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Aktuelle Studie Dämpfer für Import von E-Fuels nach Europa – "kein billiges Patentrezept"

Ein Arbeiter schaut auf eine Photovoltaik-Freiflächenanlage in der ägyptischen Wüste bei Aswan
Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage in der ägyptischen Wüste bei Aswan. Aus Ökostrom produzierte E-Fuels lassen sich nicht ohne Weiteres in die EU importieren.
© photothek / Imago Images
Den Weg zur Klimaneutralität stellt man sich in der EU zuweilen recht einfach vor: E-Fuels wie grünen Wasserstoff und Methan importieren – und damit die Technik in Europa klimaneutral weiter nutzen: Doch so simpel ist es nicht, zeigt eine Studie.

2050 – für die EU ist das das Jahr, in dem sie zu 100 Prozent klimaneutral sein will. Bis 2030 will die EU ihre Emissionen bereits um mindestens 55 Projekt reduzieren. Damit das gelingt, setzen ihre Mitgliedsstaaten zunehmend auf Technologien und Infrastruktur aus erneuerbaren Energien.

Da in Europa nicht ausreichend freie Flächen zum Bau erneuerbarer Energiequellen zur Verfügung stehen und etwa Afrika sowie der Mittlere Osten auf mehr Sonnenstunden kommen, gibt es Pläne, die dortige Sonnen- und Windenergie für die Produktion von synthetischen Kraftstoffen, auch E-Fuels genannt, zu nutzen. Die Erzeugnisse, wie etwa auch Methan und grüner Wasserstoff, welcher durch Elektrolyse von Wasser entsteht, wobei ausschließlich Ökostrom zum Einsatz kommt, sollen schließlich in die EU importiert werden. Den Plänen nach soll die vielfach bestehende Technik und Infrastruktur damit einfach klimaneutral weiter betrieben werden.

Doch so leicht ist das nicht, wie eine aktuelle Studie zeigt, an der das Fraunhofer Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) beteiligt gewesen ist. Das Forschungsteam prognostiziert einen deutlichen Preisanstieg für grünen Wasserstoff und Methan in den kommenden Jahrzehnten.

Demnach könnte eine Megawattstunde im Jahr 2030 mehr als 100 Euro kosten – und sogar noch im Jahr 2050 könnte der Preis nicht viel niedriger sein. Zum Vergleich: Derzeit kostet Methan am europäischen Rohstoffmarkt rund 30 Euro je Megawattstunde, heißt es in der Studie. "Die hohen Kosten zeigen, dass der Import von E-Fuels nach Europa kein billiges Patentrezept ist, um Engpässe beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu umgehen oder eine Transformation auf der Angebotsseite zu erreichen", sagt Ben Pfluger vom Fraunhofer IEG. 

E-Fuels-Import kostspielig und aufwendig

Demnach seien für die Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstoffimporte aus Nordafrika und dem Mittleren Osten nach Europa vergleichbare Risikoaufschläge für Investitionskapital wie in Europa ausschlaggebend. Auch die Transportkosten spielten eine entscheidende Rolle.

Die Studie warnt: "Zu oft werden grüner Wasserstoff- und Kraftstoff-Importe als Lückenfüller in nationalen Energiewandlungsstrategien verwendet." Dabei seien die Projekte "zu groß und zu kostspielig". Es bedarf also einer starken Unterstützung aus der Politik sowie langfristig eine hohe Preissicherheit, zu denen E-Fuels abgenommen werden.

Die Forscher rufen politische Entscheidungsträger, die grünen Wasserstoff oder Kraftstoffe importieren möchten, dazu auf, die Entwicklung von Maßnahmen einzuleiten. Denn große Infrastrukturprojekte hätten eine entsprechend große Vorlaufzeit. Zwar sei die E-Fuel-Produktion in der Region von Nordafrika bis in den Mittleren Osten attraktiv, allerdings stehen ihr Entwicklungen bei den Kapital- und Transportkosten gegenüber. Sie könnten "die Vorteile der Region schmälern oder sogar zunichtemachen".

"Deutschland kann seinen Bedarf an grünem Wasserstoff nicht alleine decken"

Die EU bewertet grünen Wasserstoff als essenziell, um die Klimaziele zu erreichen. Dazu hat sie das gemeinsame europäische Wasserstoffprojekt "Wasserstoff-IPCEI" (Important Projects of Common European Interest) ins Leben gerufen. Neulich billigte die EU-Kommission eine auf zehn Jahre angelegte deutsche Regelung, wonach Deutschland Investitionen in die Erzeugung von grünem Wasserstoff in Nicht-EU-Ländern mit bis zu 900 Millionen Euro fördern darf.

"Deutschland kann seinen Bedarf an grünem Wasserstoff nicht alleine decken", stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits fest. Die Gründe liegen demnach in der zu geringen Menge an Wind- und Sonnenenergie sowie einer nicht ausreichend freien Fläche. Da sich mithilfe von grünem Wasserstoff allerdings "Industrie, Flug- und Schwerlastverkehr klimafreundlich gestalten" lassen, hat die Bundesregierung den "Potenzialatlas Wasserstoff" ins Leben gerufen. Dieser soll die Potenziale für die Produktion und den Export von grünem Wasserstoff etwa in West- und Süd-Afrika analysieren. Konkret geht es darum, die Bedingungen für die Erzeugung erneuerbarer Energien und der notwendigen Infrastruktur zu untersuchen.

Quellen: IEGBMWI, Wasserstoff-Leitprojekte, mit Material der DPA


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