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GVO: Kommt das Auto-Kaufhaus?

Ab dem 1. Oktober gilt die GVO, die es den Händlern ermöglicht, mehrere Marken unter einem Dach zu verkaufen. Ob sich diese Vision in der Realität durchsetzt, scheint allerdings unwahrscheinlich.

Beim Autohändler der Zukunft haben die Kunden nach Vorstellung von EU-Kommissar Mario Monti freie Auswahl: In ihrem Autohaus um die Ecke steht der Vision zufolge die Mercedes C-Klasse direkt neben dem 3er vom Konkurrenten BMW. Vielleicht gibt es auch noch einen Volkswagen zur Auswahl. Am 1. Oktober tritt die Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) in Kraft, mit der Wettbewerbskommissar Monti einen freieren Autohandel und niedrigere Preise in Europa erreichen will. Kurzfristig wird sich in der Realität für die Kunden in Deutschland nicht viel ändern.

Mehrmarkenvertrieb nur innerhalb der Konzernfamilie sinnvoll?

Die neue GVO soll es den Händlern ermöglichen, mehrere Marken unter einem Dach zu verkaufen. Helmut Blümer vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes bezeichnet die Vorstellung von Händlern mit verschiedensten Marken allerdings als "dummes Zeug". Weil jeder Hersteller andere Schulungen, andere Kleidung und andere Formulare verlange, würden einem Autohaus mit mehreren Marken nur höhere Kosten, aber keine Einsparungen entstehen. "Der Mehrmarkenvertrieb macht nur Sinn, wenn die Händler innerhalb einer Konzern-Familie bleiben." Es sei also höchstens vorstellbar, dass beispielsweise ein VW-Händler künftig auch Audi anbietet. Dem Verband jedenfalls sei kein Autohaus bekannt, in dem am Mittwoch eine neue Mehrmarken-Ära beginnt.

Markenprofil wichtiger denn je

Die Autokonzerne haben sich für die neue Ära gewappnet: Um die Auflagen der GVO zu erfüllen, mussten die Autohersteller mit ihren Händlern neue Verträge abschließen. Nach der neuen Regelung können nicht mehr die Hersteller die Anzahl ihrer Händler festlegen, sondern müssen alle Betriebe autorisieren, die ihre Standards erfüllen. Die Konsequenz formulierte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, bereits im Sommer vergangenen Jahres: Ein klares Markenprofil sei von nun an wichtiger denn je. Dementsprechend anspruchsvoll fielen die neuen Verträge aus. BMW gibt beispielsweise Details wie Bodenbeläge und die Beleuchtung vor und VW fordert, dass Werkstatt wie Kundentoilette mit dem Image der Marke übereinstimmen.

Fusionswelle großer Autohändler erwartet

Weil viele Familienbetriebe diese Standards nicht erfüllen können, wird sich der Autohandel vor allem in ländlichen Regionen verändern. Gemäß der GVO können sie als reine Werkstätten weiter arbeiten - die Trennung von Service und Betrieb ist erlaubt. Auf der anderen Seite werden sich die großen Autohändler nach Ansicht von Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der FH Gelsenkirchen, zu nationalen Vertriebsgruppen zusammenschließen, die sich auf die größeren Städte konzentrieren.

Dudenhöffer geht im Gegensatz zum Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe davon aus, dass diese Vertriebsketten eines Tages mehrere Marken anbieten - auch konzernübergreifend. Er verweist auf die USA, wo jeder Händler im Durchschnitt zwei Marken verkauft. Die Vision von Auto-Kaufhäusern mit verschiedensten Marken und Modellen hält auch er für unrealistisch. Der Kunde wünsche sich vielmehr eine vielfältige Auswahl innerhalb einer Klassen-Ebene. So sei ein Autohaus mit den Marken Opel und VW vorstellbar. Probleme sieht er dabei nicht: "Die Hersteller ähnlicher Automodelle fordern ähnliche Standards".

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