HOME

Hintergrund: Tief in der Tinte

Mit günstiger Hardware und teurem Zubehör machen die Druckerhersteller riesige Gewinne. Aber wie lange noch?

Der Schock kommt meistens schon nach ein paar Wochen. Nämlich dann, wenn zum ersten Mal die Patrone leer ist: Waaaas, so teuer ist Tinte? Bis zu 50 Euro kostet so ein Nachfülltank, zumindest, wenn man ihn vom selben Hersteller kauft wie den Drucker. Mit Preisen, für die man mancherorts einen ganzen Drucker samt Patronen bekommt, verärgern die Hersteller seit Jahren große Teile ihrer Kundschaft. Zumal Anbieter von Billig-Tinten zeigen, dass es auch günstiger geht. Ob in kleinen Spezialgeschäften, genannt "Tintentanken" oder "Refill-Stationen", in Elektronik-Märkten oder übers Internet: Alternativtinten kosten oft nur die Hälfte und werben damit, "100 Prozent kompatibel" zum Original zu sein. Doch viele Käufer fragen sich: Sind sie wirklich genauso gut? Normalerweise ja, wenn man der jüngsten Untersuchung der Stiftung Warentest glaubt, Darin schnitten viele Alternativtinten sogar besser ab als die Originale.

Die Druckerhersteller, die um die Absatzchancen ihres Originalzubehörs fürchten, macht das offenbar zunehmend nervös: So zieht Druckerbauer Epson zurzeit mit einer Plakatkampagne gegen Billig-Anbieter zu Felde. Zudem schützen die Hersteller ihre Modelle durch eine Vielzahl von Patenten. Besonders gut hat sich die Firma Hewlett-Packard (HP) abgeschottet, denn deren Patronen sind nicht nur mit frischer Tinte befüllt, sondern enthalten gleichzeitig einen neuen Druckkopf. Dieses System hat sich auch deshalb bewährt, weil es Konkurrenzunternehmen dadurch fast unmöglich ist, HP-Patronen ohne Patentverletzung nachzubauen. Alternativanbietern bleibt deshalb nichts übrig, als leere HP-Patronen zu sammeln und neu zu befüllen. Wir luden Karl Kallinger, Geschäftsführer des Alternativanbieters Pelikan, und Ralf Groh von Hewlett-Packard zum Streitgespräch in die stern-Redaktion. Beide dürfen sich Marktführer nennen: die einen bei Originaltinte, die anderen beim Verkauf von Alternativtinte.

Thomas Borchert/Ulf Schönert / print
Themen in diesem Artikel