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US-Wahl: Wie Facebook Donald Trump zum Wahlsieg verhalf

Wohl kein Politiker profitierte mehr von sozialen Netzwerken als Donald Trump. Vor allem Facebook hat bei der Eroberung des Weißen Hauses entscheidend geholfen - aber ganz anders, als man erwarten würde.

Facebook Donald Trump US Wahl 2016

Die Facebook-Seite des zukünftigen Präsidenten Donald Trump

Donald Trump ist der erste Social-Media-Präsident der USA. Wohl kein Kandidat verbreitete seien Wahlbotschaft so sehr über die sozialen Medien. Trumps Waffe der Wahl ist eigentlich Twitter. Seinen Sieg dürfte er aber einem anderen Netzwerk verdanken: Facebook hat dem Republikaner entscheidend zum Sieg verholfen, wenn wohl auch nicht mit Absicht.

Denn Trump verdankt seinen Sieg nicht nur den sogenannten Filterblasen, in denen wir uns alle bewegen. Menschen umgeben sich zwar gerne mit Personen, die ihre Meinungen teilen. Dass Facebook vor allem Trump nützte, hängt aber auch direkt mit der Funktionsweise des Netzwerkes zusammen.

Trump versus Clinton: Wie Facebook den US-Wahlkampf manipuliert


Bei Facebook sortiert der Algorithmus

Facebook präsentiert seinen Nutzern nämlich nicht alles, was die eigenen Freunde posten - sondern sortiert vor, was man zu sehen bekommt. Und dabei bevorzugt Facebook Freunde, Themen und Links von Webseiten, die man in der Vergangenheit schon öfter mit einem Like versehen hat. Wer also pro Trump ist, bekommt mehr davon serviert - bis man schließlich den Eindruck gewinnt, jeder würde die eigene Meinung teilen.

Das betrifft natürlich die Clinton-Wähler exakt im gleichen Maße - und erklärt auch den Schock vieler Clinton-Anhänger nach der Wahl: Sie waren so sehr von den Posts anderer Trump-Gegner umgeben, dass ein Sieg für Clinton fast sicher erschien.

Trending Topics als Durchlauferhitzer

Trump konnte aber vor allem von einer weiteren Eigenheit des Facebook-Universums profitieren: In den USA befindet sich neben dem bekannten Newsfeed eine Rubrik namens "Trending Topics", die in Deutschland noch nicht freigeschaltet wurde. Dort landen News und Artikel, die von vielen Nutzern geteilt und geliked werden.

Da mittlerweile mehr als 60 Prozent der US-Nutzer ihre Nachrichten von dort beziehen, fungiert das Netzwerk längst wie eine Nachrichtenseite. Der wichtige Unterschied: Facebook kontrolliert nicht händisch, was dort gezeigt wird. Die schlimmsten Lügengeschichten erscheinen durch den Algorithmus ganz selbstverständlich neben Artikeln aus seriösen Quellen. Denn auch die Trending Topics werden nach den Vorlieben des Nutzers vorsortiert. Und das hat sich das Trump-Lager gnadenlos zu Nutzen gemacht.

Mit konservativen Portalen wie "Breitbart" aber auch einer riesigen Armada immer neuer Pseudo-Newsseiten begannen Trump-Unterstützer damit, den Facebook-Feed der konservativeren Wählern mit immer schmutzigeren Geschichten über Hillary Clinton zu fluten. Die demokratische Kandidaten hatte zwar erwiesenermaßen einige Leichen im Keller, im Facebook-Feed der Trump-Anhänger mutierte sie im Laufe des Wahlkampfes aber geradezu zum Teufel als Person.

Das Geschäft mit der Propaganda

Interessanterweise wurde die Pro-Trump-Propaganda nicht nur von echten Anhängern betrieben, sondern auch von findigen Geschäftemachern. Die nutzten die Teil-Freude des Trump-Lagers gnadenlos aus und lockten so tausende Nutzer auf ihre mit Werbebannern gepflasterten Webseiten - um dort frei erfundene Geschichten zu lesen. Aus einem kleinen Dorf in Mazedonien wurden etwa ganze 140 solcher Pro-Trump-Seiten betrieben. Ein riesiges Geschäft.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sieht das ganz anders. Auf der "Techonomy"-Konferenz in Kalifornien widersprach er der Auffassung, dass Facebook ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung zwischen Trump und Clinton gewesen sei: ""Ich persönlich halte es für eine ziemlich verrückte Idee, dass falsche News auf Facebook, die nur einen sehr geringen Anteil der Inhalte ausmachen, die Wahl auf irgendeine Weise beeinflusst haben könnten", sagte Zuckerberg. Und ergänzte lapidar, dass man halt dazu neige, Dinge auszublenden, die nicht zur eigenen Weltsicht passten. "Ich weiß nicht, was man dagegen unternehmen kann."

Wie Facebook seine Trending Topics in den Griff bekommen kann, ist leider nicht klar zu sagen. Als das Netzwerk am Anfang noch auf die händische Auswahl von Mitarbeitern setzte, flog Facebook das in einem gigantischen Shitstorm um die Ohren: Zuckerberg und Co. würden ihre Nutzer beeinflussen, lautete der durchaus nachvollziehbare Vorwurf. Kleine unabhängige Blogs wären großen Seiten unterlegen. Facebook verzichtete auf die Vorsortierung - mit bekanntem Ergebnis.

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