus 1,30 Meter ausreichen, um erfolgreich zu rangieren.

Üben, üben, üben

Dennoch: Elektronisches Einparken klappt im Alltag am besten, wenn der Wagen "David gegen Goliath" spielt, denn in wirklich kleine Lücken kommen die meisten auch mit Einparkhilfe nicht hinein. "Wer schlecht einparken kann, für den ist nicht unbedingt der Kauf eines solches Gerätes die Lösung", sagt Roman Breindl vom ADAC. Die seien zum Aufrüsten noch nicht für jedes Fahrzeug und jeden Geldbeutel geeignet." Die beste Garantie, ohne Schrammen in eine Lücke zu kommen, sei eben doch üben. Online können Sie das übrigens gefahrlos unter www.time2change.at/fun/einparken.html Probieren Sie’s aus!


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker