Mercedes-Benz E-Klasse Mit Sicherheit durch die Krise


Daimler-Chef Dieter Zetsche geizte in Detroit nicht mit Superlativen für Mercedes wichtigstes Modell, die E-Klasse. Hauptargument ist Sicherheit, sparsame Motoren gibt es auch, und fürs nächstes Jahr ist ein Hybrid angekündigt.
Von Michael Specht

Statt auf dem Messestand in den Cobo-Hallen am Detroit River präsentierte Daimler seine neue E-Klasse ein paar Blocks entfernt im Westin Book Cadillac Hotel. Allerdings nicht für die Öffentlichkeit. Nur geladene Fachjournalisten hatten Zugang zur, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche es formulierte, "besten Midsize-Limousine der Welt". Entwicklungsvorstand Thomas Weber setzte gleich noch einen Superlativ drauf: "In der neuen E-Klasse sind die Insassen sicherer als in jeder anderen Limousine."

Große Worte. Ähnliches war auch vor knapp sieben Jahren zu hören, als Mercedes die jetzige E-Klasse (W 211) vorstellte. Damals wurde die Elektronik-Bremse SBC (Sensotronic Brake Control) als technische Innovation gefeiert. Keine zwei Jahre später musste Daimler die größte Rückrufaktion seiner Geschichte bekannt geben. Mitunteptargr zickte das System und schaltete auf Notprogramm um. Mit der Modellpflege 2006 wurde die SBC-Bremse wieder ausgemustert. Die E-Klasse erhielt die Bremsanlage der S-Klasse.

Hauptargument: Sicherheit

Weiterhin bleibt das Aushängeschild der neuen E-Klasse, intern W 212 genannt, die Sicherheit. Neben der üblichen passiven Sicherheit wie Airbags, Gurtsysteme, Knautschzonen und Karosseriefestigkeit haben sich die Mercedes-Ingenieure wie nie zuvor um das Thema Unfallvermeidung gekümmert und sprechen bei den elektronischen Systemen von einem "denkenden Partner", der sehen, fühlen und im Notfall selbsttätig handeln kann. Serienmäßig erkennen Sensoren, wenn der Fahrer müde wird und weisen ihn mit einem Kaffeetassen-Symbol im Cockpit höflich darauf hin, eine Pause einzulegen. Gegen Aufpreis stehen dem E-Klasse-Kunden dann Features wie Nachtsichtsystem, intelligente Scheinwerfer, Spurhalte- und Tempoassistent, Toter-Winkel-Warner, Abstandsradar mit automatischer Vollbremsung zur Verfügung. Letzteres hilft, bei einem unvermeidlichen Crash das Aufschlagtempo und so die Verletzungsschwere zu reduzieren. Selbst wer mit Tempo 50 gegen die Wand fahren würde, prallt nur mit 37 km/h auf, weil das System 0,6 Sekunden zuvor die Notbremsung auslöst. Zwar haben auch andere Hersteller wie zum Beispiel Toyota und Lexus ähnliche Systeme an Bord, doch Mercedes-Entwicklungsleiter Uwe Mellinghoff ist sich sicher, dass das "nirgendwo mit solch einer Präzision und Zuverlässigkeit funktioniert wie bei uns." Auch in Sachen Fußgängerschutz bietet die E-Klasse mehr als ihr Vorgänger. Kommt es zu einem Aufprall, springt die Motorhaube fünf Zentimeter hoch und fängt so die Person "weicher auf.

Der Sparmeister der oberen Mittelklasse

Neben den Superlativen bei der Sicherheit will Daimler auch beim Umweltthema CO2 die Führungsposition im Segment der E-Klasse einnehmen. Für das 204 PS und 500 Nm starke Dieselmodell E 250 CDI BlueEfficiency geben die Stuttgarter Autobauer einen Verbrauch von nur 5,3 Liter pro 100 Kilometer an. "Kein anderes Fahrzeug in dieser Klasse schafft einen CO2-Ausstoß von 139 Gramm pro Kilometer", sagt Zetsche. Gleiche Ambitionen gelten für die Benziner, alle mit moderner Direkteinspritzung. Allerdings erst später. So müssen die Kunden auf den Turbo-Vierzylinder mit Start-Stopp-System im E 200 CGI mindestens noch bis September warten, können dann aber mit einem Verbrauch von knapp unter sieben Liter rechnen. Nochmals deutlich weniger soll Anfang 2010 der E 300 BlueHybrid schaffen. Sein 1,8-Liter-Vierzylinder ist mit einem ringförmigen Elektromotor gekoppelt, der stets bei der Beschleunigung hilft und im Schubbetrieb die Lithium-Ionen-Batterie auflädt. Dieses Mild-Hybrid-Prinzip führt Mercedes im Sommer erstmals mit der S-Klasse (S 400 BlueHybrid) ein.

Größer musste es dennoch werden

Zur Komfortsteigerung erbt die neue E-Klasse das adaptive Dämpfersystem der C-Klasse. Das sogenannte Direct-Control-Fahrwerk ist serienmäßig und passt sich automatisch der Fahrsituation an. Bleibt abzuwarten, ob damit die Stuttgarter Limousine ihren bislang "schweren" Charakter ablegen kann und sich damit fahrdynamisch der Konkurrenz aus München und Ingolstadt angleicht. In den Abmessungen wuchs das "Herz von Mercedes" (Zetsche) auf 4,87 Meter. Auch der Radstand wurde gegenüber dem Vorgänger verlängert, so dass Insassen im Fond deutlich mehr Beinfreiheit genießen. Den Innenraum prägt eine klassische Architektur. Motto: Willkommen zu Hause. Ohne lange nachzudenken, findet man sämtliche Bedienteile intuitiv an ihren Plätzen. Verarbeitung und die Auswahl an Materialien sind hochwertig, so wie man es von einem Premiumhersteller erwartet. Und dass es den Entwicklern bei Mercedes-Benz nicht an Ideenreichtum mangelt, zeigt ein nettes Extra im Kofferraum. Flach wie ein Bilderrahmen lässt sich waagerecht unter der Hutablage ein großer Behälter herausziehen. Um ihn zu nutzen, braucht man nur mit der Hand die schwarze "Leinwand" nach unten zu drücken und es entsteht ein quaderförmiger Behälter, ideal für Einkauf, Kleinkram oder auch die schmutzigen Gummistiefel. Ein Knopfdruck genügt und das System zieht sich wie ein Rollos zusammen. Mercedes nennt das Teil "Easy Pack" – von der deutschen Bezeichnung "selbstraumschaffende Tasche" nahm man schnell Abschied.


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