HOME

Stiftung Warentest: So schützen Sie sich beim Gebrauchtwagen-Kauf vor Tachobetrug

Tacho-Manipulation ist zum Volkssport geworden. Es ist kinderleicht, die Daten zurückzusetzen und die Käufer zu betrügen. Die können sich nur mit gesundem Misstrauen und einem ausführlichen Fahrzeug-Check schützen.

Wenn man ein Auto-Schnäppchen macht, ist die Freude zunächst groß. Aber was, wenn am Tacho gedreht wurde?

Wenn man ein Auto-Schnäppchen macht, ist die Freude zunächst groß. Aber was, wenn am Tacho gedreht wurde?

Bei jedem dritten Gebrauchten, der zum Verkauf angeboten wird, soll der Tacho manipuliert worden sein. Für den arglosen Käufer ist das jeweils ein gewaltiger Schaden, denn für den Wert des Autos sind die gelaufenen Kilometer und Betriebsstunden entscheidend. Die Warentester schätzen den Schaden auf durchschnittlich 3000 Euro. Im aktuellen Heft informieren sie, wie man sich vor dem Betrug schützen kann. Das Auto "frisch machen" ist zum Volkssport geworden, denn es geht kinderleicht. Geräte, die die Kilometerangabe und die Daten im Auto verstellen, gibt es für wenig Geld im Internet zu kaufen. 

Deutlicher Schaden durch Tachomanipulation

Eine Beispielrechnung vom TÜV Rheinland zeigt, wie lukrativ der Betrug sein kann: Reduzieren Kriminelle bei einer Mercedes-Benz E-Klasse, Baujahr 2011, die Laufleistung um 66.000 Kilometer von 114.000 auf 48.000, bedeutet das einen höheren Erlös von 5.400 Euro. Den jährlichen Schaden in Deutschland beziffert die Polizei auf fast sechs Milliarden Euro. "Neben der kriminellen Geschäftemacherei spielen bei Tachomanipulation auch Aspekte der Verkehrssicherheit eine Rolle", erklärt Jürgen Brauckmann, Bereichsvorstand Mobilität TÜV Rheinland: "Geht ein Käufer von einem erheblich geringeren Kilometerstand des Fahrzeugs aus, fährt er möglicherweise zu spät zur Inspektion. So können Defekte oder Verschleiß etwa an Bremse und Fahrwerkskomponenten unentdeckt bleiben."


Das Problem besteht auch, weil es bislang keine Hardwarelösung gegen die Manipulation gibt. Erst seit September 2017 müssen neuentwickelte Fahrzeugtypen über einen Tachoschutz verfügen. Der ADAC verlangt einen sicheren Chip, der fest im Auto verbaut wird. Demjenigen, der heute einen Wagen kaufen will, nützt das alles – noch - nichts.

Alle Fahrzeugdaten betroffen

Für ihn wird es auch darum schwer, weil Profis nicht allein den Tachostand zurückdrehen, sondern alle Daten zurücksetzen, aus denen die Laufleistung hervorgeht. Ein einfacher Datencheck in der Werkstatt deckt diese Manipulation nicht auf. Bei wertigen Gebrauchten würden auch komplette Service-Hefte gefälscht, warnen die Warentester. Ein normaler Kunde wird die Fälschung kaum bemerken, auch wenn die Tester darauf hinweisen, dass die Stempelfarbe im Laufe der Jahre verblasst und man so frisch gestempelte Hefte entdecken könnte. Sie raten dazu, sich im Vertrag auf jeden Fall die tatsächliche Fahrleistung garantieren zu lassen und sich nicht auf Formulierungen wie "abgelesen" oder "laut Vorbesitzer" abspeisen zu lassen. Ebenso raten sie, den Zustand des Fahrzeugs genau zu überprüfen.

Clevere Betrüger kaum zu entlarven

Wir meinen, dass sich eine professionelle Manipulation kaum entdecken lässt, solange es die Betrüger nicht übertreiben. Angenommen ein 5er BMW wird nach drei Jahren Leasing an eine Privatperson verkauft, die den Wagen auf dem Land schonend fährt. Sollte dieser Langstreckenwagen nach sechs Jahren verkauft werden und dabei wird der Tachostand von 190.000 Kilometer auf 145.000 zurückgestellt, ist der Betrug durch den Verschleiß an Sitzen und Ausstattung kaum zu bemerken.

Entdeckt der Kunde den Betrug, kann er den Wagen meist zurückgeben, weil verbindliche Zusagen nicht eingehalten wurden. Nur bei sehr günstigen und alten Fahrzeugen wird es schwierig, weil hier die Händler auf entsprechende Formulierungen im Vertrag bestehen. Wenn der Händler aber von vornherein klar macht, dass er für diese Angaben nicht einstehen kann, hat man auch vor Gericht schlechte Karten. Das gilt auch beim Kauf von Privatleuten, vor allem dann, wenn diese distanzierende Formulierungen im Vertrag verwenden.

Kauf beim seriösen Händler

Grundsätzlich sollte der Kunde wegen der Angabe "jedes dritte Auto" nicht in Panik verfallen. Diese Schätzung beruht auf einer Razzia der Polizei bei bestimmten, verdächtigen Händlern und sagt wenig über den Gesamtmarkt aus. Jemand, der ein junges Fahrzeug – sei es eine Tageszulassung, ein Jahreswagen oder auch ein Leasingrückläufer – beim Vertragshändler kauft, kann unserer Meinung nach darauf vertrauen, dass die Angaben auch stimmen. Denn in so einem Fall müsste der Manipulator zuerst einmal die Werkstatt täuschen können. 

Den vollständigen Test finden Sie gegen Gebühr unter test.de


Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.