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Apple: Ein Diktator zum Anbeißen

Eigentlich macht Steve Jobs alles falsch: Sein Unternehmen bietet wenige Produkte zu hohen Preisen. Trotzdem warten alle gespannt auf das "iSlate". Wie funktioniert die iWelt?

Von Gerd Blank und Felix Disselhoff

Heute Abend stellt Apple-Boss Steve Jobs auf der "Keynote 2010" die neuesten Gadgets vor. Seit Wochen wird aber vor allem über ein neues Gerät spekuliert. Branchenkenner sind sich sicher, dass es ein Tablet-PC namens "iSlate" oder "iPad" wird, der komplett über ein Display gesteuert wird. Jobs selbst soll darüber gesagt haben, es sei das Wichtigste, was er jemals getan habe. Die Erwartungen der Apple-Fangemeinde sind dementsprechend groß. Die Gerüchteküche brodelte in den letzten Wochen so hoch wie bei kaum einem anderen technischen Gerät der letzten Jahre.

Vergleichbare Euphorie löste 2007 das iPhone aus. Mittlerweile hat sich das Apple-Handy als das mobile Internet-Gerät durchgesetzt. Mit keinem Smartphone wird mehr im Web gesurft als mit dem iPhone. Man könnte daher meinen, dass das Apple-Handy in mehr Hosentaschen steckt als jedes andere Gerät. Aber das ist bei weitem nicht so. Der Handy-Spitzenreiter ist Nokia mit einem Marktanteil von etwa 40 Prozent, in Deutschland kommt das Nokia-System Symbian sogar auf fast 60 Prozent. Doch obwohl Apple (in Deutschland) gerade einmal 15 Prozent erreicht, gibt es kein Unternehmen, dass seine Smartphones profitabler an den Kunden bringt. Im dritten Quartal 2009 verdiente Apple 1,6 Milliarden Dollar, Nokia lediglich 1,1 Milliarden Dollar.

Der unscheinbare Riese

Das gleiche Spiel bei Computern: Weltweit nutzen gerade einmal fünf Prozent Apples Betriebssystem. Und da dies offiziell nur auf einer Hardware mit dem angebissenen Apfel läuft, wird die Verteilung der Geräte entsprechend sein. Und obwohl die Apple-Durchdringung auf den Schreibtischen fast komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, verdient das Unternehmen mit der Hardware mehr Geld als viele Konkurrenten. Bleibt der iPod, das Apple-Erfolgsmodell, der Musikabspieler, der aus dem Nerd- und Werberunternehmen eine Mainstream-Marke gemacht hat. Mehr als 100 Millionen Erdenbürger haben einen iPod gekauft, den Walkman des neuen Jahrtausends. Doch Musik abspielen können auch andere Geräte, das Besondere am iPod ist die enge Bindung an iTunes. Jeder iPod-Nutzer hat die iTunes-Software auf seinem Rechner installiert und füllt den Player darüber mit Musik. Auch neue Songs und Filme lassen sich per iTunes kaufen - und das sehr erfolgreich. Apple ist der größte Musikverkäufer der Welt.

Kritiker bemängeln, dass Apple geschlossene Systeme schafft. Während der iPod nur per iTunes befüllt werden kann, lässt sich das iPhone nur mit Programmen aus dem App Store erweitern. Doch was auf den ersten Blick unwirtschaftlich klingt, ist ein Kernelemt der Firmenphilosophie Apples: Wie kein anderer Computerhersteller steht der Konzern mit Sitz im kalifornischen Cupertino für "from a single source", zu Deutsch "aus einer Hand". Was der Verbraucher dann kauft, ist durch und durch Apple, sämtliche Hardwarekomponenten sind aufeinander abgestimmt. Und wie bei keinem anderer Hersteller fußt Apples Erfolg zu einem guten Stück darauf, dass die Firma ihre kleine Warenwelt mit eiserner Hand regiert.

Die Apple-Strategie

Der Konzern lebt nicht davon, Märkte mit Waren zu bedienen, Apple macht sich seine Märkte schlicht selbst. Der App-Store mit mehr als einer Milliarde verkaufter Programme und iTunes als weltgrößter Musikshop sind die besten Beispiele. Wer aber irgendwann mit der Perfomance seines Gerätes nicht mehr zufrieden ist und seinem Mac eine schnellere Grafikkarte verpassen will, wird im wahrsten Sinne des Wortes in den sauren Apfel beißen müssen. Weder das Gerätedesign noch das Apple-Betriebssystem Mac OS X lassen grundlegende Veränderungen der Hardware zu. Wer dennoch seinen Mac aufhebelt, verliert die Garantieansprüche. So erstickt Apple erboste Kundenanrufe à la "Warum erkennt das System nicht den neuen Speicherriegel? Seit der Neuinstallation des Grafikartentreibers bekomme ich einen Bluescreen! Die Akku-Anzeige meines neuen Netbooks stimmt nicht!" natürlich im Keim. Was Kunden allerdings nerven dürfte: Apple verspricht für seine Geräte lediglich ein Jahr Garantie. Wer in Deutschland auf sein zweijähriges Gewährleistungsrecht pocht, muss Apple sein Verschulden schon nachweisen können.

Das "Walled Garden"-Prinzip zieht sich wie ein roter Faden durch die Verkaufsstrategie der umsatzstärksten Computermanufaktur. Itunes lässt sich einfach und intuitiv bedienen, Musik und Bilder sich mit dem dazu passenden Apple-TV direkt auf den Fernseher streamen. Doch wer so viel Geld in die Apple'sche Hardware und die hauseigene Mediathek gesteckt hat, muss sich trotzdem den Regeln des Computerherstellers beugen. Denn von den Dutzenden gängigen Audio- und Videoformaten akzeptiert Apple nur einen Bruchteil. Für den Großteil der User mag so viel Einschränkung ein Segen sein. Immerhin muss sich so kein User wundern, warum neue Web-Formate nicht abgespielt werden. Apple schließt sie von vornherein aus und bevorzugt seine hauseigenen Codecs. Die "Alles aus einem Guss"-Methode hat also längst nicht nur Vorteile.

Ein Zaun für die App-Plantage

Zwar lassen rund 120.000 Apps iPhones zu digitalen Alleskönner mutieren. Allerdings verhält sich Apple mit seinen Apps mehr als restriktiv. Apples Prüfverfahren für Apps gilt als undurchsichtig, wirkliche Kriterienkataloge gibt es nicht. Die Entwicklung von Tools ist für Programmierer zwar kostenlos. Doch sobald Programme in den App Store sollen, werden 99 Dollar (Basisversion) oder 299 Dollar (Business) fällig. Außerdem hält Apple 30 Prozent der Verkaufserträge ein. Dafür müssen sich Programmierer bei diesem Vertriebssystem nicht weiter darum kümmern, wie ihre Software unter die Leute kommt. Allerdings sorgte Apple Mitte letzten Jahres für schlechte Presse, weil der Konzern seinen App-Programmieren die Gewinnbeteiligungen nur mit enormen Verspätungen zahlte. Einer der betroffenen Programmierer beschwert sich sogar über ausstehende Zahlungen von mehr als 10.000 Dollar, wie die "New York Post" berichtete.

Während Apple jede Software kontrolliert, werden Programme für Google-Handys und Windows-Smartphones ohne Überprüfung veröffentlicht. Dennoch scheint die Apple-Plattform interessanter für die Entwickler zu sein: Fürs iPhone gibt es rund fünfmal so viele Apps wie für Windows- und Google-Handys zusammen. Erst kürzlich wurde die Marke von einer Milliarde verkaufter Apps durchbrochen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Apple allen Regeln zum trotz von Jahr zu Jahr erfolgreicher wird

Geliebter Diktator

Fast scheint es, dass nicht nur die Entwickler, sondern auch die Nutzer gegängelt werden wollen. Die totale Freiheit ist nicht erwünscht, die IT-Diktatur herzlich willkommen. Wird die Entscheidungsfreiheit über die Wahl des Betriebssystems, der Software und der Hardware genommen, gibt es keine Qual der Wahl. Im Gegensatz zu anderen Herstellern hat Apple Erfolg mit der Reduktion. Weniger ist mehr - und teurer. Die Produktpalette in den einzelnen Bereichen, ob Musik, Computer oder Handys, ist sehr überschaubar. Es gibt nur ein iPhone, vier iPod-Modelle und eine Handvoll unterschiedlicher Computer.

Der Kunde hat nicht die Qual der Wahl. Man entscheidet sich nicht für eine Ausstattung, sondern nur für oder gegen Apple. Wer auf der Nokia-Website nach einem Handy sucht, kann aus derzeit 113 Modellen auswählen. Vom günstigen Einsteigermodell bis zum hochpreisigen Alleskönner ist alles dabei. Nokia macht den Gewinn durch Masse, erfolgreiche Billigmodelle finanzieren die Entwicklung teurer Prestige-Handys mit. Apple hält nichts von großer Auswahl, sondern von künstlicher Verknappung.

Wider die Produktvielfalt

Tatsächlich beißen immer mehr Kunden bei Apple an. Das Argument, dass auf einem Mac ja keine Windowsprogramme laufen, zählt längst nicht mehr. Denn für fast jeden Zweck gibt es inzwischen eine App. Die Kunden interessiert es nicht, dass Apple die Inhalte sehr stark reglementiert, die einfache Benutzung macht den Charme aus. Ein Grund ist die Vielzahl an Anwendungen, den sogenannten Apps, die es inzwischen für das iPhone gibt. Softwareentwickler produzieren so viele Programme, wie einst für den PC. Und was damals für einen Windowsrechner sprach, spricht jetzt für das Apple-Handy: die Vielzahl der Möglichkeiten. Nur im Gegensatz zu Microsoft, dass die Installation von jeder Windowssoftware auf Computern, lässt Apple fürs iPhone nicht alle Anwendungen zu.

Apple ist ein Phänomen. Obwohl es das Unternehmen geschafft hat, vom digitalen Elfenbeinturm auf die Schreibtische und in die Hosentaschen der Jedermänner zu gelangen, fühlen sich die Besitzer häufig immer noch als Trendsetter. Dabei unterhalten sich inzwischen selbst Technik-Laien über iPhone und Co. und wollen wissen, mit welcher App man die nächste Reise plant. Man hat eine Meinung zu einem Produkt, selbst, wenn man es nicht nutzt oder besitzt. Die wochenlangen Spekulationen um Größe, Form, Farbe, Ausstattung und Preis des iSlates waren nur ein weiterer Schritt für Apple als Trendmarke. Man bedenke: Apple bestätigte bisher nicht einmal die Existenz eines solchen Geräts. Einen vergleichbaren Hype gibt es, wenn überhaupt, nur in Religionen. Und spätestens heute Abend werden die Apple-Jünger der Ankunft ihres Gurus begeistert lauschen, wenn es da heißt: "Cupertino, geheiligt sei Dein Mac OS, Dein Islate komme."

Mitarbeit: Ralf Sander
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.

Von:

Felix Disselhoff und Gerd Blank