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Surface-Event: Microsoft zeigt seine Zukunft

Immer im Oktober zeigt Microsoft seine neue Hardware. Neben neuen Tablets und Laptops hatte der Konzern diesmal aber noch mehr zu bieten: Microsoft will das Smartphone neu erfinden.

Surface-Chef Panos Panay zeigte mit dem Surface Neo und dem Surface Duo die Zukunft des Konzerns

Surface-Chef Panos Panay zeigte mit dem Surface Neo und dem Surface Duo die Zukunft des Konzerns

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Die Microsoft-Produkte seien eine Symphonie, jedes Gerät ein Instrument - so kündigte es Surface-Chef Panos Panay bei der jährlichen Hardware-Keynote des Konzerns in New York an. Und stellte eine Neuerung nach der nächsten vor. Die spannendste kam aber erst, als er schon fast die Bühne verlassen hatte. "Nein, da fehlt noch ein Instrument", kehrte er zurück - und zeigte das erste Microsoft-Smartphone seit Jahren. Es steht für die Zukunft des Konzerns.

Denn das Surface Duo getaufte Klapp-Smartphone unterscheidet sich nicht nur in der Hardware von ähnlichen Modellen von Samsung und Huawei, indem es statt eines durchgehenden zwei getrennte Displays nutzt, die durch einen sehr schmalen Spalt getrennt sind. Es bricht auch wie kein Gerät vor ihm die Grenzen zwischen Smartphone und Computer auf.

Das Surface Duo ist Microsofts Rückkehr in den Smartphone-Markt - mit einem komplett neuen Konzept

Das Surface Duo ist Microsofts Rückkehr in den Smartphone-Markt - mit einem komplett neuen Konzept

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Microsoft will es nochmal wissen

"Die Menschen brauchen endlich Smartphones, die sich produktiver nutzen lassen", fasst Panay die Vision hinter dem Duo zusammen. Dazu setzt der Konzern erstmals auf Android, statt ein eigenes Betriebssystem. Man will klar den Fehler der Vergangenheit vermeiden, ein tolles System, aber quasi keine Apps zu haben. Dafür hat man eng mit Google zusammengearbeitet. Das Duo soll es so leicht wie nie machen, für seine Arbeit nahtlos zwischen Smartphone, Tablet und Computer hin- und herzuwechseln, so das Versprechen.

Der Schritt passt perfekt in Microsofts Pläne der letzten Jahre. Nachdem der Konzern jahrelang die Smartphone-Revolution verschlafen hatte, zog er vor drei Jahren die Reißleine. Statt wie beim Computer auf die volle Dominanz von Windows zu setzen, fokussierte CEO Satya Nadella alle Anstrengungen darauf, mit produktiv-Werkzeugen wie Office und dem Cloud-Geschäft auf jedem Gerät vertreten zu sein. Statt eigene Smartphones zu bauen, arbeitete man mit Apple und noch enger mit Google zusammen.

Auch die Hardware wurde voll auf die Business-Bedürfnisse getrimmt. Den ertragreichen Konsumenten-Markt hat Microsoft längst Apple überlassen. Ein Surface kann man zwar auch privat nutzen, im Kern handelt es sich aber klar um ein Arbeitsgerät. Das gilt auch für die neuen Geräte. 

Voll auf Business

Mit dem neuen Surface-Lineup stellt Microsoft sich wieder voll auf die Bedürfnisse der Business-Kunden ein. Der Surface Laptop 3 und das Surface Pro 7 sind leichter als die Vorgänger, lassen sich schneller laden und bieten mehr Leistung. Das Surface Pro X geht noch einen Schritt weiter: Microsoft setzt hier erstmals einen selbstentwickelten ARM-Prozessor ein, der eine noch leichtere Bauweise und enorm lange Laufzeiten verspricht. Zudem erlaubt er eine ständige Verbindung per LTE. 

Die schlicht aussehenden Surface Earbuds sind die ersten Kopfhörer mit Office-Integration

Die schlicht aussehenden Surface Earbuds sind die ersten Kopfhörer mit Office-Integration

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Selbst bei den neuen Kopfhörern Surface Earbuds geht es in erster Linie ums Arbeiten. Die schicken komplett kabellosen In-Ear-Kopfhörer im Scheibenlook lassen sich zwar auch zum privaten Musikhören nutzen, glänzen aber besonders im Büro. Und das nicht nur wegen des verbauten Noice-Cancelings. Microsoft hat die Kopfhörer in sein Office-Programm integriert. Per Wischen auf der Außenseite lassen sich Powerpoint-Präsentationen steuern, bei Vorträgen können die Kopfhörer einen Liveuntertitel aus dem Gesprochenen erstellen - auch in anderen Sprachen. Sollte das wie versprochen funktionieren, hat die Idee enorm viel Potenzial. 

Klappe auf für die Zukunft

Als größten Schritt sieht der Konzern aber klar seine Klappgeräte. Neben dem Smartphone Duo zeigte man mit dem Surface Neo noch ein Modell, das deutlich mehr im Laptop-Format angesiedelt ist, aber mit Windows betrieben wird. Die Klappmodelle seien die Zukunft, schwärmt Panay. Sie sollen den Nutzern deutlich mehr Flexibilität erlauben. So lassen sie sich bis zu 360 Grad umklappen und als einzelner Bildschirm nutzen. Oder man arbeitet eben auf beiden Bildschirmen gleichzeitig und schiebt nahtlos Inhalte zwischen geöffneten Programmen hin und her.

Das Surface Neo erlaubt mit seiner Tastatur hohe Flexibilität und lässt den unteren Bildschirm etwa zum Mauspad werden. Schiebt man sie an den unteren Rand, kann am oberen Rand eine Emoji-Tastatur oder auch andere Inhalte wie Videos oder Webseiten dargestellt werden.

Das Surface Neo erlaubt mit seiner Tastatur hohe Flexibilität und lässt den unteren Bildschirm etwa zum Mauspad werden. Schiebt man sie an den unteren Rand, kann am oberen Rand eine Emoji-Tastatur oder auch andere Inhalte wie Videos oder Webseiten dargestellt werden.

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Vor allem das Neo soll durch seine Ausstattung eine bisher nicht gekannte Flexibilität erlauben. Seine Tastatur hängt magnetisch an der Rückseite, wird dabei ständig geladen. Zieht man sie auf einen der Bildschirme, zeigt Microsoft, was die Zusammenarbeit von Software und Hardware bieten kann. Die Oberfläche verändert sich sofort, passt sich an die nun das Display teilweise verbergende Tastatur an. Den immer noch sichtbaren Bereich nennt Microsoft leicht ironisch "Wonderbar". Er kann etwa Emoji zeigen, aber auch eine Netflix-Serie, wenn man das lieber möchte. 

Wette auf 2020

Auch wenn die Idee zweier Bildschirme und auch von Klappscreens nicht neu ist, verspricht Microsofts Umsetzung tatsächlich einen Mehrwert. Anders als etwa beim Lenovo Book oder auch den Klapp-Smartphones von Samsung und Huawei hat es Microsoft als Software-Hersteller selbst in der Hand, die Umsetzung der eigenen Programme auf dem Doppel-Bildschirm zu gestalten und so die Möglichkeiten der Technologie voll zu nutzen. 

Damit auch Anbieter von Drittprogrammen mitziehen können, entschied sich der Konzern für einen ungewöhnlichen Schritt: Anders als die bald verfügbaren anderen Ankündigungen werden Neo und Duo erst im nächsten Herbst auf den Markt kommen - also erst in einem Jahr. So lange sollen die Entwickler Zeit bekommen, mit Microsoft das Meiste aus dem neuen Formfaktor zu holen - und so die Zukunft des Konzerns mitzubestimmen. Es dürfte Microsofts letzte Chance sein, doch noch ins Smartphone-Geschäft zu kommen.