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Jaufenpass: Gourmet Tripping

Sicher, man kann sich das Leben einfach machen und von München aus die A8 nehmen, auf die Inntal-Autobahn abbiegen und den Brenner rauf- und wieder runterbrausen, um nach Italien zu kommen. Wahre Geniesser jedoch nehmen den Kombi, bringen einen anständigen Appetit mit und versuchen was Neues.

Das Schöne an Autobahnen ist, dass man sie ab und an verlassen kann und dabei oft angenehmst überrascht wird. Dabei beginnt eine Schnellstrassenvermeidungstour mit Gourmet Charakter eigentlich ganz konventionell: Wie Millionen Normaltouristen begibt man sich von München aus auf die A8 Richtung Salzburg, nur verlassen Geniesser schon mal in Holzkirchen die Autobahn, fahren den Tegernsee entlang, über Rottach und Kreuth (jawohl, dem beliebten CSU-Wallfahrtsort) auf die B181 nach Achenkirch. Die Fahrt am Achensee entlang ist zwar nicht unbekannt, aber immer wieder überraschend schön. Bei Wiesing geht’s auf die Inntal Autobahn (keine Sorge, nur ganz kurz), denn vor Innsbruck nehmen Sie die Ausfahrt Aldrans/Lans und fahren direkt ins Landgasthof Wilder Mann in Lans.

Wilder Mann für wilde Männer

Je nachdem wie schnell Sie die erste Etappe geschafft haben, empfiehlt sich eine Jause (die österreichische Version einer Zwischenmahlzeit) oder ein anständiges Mittagsmahl mit gewaltigen Kohlehydrat-Werten (aber lecker!!). Dann fahren Sie kurz auf den Brenner, um ihn nach ein paar Kilometern in Richtung Stubaital wieder zu verlassen. In Neustift gönnen Sie sich erstmal die verdiente, erholsame Übernachtung im Jagdhof, dem Hotel mit dem wohl prächtigsten Wellness-Bereich der Gegend - und das Restaurant ist auch nicht von schlechten Eltern (die Weinliste ist beeindruckend!).

Blick aus dem Jaufen-Haus

Am nächsten Morgen geht’s zurück auf den Brenner, den Sie nach einer Stunde oder einem Tag (je nach Verkehrslage) in Italien bei Vipiteno/Sterzing wieder verlassen. Jetzt kommt der oben angeführte Kombi ins Spiel, denn Sie kaufen erst mal eine Ladung Wein – in Sterzing gibt es zwei sehr schöne Shops, Mair-Mair oder den Hofermarkt. Und dann geht’s den Jaufen Pass hoch, der recht harmlos beginnt, aber mit zunehmender Höhe immer mehr Spitzkehren aufweist (weshalb Sie in Sterzing besser nicht verkostet haben sollten). Kurz vor der Passhöhe empfehle ich eine kurze Rast im Jaufen Haus, weniger des Kaffee und Kuchens wegen, aber die Aussicht von der Terrasse lohnt sich, und die gibt’s halt nur bei Verzehr. Die Abfahrt nach Meran ist magenfreundlicher als die Auffahrt zur Passhöhe, so dass ein spätes Mittagsmahl im exzellenten Restaurant des Schlosshotels Fragsburg in Meran gerade passt.

Jetzt wird eingepackt

Dann geht die Arbeit richtig los, und ich hoffe, dass Sie noch genügend Platz im Kombi haben: der nächste Stop sind die Weindörfer Kaltern und Eppan/Appiano. Unter den Dutzenden von Kellereien und Shops der Dörfer empfiehlt sich die Vinothek Merum in Eppan und der Togglkeller in Kaltern, aber probieren Sie am besten alle aus. Die letzte Teilstrecke der Gourmet-Reise lassen Sie dann am besten die Gattin fahren, denn bis zum Hotel Rosa Alpina in San Cassiano mit dem exzellenten Restaurant St. Hubertus, gute 30 Kilometer östlich von Bozen, ist’s noch ein rechtes Stück Weg. Danach haben Sie im Rosa Alpina eine Ruhepause in einem der schönsten Hotels der Dolomiten verdient.

Helmut Werb

Wissenscommunity