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VW Golf Variant: Lange Schlafmütze

Lange genug hat es ja gedauert. Fast drei Jahre nach dem Golf V bringt VW endlich die Kombivariante. Zwischendurch hatte VW überhaupt keinen Golfkombi am Start, sollten die Kunden doch den Touran kaufen. Ab dem 1. Juni steht der längste Golf aller Zeiten beim Händler.

Von Michael Specht

Volkswagen ist bekannt dafür, manchmal gewisse Trends nicht rechtzeitig zu erkennen oder auch komplett zu verschlafen. Doch wer später kommt, den scheint das Leben eher zu belohnen als zu bestrafen. Beispiel Touran. Renault und Opel hatten längst einen Kompakt-Van auf dem Markt. Dann zieht VW nach und der Touran wird zum Bestseller seiner Klasse. Ähnliches passierte mit dem Touareg oder dem Eos. Man darf gespannt sein, wie die Sache beim Golf Variant ausgehen wird. Im Februar 2006 stellte VW den Vorgänger ein, ohne sich rechtzeitig um einen Nachfolger zu kümmern. Weil man in Wolfsburg meinte, mit dem Golf Plus und dem Touran sei das Freizeit- und Familien-Segment hinreichend abgedeckt. Fehlanzeige. Die Leute wollen nicht nur MPV sondern auch ganz gewöhnliche und bezahlbare Kombis. Genützt hat diese Schlappe vor allem der Konkurrenz. Zu den Hauptkonkurrenten des Golf Variant zählen der Ford Focus, der Opel Astra und die französischen Modelle Renault Mégane Grandtour sowie der Peugeot 307 SW, die in den vergangenen Jahren alle gute Verkaufszahlen hinlegten. Ziel der Wolfsburger ist es nun, Boden gutzumachen und möglichst schnell den Bestseller Focus vom Kombi-Thron zu stoßen.

Golf Variant – Made in Mexico

War die zweite Generation des Golf Variant (Baujahr 1999-2006) noch erkennbar ein Golf mit langem Kombiheck, so ist beim neuen vom Golf-V-Design nichts mehr zu sehen. Dies verwundert auch nicht, weiß man, was dahinter steckt. Prinzipiell ist nämlich die dritte Generation des Golf Kombis ein Jetta Variant. Beide teilen sich eine Plattform. Und beide werden ausschließlich in Puebla in Mexiko gebaut, wo auch der New Beetle entsteht. Als Jetta Waggon verkauft VW den Golf Variant in die USA. "Stünde der Variant auf der Plattform des Golf V, mit Fertigung in Wolfsburg, die Kunden hätten noch länger warten müssen", sagt Björn-Alexander Ulrich, zuständig fürs Marketing des Golf Variant. "Wir hätten auch von der Fertigungskapazität her keinen Platz in Deutschland gehabt."

Familienfreundlicher Preis – ab 17.600 Euro

Dem Kunden kann es letztlich egal sein, wo der Variant zusammengesetzt wird. Hauptsache, Qualität und Preise stimmen. Bei einer ersten Testfahrt hinterließ der mexikanische VW einen überzeugenden Eindruck. Verarbeitung und Materialanmutung sind top, das Raumgefühl sehr angenehm und die Ausstattung schon in der Basis alltagstauglich. Klima gibt es allerdings erst ab Comfortline. Ganz besonders stolz ist Volkswagen auf sein riesiges Panorama-Glasdach, das serienmäßig in der Topversion Sportline eingebaut ist (sonst 1130 Euro Aufpreis) und freie Sicht in den Himmel garantiert. "Damit haben Sie die Kinder die ersten drei Stunden ruhig," sagt Marketing-Mann Ulrich. Preislich startet der Golf Variant zunächst bei 18.875 Euro (1,6 Liter, 102 PS). Im Herbst schiebt VW noch eine 80-PS-Version nach, die nur 17.600 Euro kosten soll. Das wäre dann sogar günstiger als der vergleichbare Vorgänger.

Einen längeren Golf hat es nie gegeben

Mit 4,56 Meter ist der neue Variant der längste Golf aller Zeiten. In Sachen Kofferraum und Ladevolumen markiert er dennoch nicht die Spitze der Klasse. Trotzdem: Hinter den Rücksitzen bleibt bei 1,07 Meter Ladetiefe Raum für bis 745 Liter Gepäck (dachhoch beladen). Unter dem Boden versteckt sich ein weiteres großes Fach. Ideal für zum Beispiel nasse Gummistiefel oder andere Utensilien. Seltsam allerdings, warum ein Kombi noch über eine innere Ladekante verfügt (angeblich auf Wunsch eines einzelnen VW-Managers). Schwere Gegenstände lassen sich so nur durch Anheben herausziehen. VW führt als Grund die Sicherheit an. Beim Transport mit offener Heckklappe könnte sonst Ladung nach hinten herausrutschen. Auch die Unklappprozedur der Rücksitze hätte eleganter gelöst werden können. Jedes Mal müssen vorher umständlich die Kopfstützen herausgezogen werden. Liegt jedoch alles flach, passen bis zu 1550 Liter in den Kombi-Golf (Astra 1590, Focus 1525, Peugeot 307 SW 1875 Liter). Und muss einmal Omas Schrank transportiert werden, so sollten dessen Maße Länge x Breite x Höhe 174 x 100 x 73 Zentimeter nicht überschreiten.

Motoren um 100 PS machen das Rennen

Das Motorenangebot wurde gegenüber der Golf-Limousine verkleinert. So gibt es weder einen Zweiliter-Direkteinspritzer FSI, noch einen leistungsstarken Sechszylinder. Zur Auswahl stehen anfänglich zwei Diesel und drei Benziner mit einem Leistungsspektrum von 102 bis 170 PS, wobei auf beiden Seiten jeweils die Einstiegsversion das Rennen machen dürfte. Das ist 1,9-Liter-TDI mit 105 PS und bei den Benzinern der 1,6-Liter mit 102 PS. Nur 5,2 Liter Verbrauch, entsprechend 137 Gramm CO2 pro Kilometer, bescheinigt VW dem TDI, der nach wie vor ein Pumpe-Düse-Modell ist und beim Beschleunigen und in der Stadt recht brummig arbeitet. Die leiseren Common-Rail-Motoren werden nicht vor Ende 2008 am Markt sein.

Äußerst attraktiv sind die "Downsizing-Vierzylinder". Der 1,4 Liter kleine TSI-Benziner startet mit entweder 140 oder 170 PS. Dank Doppelaufladung mittels Kompressor und Turbo fühlt sich der TSI an wie ein Zweiliter-Sauger. Schon aus niedrigen Drehzahlen (1500/min) marschiert der Variant damit souverän los, ohne jedoch später an der Tankstelle kräftig zur Kasse zu bitten. 7,1 bzw. 7,3 Liter pro 100 Kilometer sind für die Leistung und Wagengröße ein ausgezeichneter Wert. Geschaltet werden die TSI-Modelle serienmäßig über ein Sechsganggetriebe. Optional ist das Doppelkupplungsgetriebe DSG erhältlich. Zum Herbst soll noch eine 122-PS-Variante folgen, deren Verbrauch VW mit 6,7 Liter oder 158 Gramm CO2 angibt. Beim ihm kommt zum ersten Mal ein Siebengang-DSG zum Einsatz.

Blue- und 4Motion folgen Ende des Jahres

Zwar ist bislang noch nicht entschieden, auch den Diesel-Variant mit der verbrauchsoptimierten BlueMotion-Technik wie im Polo und Passat auszustatten, doch wird dies, wie Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg bestätigte "kurzfristig für den Golf erhältlich sein". Damit ist eigentlich klar: Auch der Variant wird damit fahren. Ebenso absehbar ist: Zum Jahreswechsel kommt der sehr effektive Allradantrieb 4Motion. Dass der neue Golf Variant dem Passat im eigenen Haus Konkurrenz macht, sieht VW-Marketing-Mann Ulrich nicht. "Etwas Kannibalismus gibt es zwar immer, aber der Passat fährt in einer anderen Liga." Auch VW-Tochter Skoda braucht sich um den Absatz ihres nahezu gleich großen Octavia Combi keine Sorgen zu machen. Ulrich Hackenberg: "Golf-Kunden sind extrem markenloyal."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.