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Spritsparmodelle: Gewagte Rechnung !!SPERRFRIST!!: 06.11.2008

Im Prospekt glänzen sie mit tollen Verbrauchswerten. Ob Spritsparmodelle das auch im Alltag schaffen, klärte der stern in einem Vergleich: drei normale Familienautos gegen ihre angeblich enthaltsamen Ableger

Von Peter Weyer

Deutschlands Autobauer sind einsame Spitze. Zumindest bei ihren Wortschöpfungen. "Efficient Dynamics", "Blue Efficiency", "Econetic" oder "Blue Motion" heißen etwa derzeitige Begriffskonstrukte bei BMW, Mercedes, Ford und Volkswagen. Hinter dem, was eher nach Telefontarif, Kraftfutter oder Yachtausrüstung klingt, stecken die neuesten Spritsparkonzepte der Hersteller. Zwei davon - und das eines japanischen Konkurrenten - hat der stern herausgepickt, um zu prüfen, was die Sparzusagen taugen. Denn die sind ziemlich vollmundig. Beispielsweise verspricht Ford einen Verbrauch von nur 4,3 Liter Diesel je 100 Kilometer für eine vollwertige Familienlimousine wie den Focus Econetic. Volkswagen preist bescheidene 5,2 Liter Sprit an für einen geräumigen Kombi wie den Passat Variant Blue Motion. Die mutigste Garantie gibt Toyotas Nobeltochter Lexus. Die üppige Oberklasselimousine GS 450h setzt bullige 345 PS frei, schluckt dabei aber angeblich nur 7,6 Liter Superbenzin.

So viel zur Theorie. Die heißt beim Spritverbrauch für Personenwagen seit 2000 "Modifizierter Neuer Europäischer Fahrzyklus" (MNEFZ) und ist verbindlicher Teil der Europäischen Abgasgesetzgebung. Am Stammtisch besser bekannt als Euro-Norm. Nach der werden die Spritverbräuche technisch korrekt ermittelt. Die Ergebnisse scheinen zwar mitunter märchenhaft niedrig, sind dennoch nicht gemogelt, weder von den EU-Behörden noch von den jeweiligen Herstellern. Dumm dabei: Die Norm hat mit der Realität des Alltagsverkehrs nichts gemein. Denn die Verbrauchsmessung läuft nicht wirklich auf der Straße, sondern im Labor auf einem Rollenprüfstand. Da rauf werden bei stehendem Fahrzeug vier Stadtfahrten von jeweils 195 Sekunden simuliert, danach eine Außerortstour von 400 Sekunden. Insgesamt misst die "Prüfstrecke" elf Kilometer, die in knapp 20 Minuten mit durchschnittlich genau 33,6 Stundenkilometer durchfahren werden. Ein einziges Mal liegt das Höchsttempo bei 120 Stundenkilometern - für höchstens fünf Sekunden. Dabei wird der Kraftstoffverbrauch auch keineswegs echt gemessen, etwa durch die nachgetankte Spritmenge oder Durchfluss-Messgeräte, sondern nur theoretisch rückgerechnet. Und zwar aus einzelnen Bestandteilen des Abgases, das während der Fahrt in einem Beutel am Auspuff aufgefangen wird.

Lebensfremde Norm

Kurzum: Die Norm ist so lebensfremd, dass kein Auto die Prüfstandswerte im normalen Verkehrsfluss auf der Straße wirklich erreichen kann. Die Fahrzeugbauer können ihr höchstens nahekommen. Mehr oder weniger. Um sich wenigstens den strammen Theoriewerten zu nähern, haben deutsche Hersteller ihr jeweils hauseigenes Spritsparprogramm aufgelegt. Mit einer ausgeklügelten Taktik der kleinen Schritte. Notgedrungen. Denn bahnbrechende Neuerungen mit deutlich höherer Spar-Erwartung, etwa alltagstaugliche Elektroantriebe, werden auch in naher Zukunft noch nicht serienreif sein. Bis dahin soll eine Summe von Mini-Verbesserungen die Rechnung an der Zapfsäule drücken.

Beispiel Volkswagen. Die Wolfsburger, mit Blue Motion frühe Pioniere im mobilen Sparverein, verkleiden den Unterboden etwas, glätten ein wenig den Kühlergrill und legen den Passat komplett ein paar Millimeter tiefer, um dem Fahrtwind weniger Front- und Stirnfläche zu bieten. Die Gänge drei bis fünf sind zur Drehzahlsenkung länger übersetzt, und statt protziger Breitreifen sind schmale Gummis montiert. Spezialanfertigungen von Continental, die auf den ersten Blick nicht von normalen Reifen mit der gleichen Bezeichnung zu unterscheiden sind.

Überraschungen beim Test

Doch sie haben’s in sich: Sie verformen sich ("walken") beim Ablaufen weniger, setzen dem Vortrieb deshalb weniger Rollwiderstand entgegen und sparen so bis zu fünf Prozent Sprit. Bislang musste der Vorteil von Ökoreifen allerdings mit dem Risiko eines erheblich längeren Bremswegs auf nasser Fahrbahn erkauft werden. Bei den Energiesparern der jüngsten Baugeneration, versichern Volkswagen und Continental einhellig, ist dieser Zielkonflikt gelöst. Was macht das alles zusammen? Auf der Straße, im Hamburger Berufsverkehr ebenso wie auf den norddeutschen Autobahnen, brachte der stern-Test einige Überraschungen.

  • Bei vorausschauender, aber keineswegs zögerlicher Fahrt liegt der tatsächliche Verbrauch mit durchschnittlich 5,5 Litern je 100 Kilometer überraschend nahe am Normwert. Nur 0,3 Liter drüber.
  • Der Blue Motion ist dabei keineswegs eine lahme Ente.
  • Er ist mit den gleichen Motor-und Fahrleistungen ebenso flott unterwegs wie seine Modellbrüder. Beim Spitzentempo wegen der verfeinerten Aerodynamik sogar noch fünf Stundenkilometer schneller.
  • Der Minderverbrauch des Blue Motion gegenüber seinem normalen Modellbruder ist in Theorie (0,7 Liter) und Praxis (0,8 Liter) nahezu gleich.
  • Dennoch ist der Spareffekt kleiner als gedacht. Bei durchschnittlich 15.000 Kilometern pro Jahr verfeuert der "blaue" Volkswagen zwar 120 Liter Diesel weniger, aber die Differenz reicht nicht mal für zwei Tankfüllungen. Auch bei den echten Autokosten, also einschließlich Steuer, Versicherung, Werkstattkosten und Wertverlust, trennen die beiden Wolfsburger keine Finanzwelten. Der "Blaue" spart pro Monat gerade mal 15 Euro oder 1,2 Cent pro Kilometer. Aber sein leicht erhöhter Grundpreis frisst die Spritsparerfolge fast wieder auf.

Ähnlich bei Ford. Der Focus 1.6 TDCI und die sparsame Econetic-Variante liegen im Alltagsverkehr bei haargenau gleicher Leistung knapp einen Dreiviertelliter je 100 Kilometer auseinander. Pro Jahr verfeuert der Econetic also etwa 105 Liter Diesel weniger. Ein knapper Vorteil, der bald wieder aufgezehrt wird. Weil der Wertverlust überraschend mehr zu Buche schlägt, kosten beide Modelle pro Monat mit 482 und 483 Euro fast das Gleiche. Die Kosten pro Kilometer sind mit 38,6 Cent sogar hinterm Komma identisch.

Lexus spart mehr als 30 Prozent ein

Eine ernüchternde Bilanz. Denn sie belegt, dass Spritsparprogramme, die nur aus Retuschen an Motor, Getriebe und Karosserie bestehen, die Rechnung an der Zapfsäule nicht deutlich drücken können. Die halbherzigen Maßnahmen beruhigen allenfalls Gemüt und Gewissen. Eine wirklich durchschlagende Kostensenkung ist nur erreichbar, wenn das Auto drastisch weniger schluckt. Das wiederum ist aber nur möglich, wenn Drehzahl, Leistung und Tempo schmerzlich gekappt werden oder das Gewicht radikal abgespeckt wird. Oder wenn ein Hybridantrieb für Vortrieb sorgt. Welche Spritsparziele damit möglich sind, beweist Toyotas Luxusableger Lexus: mehr als 30 Prozent. Der GS 460 mit Achtzylindermotor zieht im stern-Test pro 100 Kilometer 12,3 Liter Super aus dem Tank. Die Hybridvariante GS 450h begnügt sich dagegen mit nur acht Litern - bei gleicher Ausstattung und nahezu identischen Fahrleistungen.

Der Trick dabei: Die Sparvariante kommt mit einem Sechszylinder aus. Die Leistungslücke schließt ein voll integrierter Elektromotor mit äußerst komplizierter Steuerung, von dem im Fahrbetrieb jedoch nichts zu merken ist. Der mischt gleich doppelt mit. Zum einen übernimmt er den Vortrieb, wenn es in der Stadt nur gemächlich vorangeht. Zum anderen bietet er eine zusätzliche Kraftspritze, wenn für flotte Fahrt volle Leistung erforderlich ist. Ersparnis an Betriebskosten pro Monat: mehr als 220 Euro. Allerdings: Lexus spart auf hohem Niveau. Für eine einzige Hybrid-Limousine gibt’s bei Ford fast drei Focus in Sparversion. Und für die monatlichen Betriebskosten des fortschrittlichen Japaners von 1139 Euro lassen sich locker zwei Passat Variant unterhalten.

Mitarbeit: Michael Bethke, Andreas Wittenborn

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