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VW-Werk Mexiko: Quo vadis, Vocho?

"Vochito", Käferchen, nennen die Mexikaner liebevoll den VW-Käfer, der bis 2003 in Puebla produziert wurde. Heute werden in dem Werk nur noch Ersatzteile wie Motoren hergestellt, stattdessen läuft der New Beetle vom Produktionsband - doch auch der neue Käfer kommt langsam in die Jahre.

Den Ort im Werk von Volkswagen de Mexiko zu finden, wo noch immer der Motor des weltberühmten Käfers gebaut wird, ist gar nicht so einfach. Selbst kundige Werksangehörige müssen sich lange durchfragen, bis sie in einer Ecke der Halle 25 fündig werden. Denn die Ausmaße des Werkes in Puebla sind riesig: In 94 Hallen auf einer Fläche von 300 Hektar fertigt der deutsche Autokonzern heute so moderne Autos wie den Bora, den Jetta, den Golf Variant und den New Beetle. An den alten Käfer erinnert hier nichts mehr. Derzeit nämlich sind die 16.000 Mitarbeiter auf Rekordjagd, denn sie wollen dieses Jahr das Ergebnis von 425.000 Einheiten aus dem bislang erfolgreichsten Jahr 2000 übertreffen.

Das und wie es weitergehen soll mit den deutsch-mexikanischen Autobau, wurde vergangenen Freitag in Puebla Thema am Rande der Feier, die VW-Chef Martin Winterkorn und den mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón an der Wiege der mexikanischen Automobilindustrie zusammenführte. Gefeiert wurde der einmillionste New Beetle, der jetzt seit zehn Jahren von den Bändern in Puebla rund 120 Kilometer östlich der mexikanischen Hauptstadt läuft. An die Zahlen seines einzigartigen Vorfahren wird er wohl nie herankommen. Über 21 Millionen Käfer wurden gebaut, die letzten 2003 in Puebla. In Deutschland war die Käfer-Produktion 1978 eingestellt worden.

Die Tage des Kultautos gezählt

"Vochito" (Käferchen) nennen die Mexikaner liebevoll das Auto, das immer noch in großer Zahl mit dem vertrauten Motorengeräusch in den Straßen des Landes unterwegs ist. Der "Vocho" ist immer noch das klassische und unverwüstliche Taxi in den Städten, in Mexiko-Stadt weiß-grün, in Acapulco weiß-blau, in Zacatecas weiß-rot. Doch sind die Tage des Kultautos gezählt, Billigwagen aus China und Indien drängen auf den Markt, aus Japan und Korea sind sie schon da.

Viele sind nicht glücklich darüber. Die Taxifahrer von Taxco zum Beispiel, einer hochgelegenen Minenstadt mit steilen Straßen im Staate Guerrero. Sie baten den Konzern, wenigstens die Produktion der Motoren nicht zu beenden. Kein anderes Fahrzeug sei so gut geeignet für die schwierigen Bedingungen in ihrem Gebiet wie der "Vocho", begründeten sie ihre Bitte. Und dann gibt es noch die zahlreichen Liebhaber, die das Gefährt wie ein Kleinod hegen.

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Technisch hat der Beetle nichts mit dem Käfer zu tun

Denn für sie werden im Werk noch heute Ersatzteile hergestellt. Von ursprünglich mehreren Tausend Arbeitern, die in der Hochzeit in den 80er und 90er Jahren 100.000 Käfer pro Jahr herstellten, sind acht übrig geblieben. Auf einer Fläche von ein paar hundert Quadratmetern bauen sie jeden Tag 40 Motoren zusammen. Faustino Cosatl (52) ist einer von ihnen. 35 Jahre ist er dabei und natürlich war auch das erste Auto, das er erwarb und mit dem er seine Freundin beeindruckte, ein "Vocho". "Der Vochito war unser", sagt auch Fabian Amaro Bueno (28) der bis 2003 die Stoffdecken in die Autos eingeklebt hatte.

Die Chefs in Puebla sind nicht so nostalgisch gestimmt. "Der New Beetle hat nur die Designsprache vom Käfer geerbt", sagt etwa Thomas Karig, der Kommunikationsdirektor des Werks. "Dieses Auto kann nur ein Volkswagen sein". Technisch aber habe der Beetle nichts mehr mit dem Käfer zu tun. Mit dem New Beetle, der vor allem in den USA durchschlagenden Erfolg hatte und noch heute vor allem dort gut verkauft wird, begann in Puebla eine neue Zeitrechnung. Er war das erste Fahrzeug der mexikanischen Automobilindustrie, das exklusiv für den Weltmarkt gebaut wurde.

Heute wird er in einer Reihe mit den anderen Modellen auf den kilometerlangen Fertigungsstraßen durch die Hallen geschoben, wird von Robotern zusammengeschweißt, von Aufzügen auf- und abbewegt, um meist unterirdisch von einer in die andere Halle zu gelangen, bis am Ende nach rund 36 Stunden die Räder montiert werden. Dann steht er mit all den anderen Neufahrzeugen zum Abtransport in die Welt bereit. Und zwar hinter der Halle, in der 2003 die letzten Käfer gebaut wurden.

Franz Smets/DPA / DPA

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