Käfer-Geschichte Ferdinands Volkswagen


Er ist der Inbegriff des Deutschen Wirtschaftswunders und läuft bis heute in Mexico vom Band: der VW Käfer. Seinen tierischen Namen erhielt der kleine Krabbler jedoch erst 1968 von einem findigen Werbetexter.

Er ist der Inbegriff des Deutschen Wirtschaftswunders und läuft bis heute in Mexico vom Band: der VW Käfer. Seinen tierischen Namen erhielt der kleine Krabbler jedoch erst 1968 von einem findigen Werbetexter.

Als Ferdinand Porsche am 17. Januar 1934 seine Idee für ein Massenautomobil beim Reichsverkehrsministerium einreicht, ist schlicht von einem Volkswagen die Rede. Damit liegt Porsche durchaus im Trend der Zeit – kaum ein Jahr zuvor war der Volksempfänger auf den Markt gekommen. Bereits am 22. Juni 34 beauftragt der Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) Porsche mit dem Bau eines „Volkswagens“.

Drei Prototypen
Die Unterstützung durch die Mitgliedsfirmen des RDA ist jedoch bescheiden. Und so entstehen die ersten beiden Prototypen 1935 in Porsches Stuttgarter Garage. Beide werden bereits von einem 22 PS starken, luftgekühlten Boxermotor angetrieben und sind mit Drehstabfedern ausgerüstet. Insgesamt entstehen im Laufe des Jahres drei Fahrzeuge, die bereits mehr oder weniger an den späteren Käfer erinnern. Die Türen des zukünftigen Volkswagens öffnen sich jedoch noch nach hinten.

Weiterentwicklung 1936


Ab 1936 werden die drei Fahrzeuge zur Serie „VW 3“ zusammengefasst. Eine Limousinen- sowie eine Cabrio-Version wird den strengen Experten des RDA im Februar 1936 präsentiert. Obwohl die „Garagenwagen“ noch etliche technische Mängel aufweisen, empfiehlt der RDA ihre Weiterentwicklung. Im Laufe des Jahres bringt es jeder Prototyp auf gut 50.000 Testkilometer. Im Vordergrund steht dabei vor allem die Autobahntauglichkeit der neuen Wagen.

2,4 Millionen Testkilometer


Nach den erfolgreich verlaufenen Tests lässt der Reichsverband eine Vorserie von 30 (Serie 30) Fahrzeugen im Sindelfinger Daimler-Benz-Karosseriewerk bauen. Die dort produzierten Fahrzeugen haben noch kein Rückfenster – dessen Platz braucht man für Lüftungsschlitze der Motorhaube. 120 SS-Männer bringen in den Volkswagen 2,4 Millionen Testkilometer hinter sich. Gleichzeitig informiert sich Ferdinand Porsche in Amerika bei Ford und General Motors über die neusten Fertigungsmethoden um die Kosten weiter senken zu können.

KdF-Wagen
Die Ideen aus Amerika fließen 1938 in die Serie 38. Die Wagen erhalten typische Käfer-Merkmale wie das „Brezelfenster“, Trittbretter, Stoßstangen und vorne angeschlagene Türen. Der RAD steigt unterdessen aus der teuren Entwicklung aus. An seine Stelle tritt die finanzkräftige Deutsche Arbeitsfront, die den Volkswagen für knapp 1000 Reichsmark als „KdF“-Wagen (Kraft durch Freude) anbieten soll.

"Stadt des KdF-Wagens"


In der Nähe von Fallersleben beginnt 1938 der Bau des neuen Volkswagenwerks als „Stadt des KdF-Wagens. Die Autos sollen durch ein Sparsystem finanziert werden. Basis sind so genannte VW-Sparkarten, auf die so genannte KdF-Sparmarken im Mindestwert von fünf Reichsmark geklebt werden. Die eingehenden Gelder kommen auf ein Sperrkonto, bis er Kaufpreis von 990 Reichsmark angespart ist.

Offiziell vorgestellt wird der Volkswagen am 16. Februar 1939 auf dem Berliner Autosalon. Den hoffnungsvollen Sparern macht der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs einen Strich durch die Rechnung. Bevor die Großserienproduktion anlaufen kann, wird aus der „Serie 30“ der Typ 82 Kübelwagen zur militärischen Nutzung entwickelt. 1940 startet die Serienproduktion des einfachen Geländewagens.

Alliiertes Kommando


Erst fünf Jahre später nimmt das Volkswagenwerk den Betrieb unter alliiertem Kommando wieder auf. Die Britische Militärregierung ordert 20.000 Volkswagen-Limousinen. Im Dezember verlassen die ersten 55 Käfer die Werkshallen. Bereits knapp ein Jahr später wird der 10.000ste Volkswagen produziert.

Erst am 19. Januar 1978 läuft im Emdener Volkswagenwerk der letzte in Deutschland produzierte Käfer vom Band. Insgesamt wurden 16.255.500 Stück gebaut.

Jochen Knecht

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