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Entwicklermesse Build: Microsoft zeigt seine Vision der Zukunft – und Windows ist nur noch eine Fußnote

Auf seiner Entwickler-Konferenz Build hat Microsoft dargelegt, wohin man mit seinen Produkten will. Die Geräte verschwinden dabei völlig in den Hintergrund – und der einstige Geldbringer Windows ist längst in eine kleine Nebenrolle gerückt. Stattdessen soll es um Menschen gehen.

Auf der Eröffnungs-Präsentation der Entwicklermesse Build hatte Microsoft-Chef Satya Nadella viel zu zeigen

Picture Alliance

Wenn Menschen Microsoft hören, denken die meisten immer noch sofort an Windows. Manche haben vielleicht gehört, dass der Konzern mittlerweile das größte Geschäft im Cloud-Geschäft macht. Nun hat der Konzern auf seiner Entwickler-Konferenz Build seine Vision für die nähere und weitere Zukunft präsentiert und dabei sehr klar gemacht: Windows ist kaum noch die Rede wert.

Dabei ist Windows 10 immer noch recht erfolgreich. Auf über 800 Millionen ist das Betriebssystem installiert, erklärte Microsoft-CEO Satya Nadella, als er recht spät während der Eröffnungspräsentation dann doch mal das einst wichtigste Produkt erwähnte. Und gleich das Thema wechselte – um zu berichten, dass Office auf über einer Milliarde Geräte genutzt wird. Die Prioritäten sind klar gesetzt.

Cloud über allem

Tatsächlich hat Windows schon länger seine wichtige Rolle für den Konzern verloren. Seit Nadella die Führung übernahm, machte er sehr schnell nicht mehr Windows sondern das Dienstleistungs- und das zugehörige Cloud-Geschäft zum wichtigsten Standbein Microsofts. Statt der Privatkunden stellte Nadella die Unternehmen an erste Stelle. Auch bei der Präsentation ging es fast ausschließlich darum, mit welchen neuen Spielereien die intelligente Cloud-Lösung Azure den Firmen dieser Welt die Arbeit leichter und effizienter machen können. 

Dahinter steckt auch ein Umdenken, wie Menschen Computer nutzen sollen. Statt einen einzelnen Windows-Rechner für alles zu benutzen, setzen Privat- wie Business-Kunden längst auf eine ganze Reihe von Geräten, vom Smartphone über den Sprachlautsprecher bis zur Spielkonsole. Microsofts Anspruch: Auf allen diesen Geräten vertreten sein und so die Kunden an die eigenen Dienstleistungen zu binden. Bei Nadella hört sich das natürlich positiver an: "Wir fangen beim Menschen an. Dann ziehen wir alle ihre Aktivitäten über alle Programme, Apps und Geräte hinweg in Betracht. So wollen wir die Computer-Benutzung für Endnutzer in Zukunft verändern. Es geht nicht um einzelne Geräte, sondern um die Person und alle ihre Geräte.“

Der Computer verschwindet

Die Geräte sollen dann hinter den Aufgaben verschwinden, so Microsofts Vision. Man arbeite an einer Zukunft, in der die Menschen nur noch mit einem einzelnen digitalen Assistenten interagieren, der je nach Bedarf auf Bildschirmen oder per Sprache antwortet und agiert, führte Nadella aus.

In einem Video-Clip zu dieser Zukunft meldet sich der Assistent per SMS, um an einen Termin zu erinnern – auf einem iPhone. Nachdem die Nachricht angetippt wird, kann die Dame im Clip dann per Sprache antworten, in einem fast menschlich wirkenden Dialog vereinbart sie mit ihrem digitalen Assistenten einen neuen Termin. Basierend auf dessen Alternativ-Vorschlägen aus dem Kalender, die auch bei den anderen Teilnehmern passen. Nach einem Raum gefragt, bucht er auch den im Hintergrund – und schlägt im selben Zug vor, noch zwei weitere Kollegen einzuladen. Am Ende werden die Navi-Informationen ans Auto weitergegeben. 

Keine hohle Vision

Tatsächlich arbeitet Microsoft längst daran, diese Vision wahr zu machen. Zum einen setzt man immer mehr auf Dienstleistungen, die unabhängig vom Gerät funktionieren. Den Browser Edge gibt es völlig selbstverständlich auch für Smartphones, für Linux und MacOS. Die eigene Assistentin Cortana teilt sich ein Gehäuse mit Amazons Alexa, für einen der beiden Assistenten programmierte Skills funktionieren auch mit dem anderen. Und auch Office ist schon länger für alle Systeme erhältlich. 

Zum anderen nutzt Microsoft seine Fähigkeiten mit Künstlicher Intelligenz, um Computer immer besser in die Lage zu versetzen, Menschen und normale Sprache zu verstehen. Der neu vorgestellte Azure Speech Service erlaubt es etwa, Gespräche in einem Meeting live in Text zu transkribieren, um so externe Mitarbeiter im Chat sowie hörbehinderte Mitarbeiter im Raum zu integrieren. Dazu benutzt Azure nur die Mikrofone von Laptops oder Smartphones im Raum, kann sogar den Sprecher erkennen, wenn man sein Sprachprofil dafür freigegeben hat. In der Demonstration klappte das extrem gut, selbst Sätze voller Fachvokabular wurden stets richtig übertragen.

Die zugrunde liegende Erkennung natürlicher Sprach findet zukünftig auch in Office Einzug. Das ab Juni in einer Vorschau verfügbare Word-Feature "Ideas“  soll bei der Formulierung helfen, Texte präziser und angenehmer zu lesen machen – und dabei auch noch gleich die Lesezeit ausrechnet und eine Zusammenfassung erstellt. So gut verstanden uns Computer noch nie.

Datensammeln in jeder App

Damit die Programme auch immer die passenden Daten nutzen, bietet Microsoft mit "Graph“ ein Datenset an, dass der Nutzer in verschiedenen Programmen nutzen und bei Bedarf mit anderen Teilen kann. Neben Vorlieben, persönlichen und Kontaktdaten werden hier auch der Kalender und ähnliches in einer einzelnen Datenbank gesammelt. Demnächst soll jede App und jedes Programm diese Graph-Daten zugreifen – wenn der Entwickler das einbaut und die Nutzer es wollen. Das dürfte nicht selbstverständlich sein. Auch die natürliche Spracherkennung steht jeder App zur Verfügung.

Windows findet in dieser Welt kaum noch einen Platz. Der einstige Betriebssystem-Gigant ist für Microsofts nur noch eine Möglichkeit von vielen, auf die wichtigeren Office- und Cloud-Dienste zuzugreifen. Im Nachhinein gesehen war das Anzeichen dafür schon früher da: Windows 10 wurde als das letzte Windows präsentiert, das in Zukunft nur noch durch einzelne Updates verbessert wird. Die Idee, Windows nur noch einmal verkaufen zu können, erschien damals enorm untypisch für Microsoft. Heute wirkt sie nur noch konsequent.

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