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US-Wahl 2016: Wie ein Dorf in Mazedonien das Netz mit Pro-Trump-Propaganda zumüllt

Nirgendwo tobt der US-Wahlkampf so heftig wie in den sozialen Medien. Viele Inhalte, die plump gegen Hillary Clinton hetzen, sind erstunken und erlogen - und werden aus einen kleinen Ort in Mazedonien vertrieben.

Pro Donald Trump

Screenshots einiger Pro-Donald-Trump-Seiten

Bei der ersten TV-Debatte der US-Präsidentschaftsbewerber war kurz zu sehen, wie sich eine schmale, längliche Ausbeulung unter dem Blazer von Hillary Clinton abzeichnete. Es waren zwar nur Mikrofonkabel und Sender, die unter der Kleidung der Demokratin entlang geführt wurden, doch im Netz verbreiteten ihre Gegner in Windeseile eine Verschwörungstheorie. So schrieb ein Twitter-Nutzer bedeutungsschwanger, was das da auf ihrem Rücken wohl sei: Mikrofon? Hustenverhinderungsmaschine? Kopfhörer? Wer die obskuren Unterstellungen in die Welt gesetzt hat, ist kaum noch nachvollziehbar, aber es ist durchaus möglich, dass dahinter eine regelrechte Hetz-Industrie steht - wie sie etwa eine Stadt in Mazedonien beheimatet.

Für Donald Trump gegen Hillary Clinton

Das US-Magazin "Buzzfeed-News" hat in dem Balkanstaat den Ort Veles ausfindig gemacht, von wo aus rund 140 Pro-Donald-Trump-Internetseiten betrieben werden. Sie tragen Namen wie WorldPoliticus.com, TrumpVision365.com, USConservativeToday.com und hätten allein auf Facebook Millionen von Kommentaren, Reaktionen und geteilter Links produziert. Und das nicht selten mit falschen oder irreführenden aber immer sensationsheischenden Geschichten. Dabei geht es um Inhalte, die automatisch als Werbung in die Profile der Facebooknutzer einlaufen. Allein diese Anbieter haben Millionen von Menschen mit oft zweifelhaften Beiträgen erreicht, und sie so in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst - mutmaßlich für Donald Trump und gegen Hillary Clinton.

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Die Betreiber dieser Seiten, so "Buzzfeed News", seien dabei nicht einmal alle Trump-Anhänger. Ihnen ginge es schlicht darum, mit irgendwelchen Inhalten Geld zu verdienen. "Diejenigen, die hinter diesen Auftritten stehen haben gemerkt, dass sich über Facebook am meisten 'Traffic' (also Verbreitung, d.Red.), mit politischen Geschichten machen lässt, und diejenigen, die am meisten geteilt werden, sind eben solche mit lauten und gerne auch falschen Behauptungen", so das Magazin. Und offenbar sind es die Fans des Immobilienmilliardärs die für diese Arten von Geschichten anfällig zu sein scheinen. Ein Student gibt auch unumwunden zu: "Natürlich sind viele Inhalte falsch und irreführend, aber solange die Menschen sie klicken oder kommentieren, nutzen wir sie eben.

Seriöse Medien sind tatsächlich seriös

"Buzzfeed" hatte vor ein paar Wochen, den Wahrheitsgehalt verschiedener Politikmedien miteinander verglichen. Das Ergebnis fiel erschütternd aus. Die Aussagen der Mainstream-Anbieter wie CNN oder ABC würden zu fast 95 Prozent korrekt sein, aber nur 48 Prozent von konservativen bis rechten Newsseiten wie "Freedom Daily" oder "Eagle Rising" und 56 Prozent linker Blogs und Auftritte wie "Occupy Democrats" oder "The Other". Verstärkt wird diese Art der Propaganda seit einigen Monaten durch sogenannte Social Bots. Das sind Maschinen, die in sozialen Netzwerken Beiträge innerhalb kürzester Zeit zu Tausenden weiterleiten, liken und teilweise sogar kommentieren. Die Technik ist mittlerweile so fortgeschritten, dass Nutzer manchmal gar nicht mehr merken, dass sie mit einem Roboter kommunizieren.


Noch bekommen die "News"-Spezialisten aus Mazedonien ihre Inhalte von anderen Seiten oder Blogs. Sie schreiben sie entweder ab oder um, verpassen ihnen eine sensationsheischende Überschrift und verbreiten sie über Facebook. Und je mehr sie die Runde macht, desto lauter klingeln die Kassen. "Mir ging es darum, auf einfache Art Geld zu verdienen", sagt ein 17-Jähriger zu "Buzzfeed". Da es nur wenige Jobs in dem Land gibt und er als Jugendlicher ohnehin nicht arbeiten darf, kam er auf die Idee, übergeigte Pro-Trump-Beiträge zu erstellen. Am Anfang hätten einige in Veles probiert, solche Inhalte auch für linke Politik-Interessierte oder Fans des Demokraten Bernie Sanders unters Volk zu jubeln. Aber nichts hat so gut funktioniert wie Trump-Geschichten auf Facebook.

PS. Wir haben die angegebenen Internetseiten nicht verlinkt. Nicht nur aus inhaltlichen Gründen, sondern auch, weil einige von ihnen Virenschleudern sind, d. Red.




nik