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Fremdgesteuert Finanzen, Dating oder im Auto: So bestimmen Computer über Ihr Leben

Unser Leben basiert auf Technik
Algorithmen bestimmen maßgeblich über unseren Alltag. Doch kaum jemand weiß genau, was ein Algorithmus überhauipt ist.
© Klaus Ohlenschläger/ / Picture Alliance
Ob beim Dating, im Auto oder auf der Bank: Computer entscheiden längst darüber, wer als Partner für uns infrage kommt, ob wir eine positive Schufaauskunft bekommen oder ob unser automatisiertes Auto einen Unfall baut. 

Computer und die Algorithmen dahinter bestimmen schon jetzt einen Großteil der Entscheidungen in unserem Leben. Eine Bertelsmann Studie von 2018 hat jetzt herausgefunden, dass die Hälfte der befragten Personen noch nicht mal genau weiß, was sich hinter dem Begriff Algorithmus verbirgt. Wer setzt sich schon mit der Technik auseinander, die beispielsweise hinter der personalisierten Werbung bei Google, Facebook und Co. steckt? Nur jeder zehnte Befragte wusste tatsächlich, was ein Algorithmus ist. Und das, obwohl diese eine enorme Entscheidungskraft über unser alltägliches Leben haben. Nicht nur beim Dating oder Autofahren, sondern auch bei Krankheitsdiagnosen oder Bewerbungen.

Was ist ein Algorithmus und wie beeinflusst er uns?

Kurz erklärt ist ein Algorithmus eine Abfolge von digitalen Anweisungen, die ausgeführt werden, um ein Problem oder eine Aufgabe zu bewältigen. Konkret bedeutet das: Bewirbt man sich online auf eine Stelle, erfüllt aber beispielsweise ein Kriterium nicht, wird man automatisch aussortiert. Ob vielleicht andere ergänzende Qualifikationen vorliegen, wird vom Algorithmus nicht mehr geprüft. Der Bewerber fliegt aus dem Verfahren. Würde eine lebendige Person anstatt eines Algorithmus die Bewerbung prüfen, wäre dies eventuell nicht der Fall.

Wie funktioniert ein Algorithmus bei einer Dating-App?

Jedes Dating-Portal verwendet Prozesse, die auf Vorlieben und Interessen basieren. Sozusagen eine Formel für die Liebe. Was romantisch sein sollte, ist rein technisch. Dabei nutzt der Algorithmus verschiedene Daten: das eigene Facebook-Profil oder andere Vorlieben, die aus digitalen Daten gespeist werden. Was der Algorithmus tatsächlich prüft, wird von den verschiedenen Dating-Apps wie zum Beispiel Lavoo oder Tinder nicht verraten. Wer will schon wissen, auf welchen schnöden Berechnungen die angeblich wahre Liebe basieren soll.

Ähnlich geheim ist auch der Algorithmus, mit dem die Schufa unsere Kreditwürdigkeit prüft. Mutmaßlich speist sich der Algorithmus, der die Daten des Einzelnen unter die Lupe nimmt, aus Daten von Banken, Versicherungen oder Mobilfunkanbietern. Diese geben Daten, sofern dem nicht widersprochen wird, weiter. Wie aber genau die Schufaauskunft erstellt wird, ist geheim. Und somit auch der Grund, warum man zum Beispiel bei der Bewerbung um eine Wohnung oder einen Kredit letztlich den Kürzeren zieht.

Eine Initiative, die sich Openschufa nennt, sammelt jetzt Spenden, um den Algorithmus der Schufa zu knacken. Bislang ist noch nicht genug Geld für die Hacker-Initiative zusammengekommen. 

Selbstfahrende Autos: Wie gefährlich ist der Algorithmus?

Noch ist es eine Zukunftsvision, aber Experten großer Autohersteller wie Mercedes Benz gehen davon aus, dass bereits im kommenden Jahrzehnt autonom fahrende Autos auf deutschen Straßen fahren werden. Kein Fahrer, nur Insassen, die sich vom Computer durch die Gegend kutschieren lassen.

Ein selbstfahrender Bus
Ein selbstfahrender Bus könnte schon bald Wirklichkeit werden.
© CYRIL ZINGARO/ / Picture Alliance

Bei selbstfahrenden Autos handelt es sich um einen sehr komplizierten Algorithmus. Denn gerade hier gibt es hochsensible sicherheitsrelevante Entscheidungen zu treffen, für die bislang noch kein Programm ausreichend ist. Ein Beispiel wäre eine Ampel. Hier müsste der Algorithmus entscheiden, was die größere Gefahr ist: Über eine fast rote Ampel mit schneller Geschwindigkeit zu fahren oder stark zu bremsen und so einen Auffahrunfall zu riskieren. Diese Entscheidungen benötigen nach wie vor einen Fahrer und können nicht auf bloßer Zusammenfassung von Daten basieren.

Und falls ein Algorithmus irgendwann in der Lage sein sollte, diese Kette von Entscheidungen zu treffen, stünde immer noch die Schuldfrage im Raum. Denn wer kann bei einem Unfall haften? Der Algorithmus selbst? Der Entwickler? Der Autohersteller? In Deutschland sind die Sicherheitsbedenken noch sehr hoch, in anderen Ländern – wie zum Beispiel China – ist die Akzeptanz autonom fahrender Autos höher. Bleibt zu hoffen, dass der Algorithmus bis dahin auch in anderen Ländern so ausgereift ist, dass das selbstfahrende Auto nicht zur Unfallfalle wird.

40 Stunden steht der Deutsche jedes Jahr im Stau. Einer der Gründe dafür: Rote Ampeln. Und genau die soll es in Zukunft gar nicht mehr geben. Jedenfalls wenn es nach den Mitarbeitern des Massachusetts Institute of Technology geht. Damit der Verkehr reibungsloser abläuft, haben die Forscher ein Konzept entwickelt, das komplett ohne Ampel auskommt. Einziger Haken: Es funktioniert nur mit selbstfahrenden Autos. Denn die Fahrzeuge sind mit Sensoren ausgestattet und können miteinander kommunizieren. Und so absprechen, wer, wann, wohin über eine Kreuzung fährt.Dabei nutzen die Autos ihnen zugewiesenen Slots, also kurze Zeitfenster, in denen der Weg garantiert frei ist. Damit erhöht sich nicht nur der Verkehrsfluss, auch die Umweltbelastung sinkt. Doch so schön die Theorie auch aussieht: In der Praxis wird es noch Jahrzehnte dauern, bis das Konzept umsetzbar ist. Und bis dahin hilft an roten Ampeln nur eins: Geduld.
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