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"Machinarium" Viel Blech, noch mehr Herz


Das skurrile Adventure "Machinarium" erzählt die Geschichte eines kleinen Roboters, der einen Bombenanschlag vereiteln und seine große Liebe wiederfinden will. Sein rostiger Industrielook verleiht dem PC-Spiel eine seltsame Melancholie. Leider stimmen auch einige spielerische Makel traurig.

Abgeladen auf einer Müllhalde, zerlegt in seine Einzelteile: Der Tag beginnt nicht sonderlich verheißungsvoll für Josef, einen kleinen Roboter mit Glupschaugen. Bevor sie sich auf den weiten Weg zurück in die Stadt machen kann, muss die sprachlose Blechbüchse zunächst mal ihre dünnen Ärmchen und Beinchen wieder einsammeln. Natürlich mit Hilfe des Spielers, der den kleinen Mann aus Stahl mit der Maus durch die Gegend lotst. Wie für ein Adventure üblich werden manipulierbare Objekte durch einen veränderten Mauszeiger dargestellt - allerdings erst, wenn man sich in ihrer Nähe befindet.

Durch Zufall erfährt Josef von der Verschwörung einer Roboter-Bruderschaft, die die Stadtoberen mit Explosivem abwracken will. Auf seinem Weg zur Spitze des Bürgermeister-Turms hilft er den blechernen Stadtbewohnern, all das wieder zu bekommen, was sie vermissen: ihre Musikinstrumente, ihre Hunde oder ihre Freiheit. Im Gegenzug erhält er dafür nützliche Gegenstände, die er für sein weiteres Fortkommen benötigt.

Josefs Trauma, das in animierten Gedankenblasen frühere Misshandlungen durch die Roboter-Bruderschaft zeigt, führt dazu, dass die Mitglieder der selbigen nun ihrerseits von ihm malträtiert werden. Selbst Katzen und Mäuse (wie fast alles in diesem Spiel ebenfalls aus Metall) dürften nicht unbedingt froh über ihre Begegnung mit dem Maschinenmenschen sein: Um der Rätsels Lösungen einen Schritt näher zu kommen, muss Josef sie unter Strom setzen oder gegeneinander aufhetzen.

Kurzes Vergnügen

Da es sich hier um Spiel ab sechs Jahren handelt, sind die Aufgaben natürlich äußert harmlos und oft auch charmant humorvoll. Knackig sind sie fast immer, jedoch mit ein wenig Einfallsreichtum meist problemlos lösbar. Wer dennoch nicht weiter kommt, kann sich jederzeit einen Tipp oder sogar die komplette Lösung des aktuellen Abschnitts anzeigen lassen, reduziert dadurch aber die ohnehin nicht gerade lange Spieldauer von fünf Stunden weiter ...

Verschrottet gehören jedoch die viel zu häufig eingestreuten Minigames, in denen simple Knobelaufgaben gelöst werden müssen. Hier wäre es schöner gewesen, wenn die tschechischen Entwickler von Amanita Design weiter auf ihr gutes Händchen bei Logikrätseln vertraut und noch mehr Story-dienliche Rätsel entwickelt hätten. Auch die teils langwierigen Bewegungen der Hauptfigur fallen unangenehm auf. Es vergeht oft zu viel Zeit, in der man sinnlos auf das Ausführen einer Anweisung wartet.

Geduldige werden jedoch mit einer einzigartigen Stimmung belohnt. Auf Sprache wird durchweg verzichtet, die Dialoge finden ausschließlich in illustrierter Form statt. Vielen Internetsurfern dürfte das bekannt vorkommen: Das komplett in Flash entwickelte Spiel erinnert stark an Amanitas früheres Browsergame-Meisterwerk "Samorost". Grafisch ist "Machinarium" ebenfalls ein kleines Kunstwerk: Die handgezeichneten Hintergrundbilder wurden bereits mit dem "Excellence in Visual Art"-Award des Independent Game Festivals 2009 ausgezeichnet.

Fans von klassischen Adventures im Stil von "Monkey Island" dürften dennoch enttäuscht sein, wenn sie ein typisches Point&Click-Adventure erwarten: "Machinarium" ist ähnlich und doch ganz anders, ganz besonders und mitunter auch ganz schön frustrierend. Und dennoch fast durchweg liebenswürdig.

Machinarium

Hersteller/Vertrieb

Amanita Design/Daedalic

Genre

Adventure

Plattform

PC, Mac, Linux

Preis

30 Euro (Box), 20 US-Dollar (Download)

Altersbeschränkung

ab 6 Jahren


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