HOME

Erschreckende Ergebnisse: US-Crashtest zerlegt Premiumautos

Deutsche Businesslimousinen gelten als besonders sicher, trotzdem fielen die Mittelklassewagen bei einem neuen US-Crashtest durch. Besonders peinlich ist das Ergebnis für Audi und Mercedes.

Von Gernot Kramper

Mittelklasselimousinen, die sonst bei den Crashtests glänzen, fallen auf einmal durch. Die Sicherheitszelle verformt sich beim Aufprall so stark, dass ein Fahrer schwerste Verletzungen erlitten hätte. Erscheckende Bilder, die man sonst nur von den Crashtests chinesischer Geländewagen her kennt, und die so gar nicht zum Image der Premiumautos passen.

Wie konnte das passieren? Die Lösung ist einfach: Das Insurance Institute for Highway Safety - eine Art Stiftung Warentest für Fahrzeugsicherheit in den USA - hat die Autos einem neuartigen, verschärften Test unterzogen. Dieser Test simuliert einen schweren Unfall, der häufig vorkommt, in anderen Tests aber bislang nicht berücksichtigt wurde.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Autohersteller ihre Fahrzeuge so konstruieren, dass sie in den bekannten Sicherheitstests besonders gut abschneiden. Hier zeigt sich nun, wie gut die Autos einer Gefahr gewachsen sind, die nicht im Fokus der Ingenieure lag. Und man kann sagen: Die Premiumklasse darunter auch Fahrzeuge aus Deutschland wurde mit heruntergelassenen Hosen erwischt.

Peinliche Überholaktion: Angeber fährt Ferrari bei Straßenrennen schrottreif

Insgesamt wurden elf Baureihen mit ihren aktuellen Modellen getestet. In Deutschland am bekanntesten sind der 3er BMW, der Audi A4 und die C-Klasse von Mercedes. Auch die anderen Kandidaten stammen aus der gleichen Klasse teurer Mittelklasselimousinen.

Wie wurde getestet? Das Auto trifft nur mit einem kleinen Teil der Front auf ein starres Hindernis, so als würde es neben der Landstraße gegen einen Betonpfosten prallen. Da nicht die ganze Front eingedrückt wird, sondern nur der Bereich der Frontscheinwerfer, wird die Sicherheitszelle besonders belastet. Der mittlere Teil des Autos kann häufig die meiste Energie absorbieren, bei diesem Test findet der Aufprall aber neben der größten Schutzzone statt. Die Aufprallgeschwindigkeit ist mit fast 65 km/h (40 mph) zwar hoch, aber nicht unrealistisch - bei einem Ausweichmanöver auf der Landstraße kann man, selbst wenn man noch abbremsen konnte, noch mit dieser Restgeschwindkeit aufprallen.

Sieger im Test wurde der Acura TL, aber auch der Volvo S60 erreichte die Note Gut. Beim Infinity G reichte es noch für ein Befriedigend. Acura TSX, BMW 3er, Lincoln MKZ und Volkswagen CC schafften noch ein Ausreichend. Die Note für die Lexusmodelle IS 250/350 und ES 350 lautet Mangelhaft. Ebenso schlecht schnitten die deutschen Businesslimousinen Audi A4 und Mercedes C-Klasse ab. Insgesamt also ein blamables Ergebnis für die deutschen Premiumhersteller. Marken wie Acura und Mercury sind in Europa gar nicht vertreten. Lexus und Infinity haben in Deutschland nur einen Exotenstatus.

Warum sich das angesehene Institut für den scharfen Test entschieden hat, erklärt Präsident Adrian Lund: "Fast jeder neue Wagen schneidet sehr gut bei den herkömmlichen Frontalcrashtests ab. Trotzdem sterben (in den USA) mehr als 10.000 Personen bei frontalen Zusammenstößen." Die Forschungen des Instituts hätten bewiesen, dass ein Zusammenstoß mit nur geringer Überlappung häufig zu einem tödlichen Ausgang führt.

Wichtiges Sicherheitsranking in den USA

Das Insurance Institute for Highway Security war schon häufiger Schrittmacher bei der Sicherheitstechnik, es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass dieser Vorstoß zur Verschärfung der Anforderungen weltweit Nachahmer finden wird.

Berechtigt ist das Prüfverfahren allemal. Die Autohersteller können heute mehr leisten als früher, also muss die Messlatte höher gehängt werden. Nur so können sich besonders sicherere Fahrzeuge von der Konkurrenz abheben.

Rein zahlenmäßig sind derart schwere Unfälle zwar selten, aber die ganze Sicherheitstechnik an Bord soll die Insassen vor genau diesen Unfällen schützen, auch wenn sie nicht jeden Tag vorkommen. Für einen Parkrempler bräuchte man nicht einmal einen Airbag.

Nun müssen die Autohersteller schleunigst nachrüsten, ein schlechtes Abschneiden beim wichtigen Sicherheitsranking des Instituts ist Gift für die Verkäufe in den USA. Das Insurance Institute for Highway Safety hat bereits angekündigt, diesen Test in Zukunft immer durchzuführen zu wollen. Von den Verbesserungen werden dann auch die Europäer profitieren.

Wissenscommunity