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Zukunft von Elektroautos: Kurzatmige Watt-Läufer

Sind E-Autos nur Übergangslösungen? Ein Gespräch mit Christian Mohrdieck, Leiter der Brennstoffzellen- und Batterie-Antriebsentwicklung bei Daimler.

Von Peter Weyer

Die Frage auf Seite vier der "taz" vom vergangenen Dienstag klang harmlos. Die Antwort ist ein Knaller. Wann, wollte der Interviewer Ingo Arzt wissen, werde es ein Elektroauto geben, das 500 Kilometer weit kommt und nicht das Dreifache eines herkömmlichen Autos kostet. "Nie" antwortete kurz und bündig Christian Mohrdieck. Der Mann muss es wissen, denn der Physiker ist Leiter der Brennstoffzellen- und Batterie-Antriebsentwicklung bei Daimler.

Knackig auch die Begründung. Ein vollwertiges 500-Kilometer-Fahrzeug "sei aufgrund der Naturgesetze ausgeschlossen." Die Speicherung von Elektrizität lasse sich mit allen bekannten physikalischen Prinzipien bestenfalls noch um ein Drittel verbessern. Was ist los im Schwabenland? Sagt ein angesehener Wissenschaftler mit klaren Worten unverblümt die Wahrheit? Oder ist es Futterneid, wie Mitbewerber-Kollegen und Branchenkenner argwöhnen? Denn zu Zeiten der gescheiterten Konzern-Ehe mit Chrysler mussten die Stuttgarter die Forschung und Entwicklung am E-Auto weitgehendst dem Partner in den USA überlassen. Jetzt, nach der Scheidung, darf die Stern-Truppe wieder selber ran, muss aber viel nachholen, weil die Chrysler-Erfolge überschaubar blieben.

Die Zukunft der Brennstoffzelle

Das gilt auch für die Hybrid-Technik, obwohl Mohrdieck und seinem Team gerade eine Weltpremiere hingelegt haben: Der Mercedes S 400 Hybrid ist die erste Oberklasse-Limousine mit gekühlter Lithium-Ionen Batterie. Dennoch bleibt Skepsis beim Zwitter aus Benzin- und Elektromotor: Mohrdieck in der "taz": "Auf langen Strecken ist der Verbrauch sogar höher." Mag sein, dass Mercedes die eigenen Entwicklungsschlappen der Vergangenheit übertünchen will, wenn der allgemeine Trend zum Elektro- und Hybridauto nicht gerade bejubelt wird. Kann aber auch sein, dass Mohrdiecks Trendanalyse ein Signal setzen soll: E-Autos sind Übergangslösungen, Wasserstoff und Stromerzeugung in Brennstoffzelle sind dagegen letztlich der einzig gangbare Weg für Mobilität der Zukunft.

Die machen sogar dann schon ökologisch Sinn, wenn Wasserstoff nicht mit Wind- Wasser- oder Sonnenenergie gewonnen wird. Bereits die vergleichsweise wenig effiziente Wasserstoffproduktion aus Erdgas entlaste die Umwelt gewaltig. "25 bis 30 Prozent weniger CO2 als beim Benziner", rechnet Mohrdieck vor. Besser ist kein E- und H-Auto. Widersprochen hat bislang niemand.

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