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Sonys Playstation Vita im Test: Gute Grafik, wenig Power

Die Playstation Vita sorgt für frischen Wind im Mobilbereich: Mit guter Grafik und vielfältigen Steuermöglichkeiten sollen vor allem anspruchsvolle Spieler überzeugt werden. Doch bei Speicher und Akku müssen Gamer Kompromisse eingehen.

Die Playstation Vita ist eine portable Touchscreen-Konsole mit einem fünf Zoll großem Bildschirm, die dem Anwender zahlreiche Steuerungsmöglichkeiten bietet. Dabei will sie nicht mit dem Nintendo DS in Konkurrenz treten, sondern geht stattdessen einen Schritt Richtung Tablet und Multimedia.

Bei der Playstation Vita handelt es sich keinesfalls um eine überarbeitete PSP. Das ist gut so, denn die PSP ist seit ihrem Debüt 2004 bereits in fünf fast identischen Modellen auf den Markt gekommen. Mit der PS Vita will Sony wieder Boden am Markt der Mobilgeräte gutmachen.

Wir haben uns die neue Konsole genauer angeschaut.

Spezifikationen

Das augenscheinlichste Feature auf der Vita ist ihr Bildschirm.

Der Bildschirm ist gestochen scharf und bietet eine lebhafte Wiedergabe, egal ob beim Spielen von Games oder dem Betrachten von Videos. Bei der Bildschirmauflösung bietet die Vita 960 x 544 Pixel (qHD) mit circa 16 Millionen Farben und 220 ppi.

Gegenüber dem iPhone 4S (960 x 640 Pixel und 326 ppi) bleibt die Vita damit etwas zurück, allerdings kann Sonys mobile Konsole mit den meisten High-End-Smartphones mithalten. Beim Bildschirm handelt es sich ebenfalls um ein kapazitives Multitouch-Display.

Sony hat bisher keinen offiziellen Browser oder E-Reader für seine kommende Konsole vorgestellt, allerdings garantiert die Kombination aus leistungsstarkem Prozessor gemeinsam mit 512 MB RAM und 128 MB VRAM für ein angemessenes Weberlebnis.

Außerdem ist die Vita multitaskingfähig. Auch die PSP und die PS3 bieten bereits die gleichzeitige Nutzung von mehreren Browser-Tabs.

Konsole oder Mini-Tablet?

Kombiniert mit Maßen von 182 x 18,6 x 83,5 Millimeter ist die Playstation Vita eine Konsole, die durch den potenziellen Einsatz geeigneter Software durchaus als Mini-Tablet bezeichnet werden kann. Lediglich die Controller an beiden Enden erinnern daran, dass es sich um eine portable Konsole handelt.

Außerdem verfügt die Playstation Vita über ein Touch-Trackpad auf der Rückseite. Eine Front- und Rückseitenkamera werden ebenso geboten wie ein Sechs-Achsen-Sensorensystem (dreiachsiger Kreisel, Beschleunigungssensor und elektronischer Kompass). Auch einen Stereolautsprecher und ein integriertes Mikrofon hat die PS Vita zu bieten.

Neben einer PS-Taste finden sich auf der portablen Konsole ein Power-Schalter, Richtungstasten, Aktionstasten, eine R- und L-Taste, eine START- sowie SELECT-Taste und Lautstärkeregler. Eines der Features, die Sony im Vorfeld angepriesen hat, ist der zweite Steuerungs-Stick. Dadurch bietet die portable Konsole eine fast identische Steuerungsmöglichkeit wie der Dualshock-Controller der PS3.

Eine neue Art des Spielens

Das Fehlen eines zweiten Sticks auf der Vorgänger-PSP war ein großer Nachteil. Auch Nintendo hat dieses Problem bei seiner eigenen portablen Konsole bemerkt und mit dem 3DS ein Zusatzgerät samt zweitem Stick auf den Markt gebracht.

Die beiden Sticks und der Touchscreen sind jedoch nicht die einzigen Eingabemöglichkeiten. Die Vita bietet durch ein Gyroskop, einen Beschleunigungssensor sowie einen elektronischen Kompass auch Bewegungssteuerung.

Sowohl das kleinere Modell als auch das Modell mit UMTS verfügen über WLAN und Bluetooth. Einen Abstrich müssen die Anwender jedoch beim internen Speicherplatz hinnehmen, denn die Vita ist lediglich mit einem Steckplatz für Datenträger ausgestattet. Anwender müssen auf eine eigens für die PS Vita entwickelte Playstation-Vita-Karte zurückgreifen. Geplant sind momentan Karten in der Größe von 2 bis 4 GB. Wie viel diese Karten kosten werden, ist bislang nicht bekannt, allerdings werden sie wohl nicht allzu günstig sein. Eine teure und limitierte Speicherung ist der einzige große Abstrich in einer ansonsten großartigen Feature-Liste.

Leistung

Bisher konnte bereits gezeigt werden, dass die Vita einiges an Potenzial im Spielebereich bietet. Die Vita versucht eine PS3 zu sein, die man überall hin mitnehmen kann - und das gelingt ihr auch.

Im Folgenden werden wir stärker ins Detail gehen. Es kann aber bereits gesagt werden, dass die PS Vita die Erwartungen der Spieler ans mobile Gaming neu definieren wird.

Spiele im Stil von "Angry Birds" sind auf der PS Vita möglich und Sony bietet bereits eine Reihe von Minispielen an, die ein ähnliches Spielerlebnis bieten.

Aber auch grafisch aufwendig gestaltete Spiele wie "Uncharted: Golden Abyss" kommen auf dem kleinen Bildschirm in Sachen Qualität sehr nahe an die PS3 heran. Der Anwender bekommt eine Wiedergabe geboten, die man sich normalerweise von großen Konsolen erwarten würde.

Mehr Power als iGeräte

Bei der Vita kommt ein PowerVR-Series5XT-SGXMP-Grafikchip mit vier Kernen zum Einsatz. Das iPad 2 und iPhone 4S haben hingegen nur eine Doppelkern-Version zu bieten und das macht sich auch bemerkbar.

Die Videowiedergabe der PS Vita ist leuchtend, gestochen scharf und bietet eine gute Sicht von vielen Betrachtungswinkeln aus. Fehlerhafte Wiedergaben wie beim sogenannten "Ghosting" sind innerhalb des Tests ebenfalls nicht aufgefallen.

Eine solche Leistung fordert allerdings ihren Tribut. Laut Sony sollte die Akkulaufzeit für drei bis fünf Stunden bei durchgängigem Spielen und fünf Stunden bei durchgehender Videowiedergabe ausreichen. Die Playstation Vita ist also nur solange mobil, solange man eine Steckdose in der Nähe hat.

Steuerungsmöglichkeiten

Die Vita bietet zahlreiche Steuerungsmöglichkeiten für Spiele. Der kapazitive Multitouch-Display (als Steuerungsmöglichkeit) ist unglaublich reaktionsstark.

Das Blättern durch die Menüs ist ebenso einfach wie auf teuren Tablets. Der Touchscreen wird über Wischbewegungen und Berührungen auch innerhalb von Spielen verwendet. Etwaige Verzögerungen oder Ungenauigkeiten würden innerhalb von Games schnell offensichtlich werden. Der Touchscreen erwies sich allerdings sowohl bei "Uncharted" als auch bei Minispielen als leistungsfähig.

Das Touchpad auf der Rückseite ist ebenfalls sehr präzise, allerdings nicht so einfach zu benutzen wie der Touchscreen auf der Vorderseite. Das Hauptproblem ist natürlich, dass der Spieler seine Finger nicht sieht. Der erste Kontakt mit dem Touchpad kann also etwas ungeschickt verlaufen. Beim Blättern durch Menüseiten stellt das kein großes Problem dar, aber innerhalb von Spielen kann das rückseitige Touchpad für Verwirrung sorgen. Eine Sache, an die man sich definitiv gewöhnen muss.

Ballern oder Lenkrad

Die Bewegungssteuerung ist sehr genau und wird bei verschiedenen Spielen als Steuerungsmöglichkeit genutzt. Bei "Little Deviants" muss zum Beispiel auf Feinde gezielt werden, die durch die Kamera der Konsole in die reale Welt projiziert werden. "Uncharted" macht ebenfalls von der Bewegungssteuerung Gebrauch. Anwender können auf Feinde zielen, indem sie die Vita kippen.

Beim Schießen auf digitale Feinde wird ein weiteres Mal ersichtlich, wie reaktionsstark die Sensoren der Vita sind. Beim Rennspiel "Wipeout 2048" kann die Vita aber auch wie ein Lenkrad genutzt werden. In unserem Test funktionierte das hervorragend und da "Wipeout" für seine hohen Geschwindigkeiten bekannt ist, ist diese Art der Steuerungsmöglichkeit die optimale Lösung.

Die Bewegungssteuerung wird auch für das Auffinden von virtuellen Objekten in Augmented-Reality-Apps verwendet. Beim Spiel "Reality Fighters" können Gamer ihren digitalen Kämpfern via der integrierten Frontkamera ihr eigenes Gesicht verpassen und Straßenkämpfe auf realem Hintergrund austragen.

Die PS Vita bietet auch GPS und selbstverständlich wird dieses Feature auch in Spielen integriert, um Spielobjekte mit physischen Orten zu verknüpfen.

Spiele

Wenig überraschend möchte Sony mit einem starken Angebot an wohlbekannten Spieletiteln und einem breiten Angebot an Genres bei den Gamern punkten.

Eines der wichtigsten Spiele ist wohl "Uncharted: Golden Abyss". Schatzsucher Drake begibt sich in dem Spiel nach Südamerika, um noch mehr verlorenes Gold zu finden.

Entgegen anderer Konsolenspiele, die zusätzlich für mobile Geräte herausgebracht werden, bietet "Uncharted: Golden Abyss" dieselbe hohe Qualität bei der Steuerung und Technik wie die PS3-Version. Der Vierkern-Grafikchip der Vita kann hier seine volle Leistungsfähigkeit demonstrieren und bietet eine Wiedergabe, die von einem Gerät in dieser Größe eigentlich nicht erwartet wird.

Voller Finger-Einsatz

Das Vita-Spiel bietet sogar noch mehr als die PS3-Version. Mittels Berührungen auf den Touchscreen kann Drake beispielsweise zum Klettern gebracht werden. Der Spieler kann den Weg für Drake bestimmen, indem er mit seinen Fingern eine Linie auf den Bildschirm "zeichnet" und der digitale Schatzsucher wird dieser Route folgen. Auch bei den Rätseln wird von den Spielern voller Finger-Einsatz abverlangt, so muss ein Puzzle beispielsweise erst freigerubbelt werden, bevor die einzelnen Teile zusammengefügt werden können. Gegner können ebenfalls mittels Antippen des Touchscreens bekämpft werden.

Dieser clevere Einsatz der vorhanden Technologie macht die Vita noch vorteilhafter - vergleichbar mit dem Touchscreen der Nintendo DS, der ein Spielerlebnis bietet, das man woanders nicht bekommt. Der Touchscreen, das Trackpad auf der Rückseite und die Bewegungssteuerung können auch bei der Vita unvergleichbar gut innerhalb von Spielen eingesetzt werden.

Das beste Beispiel dafür ist "Little Deviants". Dabei handelt es sich um eine Minispiele-Sammlung, bei der der Anwender beide Touch-Oberflächen mit vollem Elan bedienen muss, um verschiedene Monster zu attackieren oder zu schützen. Einige Aufgaben erfordern den Einsatz der ganzen Konsole, um Ziele zu treffen oder die kleinen Monster durch die Gegend zu rollen. Das Spiel ist definitiv das Game, dass das Beste aus den Steuerungsmöglichkeiten der Vita herausholt.

Auch das Spiel "Unit 13", bei dem es sich um einen Militär-Shooter von Zipper Interactive (den Entwicklern hinter "SOCOM") handelt, holt einiges aus der Bewegungssteuerung heraus. Bei diesem Spiel können die Gamer unter einer Vielzahl an verschiedenen Waffen auswählen und bei Schießereien mit Gegnern in Deckung gehen.

Für Sportfans bieten sich die derzeit in Entwicklung befindenden Spiele "EA Sports FIFA Football", "F1 2011" oder "Virtua Tennis 4" an. Rechtzeitig zum Start werden das weniger realistische Rennspiel "Wipeout 2048" und "Everybody´s Golf" zur Verfügung stehen.

Es gibt allerdings auch seltsam anmutende Titel wie "Escape Plan", bei dem man den zwei Figuren Laarg und Lil dabei helfen muss, Kreissägen und Stromschlägen zu entgehen.

Zwölf Start-Spiele

Zum Zeitpunkt des Launches der PS Vita am 22. Februar 2012 sollten zwölf Spiele für die Gamer bereitstehen. Zahlreiche andere Titel befinden sich derzeit in Produktion, wobei das Erscheinungsdatum noch nicht bekannt ist. Die hohe Leistung der Vita gepaart mit den zahlreichen Steuerungsmöglichkeiten legen die Basis für eine große Bandbreite an Genres, wie die Gamer es auch von der Nintendo DS und Wii sowie der Xbox 360 und PS3 kennen. Die Vita deckt diese Bereiche, nachdem was wir gesehen haben, auf jeden Fall ab.

Fazit

Der erste Test der PS Vita zeigte, dass die kommende portable Konsole von Sony großes Potenzial hat. Es handelt sich bei der Vita um eine beeindruckende portable Konsole, die leistungsstark genug ist, um fantastisch ausschauende Spiele wiederzugeben und durchaus mit bekannten Spielekonsolen auf Augenhöhe liegt. Durch den zweiten analogen Stick müssen die Spieler bei den Games keinerlei Kompromisse eingehen.

Durch die zahlreichen Steuerungsmöglichkeiten wird ein neues und unvorhersehbares Spielerlebnis ermöglicht. Durch die Augmented-Reality-Funktion wird die Playstation Vita zu einem portablen EyeToy. Videospiele können nicht nur überall hin mitgenommen werden, sondern über die Kamera auch in die reale Umgebung des Anwenders projiziert werden.

Entscheidend ist allerdings auch der Preis der portablen Konsole. Mit 249,99 Euro für das WLAN-Modell und 299,99 Euro für das Modell mit WLAN und UMTS ist die Konsole durchaus erschwinglich. Durch Rabatte im Einzelhandel und Spiele-Pakete wird die Playstation Vita zudem noch günstiger zu erstehen sein.

Die Vita bietet bezogen auf ihre Leistung einen konkurrenzfähigen Preis, ohne billig zu wirken. Die Konsole besteht zwar aus Kunststoff, allerdings ist sie dennoch sehr robust.

Geringe Akkulaufzeit

Die Tasten und Bedienelemente machen einen stabilen Eindruck und wenn man die Vita wie ein Tablet hält, wird man schnell bemerken, dass die Konsole rein theoretisch auch wie ein solches eingesetzt werden kann. Nicht zuletzt der hervorragende Touchscreen sorgt für Tablet-ähnlichen Komfort. Einen Nachteil der Konsole stellen jedoch die Akkulaufzeit und der fehlende interne Speicher dar. Selbst eine vollständige Akkuladung setzt der Mobilität des Anwenders bald Grenzen und möglicherweise teure Speicherkarten sind definitiv als Abstrich zu werten.

Abgesehen von diesen Punkten scheint die PS Vita alle Gameransprüche zu bedienen. Die Konsole wird Spielefans begeistern, junge Anwender unterhalten und auch bei älteren Anwendern durch intuitive Steuerungsmöglichkeiten (ähnlich der Wii) für Freude sorgen. Interessant zu sehen wird jedoch sein, was Sony mit der Konsole außerhalb des Gaming-Angebotes macht. Auf der PS3 bietet Sony bereits Dienste wie Music Unlimited oder Vidzone. Auch die PS Vita hat das Potenzial zum portablen Dreh- und Angelpunkt für Medieninhalte. Für das Browsen im Internet eignet sich die portable Sony-Konsole ebenfalls hervorragend.

Grafikwunder mit viel Potenzial

Bislang sind diese Überlegungen allerdings Wunschträume. Sony fokussiert bei der PS Vita bislang vor allem auf den Einsatz als Spiele-Gerät. Wie das endgültige Betriebssystem auf der PS Vita ausschauen wird, ist noch unbekannt und auch die derzeitige Gestaltung des Hauptmenüs mit Schaltflächen in Blasen-Form fühlt sich eher wie ein vorläufiger Platzhalter an.

Für alle Anwender, die an einer portablen Spielekonsole interessiert sind und denen es nichts ausmacht, im Notfall das Aufladegerät mit sich herumzutragen, bietet die Playstation Vita viel Potenzial. Die kommende Sony-Konsole bietet ein eindrucksvolles Spielerlebnis trotz kleinen Maßen. Anwender, die nach mehr als Games verlangen, sollten mit der Kaufentscheidung hingegen etwas warten. Aber bis 22. Februar könnte sich in dieser Hinsicht noch einiges tun.

TechRadar / Tech Radar