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Privatsphäre Diese Daten sammelt Facebook über Sie - und so hindern Sie das Netzwerk daran

Facebook schaut sehr genau hin, welche Dinge die Nutzer anklicken.
Facebook schaut sehr genau hin, welche Dinge die Nutzer*innen anklicken.
© Westend61 / Getty Images
Facebook erfasst jeden Klick seiner Nutzer*innen. Das dürfte niemanden überraschen. Doch wussten Sie, dass der Konzern auch Ihre Wlan-Verbindungen, Ihr Smartphone-Modell und einiges mehr protokolliert? Wir verraten, wie Sie die Datensammelei ausbremsen.

Facebooks Untergang wurde schon mehrfach beschworen. Mal sollte der angebliche Exodus der Jungen das Netzwerk in die Bedeutungslosigkeit stürzen, dann der Werbeboykott prominenter Unternehmen. Doch allen Unkenrufen zum Trotz steht das Unternehmen besser da als je zuvor. Derzeit gibt es 2,7 Milliarden aktive Facebook-Nutzer*innen weltweit, so viele wie noch nie zuvor.

Ein häufiger Kritikpunkt an Facebook ist der unzureichende Datenschutz. Dass Facebook seine Mitglieder quer über die Plattform verfolgt und jeden Klick auswertet, dürfte niemanden verwundern - wie sonst könnte das Unternehmen einem in schöner Regelmäßigkeit die charmanten "Weißt du noch, heute vor fünf Jahren"-Postings in den Stream spülen. Allerdings ist das Unternehmen nicht dafür bekannt, besonders umsichtig mit den sensiblen Nutzerdaten umzugehen. Im vergangenen Jahr wurden etwa 540 Millionen Datensätze entdeckt, die monatelang ungeschützt im Netz abrufbar waren. Es war nur eine Panne von vielen.

Wir erklären, welche sensiblen Daten Facebook auswertet - und wie Sie die Schnüffelei ausbremsen.

Facebook im Web

Um Facebook sinnvoll nutzen zu können, ist es unumgänglich, dem Netzwerk einige Daten mitzuteilen - etwa, welchen Gruppen man beitritt und mit welchen anderen Nutzern man kommuniziert. Diese Daten nutzt Facebook zum einen, um passgenaue Werbung anzuzeigen, zum anderen um die Sicherheit zu erhöhen, erklärte das Unternehmen wiederholt.

Zumindest bei den Werbeanzeigen können Sie jedoch ein Wörtchen mitreden: Klicken Sie auf das Pfeil-Symbol oben rechts und öffnen Sie "Einstellungen und Privatsphäre", dort "Privatsphäre auf einen Blick". An der linken Seite finden Sie den Punkt "Werbepräferenzen". Hier erklärt Facebook, wie die Anzeigen funktionieren und welche Daten verwendet werden. In "Deine Werbepräferenzen" kann man etwa festlegen, ob man Werbeanzeigen auf Basis von Partnerdaten oder auf Basis der eigenen Klicks zulässt oder ob der eigene Beziehungsstatus oder die Job-Beschreibung für Anzeigen genutzt werden dürfen.

Doch längst beschränkt sich Facebook in Sachen Daten nicht mehr nur auf die eigene Plattform oder auf angemeldete Nutzer*innen (mehr zu Facebooks Schattenprofilen lesen Sie hier). Facebook wurde so groß und mächtig, weil es mit vielen externen Unternehmen, Webseiten und Werbediensten zusammenarbeitet - bekannt sind etwa die "Log-in mit Facebook"-Kacheln, die man aus Plattformen wie AirBnB oder Spotify kennt.

Zudem sind auf beinahe allen großen Webseiten - auch stern.de - Facebook-Pixel und -Dienste integriert, mit denen man etwa Artikel direkt in dem sozialen Netzwerk posten kann. Diese Daten verknüpfte der Konzern jahrelang mit dem eigenen Profil. Auf diese Weise konnte das Unternehmen die Nutzer quer durchs Netz verfolgen. Ein Beispiel: Jemand sucht in einem Online-Shop nach Wanderschuhen. Sind auf der Seite Facebook-Pixel eingebaut, erfährt das Netzwerk von der konkreten Suche und verknüpft die Daten mit dem eigenen Profil. Daraufhin könnten Werbeanzeigen für die Schuhe im Facebook-Stream angezeigt werden.  

Dieses Vorgehen brachte Facebook so viel schlechte Presse ein, dass der Konzern im August "Off-Facebook Activity" (OFA) vorstellte. Damit werden die Daten zwar nicht gelöscht, aber immerhin wird es möglich, die Verknüpfung der Daten mit dem eigenen Facebook-Konto aufzuheben. Sprich: Man sieht genauso viele Anzeigen wie vorher, diese sind dann nur weniger stark personalisiert. Nachteil: Bislang ist OFA nur in wenigen Ländern aktiv, die Funktion soll jedoch im Laufe der Zeit in weiteren Staaten verfügbar sein.

Facebook auf Smartphones

Immer mehr Nutzer*innen haben die offizielle Facebook-App auf ihrem Smartphone installiert. Vielen dürfte jedoch nicht bekannt sein, welche Befugnisse sie Facebook damit einräumen. So erhält Facebook die Erlaubnis, die Wi-Fi-Netzwerke, mit denen Sie sich verbinden, zu protokollieren, ebenso den Typ Ihres Telefons, die anderen installierten Anwendungen und vieles mehr zu erfassen. Um das zu unterbinden, bleibt einem nichts anderes übrig, als am besten gar nicht erst die Facebook-App sowie die weiteren Partnerdienste Messenger, Whatsapp und Instagram zu installieren.

Sollten Sie die App nutzen wollen, kann man die Datensammelei zumindest eindämmen. Gehen Sie auf die Seite Facebook-Berechtigungen - unter "Apps und Benachrichtigungen" und "Facebook" in den Android-Einstellungen oder unter "Facebook" in den iOS-Einstellungen. Hier können Sie den Zugriff von Facebook auf den Standort Ihres Telefons, Ihre Kontakte, das Mikrofon und die Kamera und vieles mehr aktivieren oder unterbinden. Doch mittels der IP-Adresse Ihres Netzwerks kann Facebook dennoch zumindest grob Ihren Aufenthaltsort ermitteln. Das kann nicht verhindert werden.

Generell sollten Sie auf Facebook so wenige private Daten hinterlassen wie möglich. Schränken Sie Ihre Aktivitäten ein, checken Sie nicht in Locations ein, markieren Sie keine Fotos und füllen Sie keine Quizfragen aus, die Ihnen sagen, welchen Beruf Sie im Mittelalter gehabt hätten. Geben Sie nicht mehr Profilinformationen an als nötig.

Schränken Sie außerdem die Zahl der Apps ein, die Zugriff auf Facebook haben. Eine vollständige Liste finden Sie hier. Das ist nicht nur aus Datenschutzgründen sinnvoll, sondern minimiert auch die Gefahr eines großflächigen Datendiebstahls im Falle einer Hackerattacke.

Eine Alternative zur App kann es sein, Facebook im mobilen Browser statt direkt in der Anwendung zu verwenden. Noch weniger Daten hinterlässt man, wenn man den Chrome- oder Safari-Browser im privaten Modus startet. Das ist zwar nicht so komfortabel wie die Nutzung der App, macht es Facebook aber schwerer, Daten über Sie zu sammeln.

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