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Hans-Joachim Stuck: "Ohne Steuer geht's mir schlecht"

Der "Striezel" Stuck verrät stern.de, warum er ein so schlechter Beifahrer ist, dass es nur seine Ex-Frauen mit ihm aushalten, und wie es sich anfühlt, gemeinsam mit dem Sohn nach 24 Stunden über die Zielinie zu rasen. Außerdem gibt der Ausnahmefahrer Tipps zum Spritsparen.

Herr Stuck, alle Welt redet nur noch vom CO2-Ausstoß und Spritverbrauch. Viele Menschen bezeichnen gerade die deutschen Fahrzeuge als "Klimakiller". Wie fährt man denn am Sprit sparendsten?

Da möchte ich sarkastisch antworten, in dem man der unverschämten Aufforderung von Frau Künast folgt und nur noch Toyotas kauft. Nein, jetzt mal im Ernst: Benzinsparen fängt schon beim Autokauf an. Man sollte sich überlegen, welches Auto man tatsächlich braucht, wie viel man fährt, wo man fährt, welches Fahrzeug Sinn macht und welches eben in der individuellen Situation nicht. Neue Technologien wurden und werden entwickelt, um Sprit sparender unterwegs zu sein. Ich finde die neuen Diesel hervorragend; sie zeichnen sich durch wenig Verbrauch bei viel Leistung aus.

Generell kann man aber sagen, dass man vorausschauend und dem Verkehr angepasst fahren sollte. Klar, wenn's pressiert, ist es eher schwierig zu cruisen, aber wenn man die Zeit hat, dann kann man allein dadurch, dass man Beschleunigungsorgien unterlässt, schon viel einsparen.

Dass Sie ein begnadeter Fahrer sind, ist allgemein bekannt und wird durch die lange Liste Ihrer Erfolge untermauert. Sind Sie auch ein guter Beifahrer?

Danke fürs Kompliment. Ehrlich gesagt, bin ich ein total schlechter Beifahrer. Wenn ich nicht das Steuer in der Hand habe, geht’s mir einfach schlecht. Und da ist es auch schon egal, ob es ein Auto ist: Ich musste einmal Achterbahn fahren und das war wirklich schlimm für mich. Nicht wegen der Loopings und raschen Wendungen, sondern einfach weil ich nicht selbst eingreifen konnte.

Mit wem fahren Sie am liebsten –privat und beruflich?

Wenn ich schon Beifahrer sein muss, dann am liebsten mit meiner Ehefrau bzw. meinen früheren Ehefrauen. Das hat einerseits viel mit Vertrauen zu tun, andererseits fahren alle auch wirklich sehr gut. Überhaupt finde ich, dass Frauen die besseren Autofahrer sind, sie sind zumeist nicht aggressiv unterwegs und entwickeln sehr viel Gefühl fürs Fahren. (Lacht) Es gibt natürlich immer Ausreißer…- Wenn ich beruflich unterwegs bin, versuche ich gerne zu vermeiden, dass ich irgendwo mitfahren muss.

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Was war in beruflicher (Rennfahrer-Hinsicht) Ihr schönstes Erlebnis?

Das schönste Erlebnis ist eigentlich immer das, was am besten in Erinnerung geblieben ist. Und das war ganz eindeutig, das 24-Stunden-Rennen von Dubai im Januar des letzten Jahres. Mein Sohn Johannes und ich fuhren im gleichen Rennen in unterschiedlichen Klassen. In der letzten Runde sind wir dann gemeinsam über die Ziellinie gefahren. Ich muss gestehen, dass mich das schon ein paar Tränen gekostet hat und ich bin sicher, dass Stuck senior (Hans Stuck, rennfahrender Vater von Hans-Joachim Stuck, Anm.d.Red.) sich gefreut hätte….

Haben Sie ein Lieblingsauto und falls ja, welches und warum?

Ja, es gibt tatsächlich ein Lieblingsauto: Ein 2002 ti von BMW, so einen bin ich in meinem ersten Rennen im Jahre 1969 – meine Güte ist das lange her – gefahren. Ich habe solch einen Wagen vor ein paar Jahren gekauft, er war komplett restauriert und wenn ich mit diesem Auto unterwegs bin, dann erlebe ich eine Mischung aus nostalgischen Gefühlen und auf Grund der Kombination von wenig Gewicht und 160 PS das typische BMW-Fahrspaßgefühl.

Können Sie uns einen kurzen Abriss über Ihre momentanen berufliche Aktivitäten geben? Sie sind ja schließlich nahezu dauernd unterwegs von einer Präsentation zur nächsten, von einem Event zum nächsten. Jetten Sie nur noch durch die Welt?

Ach, das ist gar nicht sooo wild. In erster Linie bin ich Markenbotschafter der BMW Group, erledige meine Aufgaben fürs Sportmarketing, PR und Presse. BMW räumt mir genügend Zeit ein, dass ich auch noch aktiv Rennen fahren kann und zudem bin ich bei Premiere als TV-Experte für die Formel 1 unterwegs.

Sie analysieren seit Jahren die Formel 1. Welchem Fahrer trauen Sie zu, in die Fußstapfen von Michael Schumacher zu treten?

Nach seinem Rückzug findet ein Generationswechsel statt, es wird neue Impulse und da bin ich mir sicher, viele spannende Rennen geben. Die Karten werden jetzt neu gemischt. Ich sehe die jungen Wilden – wenn ich diese Fahrer mal so nennen darf – ganz vorne. Ich glaube, dass Massa im Ferrari die besten Chancen hat, aber natürlich gehören auch Alonso und Raikkönen zu den Titelaspiranten.

Sie sind stolzer Vater von zwei Söhnen, die beide ebenfalls Benzin im Blut haben, beide im Rennsport unterwegs sind und Erfolge feiern. Welche Gefühle haben Sie, wenn Sie Ihre Söhne bei den Rennen sehen? Sind Sie das große Vorbild für Ihre Söhne, wie früher Ihr Vater für Sie, holen sich Ferdinand und Johannes Rat und Tipps beim großen Strietzel Stuck?

Als ich meine Söhne das erste Mal bei einem richtigen Rennen erlebt habe, konnte ich nachempfinden, wie sich meine Eltern gefühlt haben, welche Angst man hat einfach hat, wenn das eigene Fleisch und Blut in einem Rennwagen unterwegs ist, denn Motorsport ist und bleibt gefährlich – in allen Kategorien. Als der jüngere dann auch damit anfing, war es nicht mehr ganz so schlimm, aber mulmig war es mir dann doch, ihn zu beobachten. Es ist nicht immer einfach, denn einerseits ist man sicher irgendwo das große Vorbild, andererseits müssen die jungen Menschen ihre eigenen Erfahrungen sammeln können. Ich halte es inzwischen so, wie es mein Vater bei mir gemacht hat: Ich übe mich in vornehmer Zurückhaltung und Ratschläge gibt’s nur, wenn tatsächlich danach gefragt wird. Ich finde, man muss die jungen Burschen respektieren – und das gilt nicht nur im Rennsport sondern fürs ganze (normale) Leben!

Die Fragen stellte Katja Eden

Wissenscommunity