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Nach dem Tod von Steve Jobs Was wird aus dem Apfel?


Der Tod von Steve Jobs ist das Ende einer Ära. Das wertvollste Unternehmen der Welt muss ohne seinen Gründer auskommen. Kann das gelingen?
Von Christoph Fröhlich und Ralf Sander

Er veränderte den Computer, das Musikhören und das Telefonieren. "Steve Jobs veränderte unsere Welt. Ruh in Frieden", schreibt ein trauernder Twitterer. Sein Tod löst weltweite Trauer aus, und viele fragen sich, wie es jetzt mit Apple weitergeht. Die Firma war Jobs' Lebenswerk, und viele sehen sie bei seinem Nachfolger Tim Cook in den falschen Händen. "Steve hat die beste Tech-Company der Welt erschaffen", heißt es in einem anderen Tweet, "und viel Glück für Tim Cook, der in Fußstapfen der Schuhgröße 100.000.000 treten muss."

Abschied von einem Technikrevolutionär

Kein anderer Businesslenker galt so sehr als Herz und Hirn eines Unternehmens wie Steve Jobs. Seine Bedeutung für Apple und die Tech-Branche war immens. Mit dem iPod, iPhone und dem iPad hat er gleich drei IT-Revolutionen - MP3-Player, Smartphones und Tablet-PC – ausgelöst, in nur einem Jahrzehnt. "Was Steve geleistet hat, ist einfach phänomenal", sagt sogar Microsoft-Gründer Bill Gates, Jahrzehnte lang ein harter Konkurrent von Jobs.

Dass der Tag kommen würde, an dem der schwer kranke Jobs stirbt, war abzusehen. Immer häufiger wurden seine Auszeiten, der Bauchspeicheldrüsenkrebs kehrte mehrfach zurück. Wie ernst es um ihn stand, ahnten Branchenkenner bei der iPhone-Präsentation am vergangenen Dienstag: Der Mann, der im Januar sogar seine Auszeit unterbrochen hatte, um das iPad 2 vorzustellen, war bei der Präsentation gar nicht anwesend.

Doch Apple hat sich auf eine Zeit ohne Steve vorbereitet. Der 50-jährige Tim Cook hat während Jobs' Krankheitspausen bereits bewiesen, dass er das Unternehmen mit ruhiger Hand steuern kann. Zwar hat die Apple-Aktie bei jedem Krankheitsfall des Apple-Gründers nach unten gezuckt - doch auch in Jobs' Abwesenheit haben die Umsätze immer gestimmt.

Apple verfolgt Fünf-Jahres-Plan

In den nächsten Jahren wird sich bei den Apple-Produkten und damit für den Konsumenten wenig bis gar nichts ändern. Im Frühjahr erscheint voraussichtlich das iPad 3, laut Insidern ist ein neues iPhone längst in Arbeit. Apple lege die Grundzüge zukünftiger Produkte fünf Jahre im Voraus fest, schreibt Apple-Kenner Tim Bajarin, "und bei Apple gibt es eine große Riege fähiger Manager, die wissen, wie Steve Jobs denkt und was seine Vision für die nächste Dekade ist". Es ist an der Zeit, sich von der Illusion zu verabschieden, dass Steve Jobs allein Apple war. "Kein Individuum kann so etwas allein", sagt auch Gartner-Experte Gartenberg.

"Apple ist eine gut geölte Maschine", erklärt Charles Golvin vom Marktforscher Forrester Research nach Jobs’ Rücktritt im August gegenüber CNN. "Das operative Geschäft wird von guten Leuten geführt, die ihren Wert bewiesen haben." Jobs hat über die Jahre Mitarbeiter um sich versammelt, die seine Leidenschaft teilen. Wer das nicht tut, hält es sowieso nicht bei ihm aus. Analyst Bajarin meint: "Apple ist nicht in unmittelbarer Gefahr, weil Jobs' Denken tief in vielen der 46.600 Angestellten verwurzelt ist."

Ungewisse Zukunft

Bei der Frage, wie es langfristig mit Apple weitergeht, mischt sich Skepsis unter die Spekulationen. Viele zweifeln, ob der neue Chef Tim Cook die Kreativität und Risikobereitschaft von Jobs ersetzen kann. Der ehemalige Apple-Manager Trip Hawkins hatte das Unternehmen schon Anfang August in einem Interview mit dem Römischen Reich verglichen, das nach dem Überschreiten des Höhepunkts seiner Macht unaufhaltsam dem Zerfall entgegenstrebte. Aber auch weniger dramatische Stimmen wie die von Guy Kawasaki, ebenfalls ein Ex-Appler, äußern zumindest Sorge. Er vergleicht Jobs mit einem Familienvater: "Wenn Dad die Familie verlässt, prügeln sich die Kinder", so Kawasaki in einem Video-Interview mit "Fortune". Trotz aller Vorbereitungen hinterlässt Jobs eine Lücke, die bei Apple keiner füllen kann. "Apple hat nun niemanden mehr, der so kreativ und ehrgeizig ist wie Jobs, auf den es sich verlassen kann", sagt Simon Liu, Fonds-Manager bei Polaris.


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