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Internetphänomen: Das Rätsel der Google-Suche "2204355"

Ein merkwürdiges Suchergebnis bei Google verblüfft die Netzgemeinde. Wer nach einer bestimmten Zahl sucht, bekommt ein Ergebnis, das Augen und Ohren auf eine harte Probe stellt.

Von Ralf Sander

Wollen Sie mal etwas wirklich Merkwürdiges sehen? Dann tun Sie bitte Folgendes:

  • Rufen Sie die Startseite von Google auf.
  • Tippen oder kopieren Sie die Zahl 2204355 in den Suchschlitz.
  • Klicken Sie auf die Schaltfläche "Auf gut Glück" und lassen Sie sich überraschen. (Oder klicken Sie einfach hier)

Den mutigen 2204355-Sucher erwartet ein Angriff auf Augen und Ohren: Psychedelisch wabern im Hintergrund die Farben des Regenbogens von links nach rechts. Eine quäkende Synthesizermelodie aus der Frühzeit der 1980er Videospiele-Ära dudelt in einer Endlosschleife. Bildschirmfüllend und in extrem pixelig-schlechter Auflösung tanzt dazu ein Afroamerikaner in Trainingsjacke, der in jeder Hand einen Hähnchenschenkel schwingt und gelegentlich herzhaft hineinbeißt. Und das ohne Ende, immer wieder.

Was das soll?

Das ist die falsche Frage. Das Internet war schon immer Geburtsstätte komplett sinnloser, absurder und im besten Fall lustiger Phänomene, die ein bizarres Eigenleben entwickeln und in Wellen durch die Foren und E-Mail-Fächer der gesamten Webnutzerschaft schwappen. "Meme" werden diese Erscheinungen genannt, die nur im Netz auftreten, häufig aber ihren Weg in die Popkultur finden, wo sie zum Beispiel auf T-Shirts gedruckt werden oder im TV gezeigt werden. Berühmte Beispiele sind die "LOL Catz", das "Star Wars Kid" oder - im deutschsprachigen Internet - das Musikvideo "Wo bist du mein Sonnenlicht" von Grup Tekkan.

Ein Mem in seinen Anfängen

So weit hat es der Hühnerbeine schwingende Tänzer noch nicht gebracht. Er macht erst seit Ende Juni die Runde. Die "Know Your Meme"-Datenbank für Internetphänomene konnte seine Verbreitung bis zu dem für seinen grenzwertigen Humor bekannten Internetforum 4chan zurückverfolgen. Diskutiert auf verschiedenen Portalen wie Reddit und Buzzfeed erregte der "Awesome Rainbow Chicken Dance" oder auch "Coxhina Roll" genannte Flashclip schließlich die Aufmerksamkeit einer Bloggerin des "Time Magazine". Ihr Eintrag zerrte die rätselhafte Suche nach 2204355 schließlich aus dem Webuntergrund ins Licht des Mainstream.

Wer zuerst die Idee hatte, bei Google 2204355 einzugeben, und daraufhin das verblüffende Suchergebnis zu Gesicht bekam, ist unbekannt. Überhaupt weiß man kaum etwas über die Ursprünge des Clips. Das Onlinemagazin Salon hat immerhin herausgefunden, woher der tanzende Geflügelfan kommt: Er taucht kurz in einem Web-Werbevideo der Fastfoodkette "Kentucky Fried Chicken" aus dem Jahr 2009 auf.

Rätsel über Rätsel

Wer ist der Urheber dieses Mem? Wer hat den Clip zusammengebastelt? Wer hat die Flash-Datei mit dem Namen 2204355.swf bei dem Bilderhoster Imageshack hochgeladen und dafür gesorgt, dass er das erste Suchergebnis ist? Google selbst könnte es gewesen sein. Der Suchmaschinenriese hat eine lange Tradition von humoristischen Ergebnissen und so genannten Easter Eggs. So werden versteckte lustige Einträge in Computerprogrammen und Videospielen genannt. Einige Beispiele aus Googles Humorportfolio: Es gibt absurde Sprachversionen wie Klingonisch, Piratisch oder "Bork, Bork, Bork!". Der in Google eingebaute Taschenrechner steckt voller Ostereier, unter anderem kennt er "the answer to life, the universe, and everything". Die lautet natürlich "42", wie alle Leser von Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis" wissen. In der englischsprachigen Wikipedia gibt es einen eigenen Eintrag für Googles Aprilscherze und andere Späße.

Vielleicht ist der Ursprung des "Awesome Rainbow Chicken Dance" aber auch ein ganz anderer. Während das Web weiter rätselt, könnte man sich die Zeit mit einem hübschen Zahlenrätsel aus dem vergangenen Jahr versüßen. Einfach in Googles Bildersuche die Zahl 241543903 eingeben. Und nicht vor Verblüffung den Kopf in den Kühlschrank stecken!

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Rickrolling - ein neues Easter Egg auf Facebook und weitere lustige Geheimfunktion aus Web-Tools und Software"

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