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Online-Uni für Animationsfilmer: Wo Gollum das Laufen lernt

In über 50 Ländern erlernen derzeit 800 Menschen über das Internet die Kunst der Computer-Animation. Ihre Mentoren sind Profis, die bei Pixar oder Lucasfilm an Hollywood-Filmen arbeiten. Der erste Lehrgang feierte jüngst seinen Abschluss - und traf sich erstmals in der Realität.

Von Karsten Lemm, San Francisco

Es begann mit einem Aushang an einem digitalen schwarzen Brett: "Trickfilmspezialisten geben Unterricht im Internet", stand in einem Forum-Eintrag, den Jason Schleifer las, und er war sofort Feuer und Flamme. "Ich dachte: Super, den Kurs will ich belegen", erzählt der Kalifornier. Er bewarb sich für ein Studium an der neuen Online-Uni mit dem Namen Animation Mentor und bekam zur Antwort, "dass sie mich nicht als Studenten wollten", erinnert sich Schleifer. "Ich sollte selbst unterrichten." Kein Wunder: Er gilt in der Branche längst als einer der Besten, hat in den "Herr der Ringe"-Filmen Gollum mit zum Leben erweckt und seitdem an Hits wie "Madagascar" und "Ab durch die Hecke" gearbeitet. So steht Schleifer nun am Samstagnachmittag im Foyer eines Theaters in San Francisco, wo die Uni ihren ersten beiden Lehrgängen die Abschluss-Urkunden überreicht.

Absolventen aus aller Welt

Von fast 150 Absolventen sind über hundert gekommen, obwohl viele einen weiten Weg hatten. Manche sind aus Brasilien angereist, andere aus England, der Schweiz oder Mexiko. Der einzige Deutsche war verhindert, ein Absolvent aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird bei der Feier per Video dazugeschaltet - passend zum Konzept der Trickfilmschule, die ihre Studenten 18 Monate lang ausschließlich mittels Online-Videos, E-Mail und Live-Chat unterrichtet.

"Die Idee war, angehenden Trickfilmern eine Alternative für ihre Ausbildung anzubieten", erklärt Carlos Baena, einer der Animation-Mentor-Gründer, das Konzept der Online-Uni. "Egal, in welchem Land die Studenten leben, sie sollen die Chance bekommen, von Profis zu lernen, ohne umziehen zu müssen." So sitzen nun in über 50 Ländern etwa 800 Menschen, die von Hollywood träumen, vor ihren Rechnern und lernen über Tausende von Kilometer hinweg die Kunst der Computer-Animation. Ihre Mitschüler sind trickfilmbegeisterte Teenager frisch von der High-School, aber auch Ex-Polizisten, Microsoft-Programmierer und andere Quereinsteiger; ihre Lehrer, die Mentoren, sind keine Vollzeitprofessoren, sondern arbeiten bei Studios wie Pixar und DreamWorks an Filmen wie "Cars" und "Shrek".

Feedback via Live-Chat

Unterrichtet wird weitgehend unabhängig von Zeitzonen in Form von "eCritiques": Woche für Woche stellen die Mentoren ihren Studenten Aufgaben, begutachten die Ergebnisse und geben Feedback in Form von Videos und Live-Chat. "Nur bei diesen Sitzungen müssen die Studenten pünktlich sein", erklärt Baena. Sonst kann jeder studieren, wann er will. "Das Tolle ist, dass die Studenten sich alle Lektionen anschauen können, wann sie wollen und so oft sie wollen, weil ja alles aufgezeichnet wird", sagt Jason Schleifer. Die technische Seite seiner unverhofften Lehrertätigkeit empfand er allerdings als Herausforderung: "Es kann kann knifflig sein, Leuten etwas vorzuführen, wenn man nicht neben ihnen am Rechner sitzt", sagt der DreamWorks-Animator - zumal es in den Anfangswochen, nachdem Animation Mentor im Frühjahr 2005 online ging, gelegentlich an der Hardware und Software hakte.

"Zu Beginn gab es ein paar technische Probleme, aber die haben sie relativ schnell in den Griff bekommen", erinnert sich Fabian Keiser, der aus Zürich angereist ist, um sein Diplom abzuholen. Für den 30-jährigen Schweizer war "die ganze Animationsgeschichte immer schon ein Traum" - aber lange Zeit ein unerreichbarer. "Gerade im deutschsprachigen Raum gibt es ja keine Ausbildung auf dem Sektor", sagt er. So ließ er seine Trickfilm-Ambitionen nach der Schule erstmal sausen. Stattdessen studierte er vier Semester Jura, drehte einige Jahre als Radrennprofi seine Runden und versuchte anschließend, als Autodidakt einen Einstieg in seinen Traumberuf zu finden. Ein Animation Mentor lockte ihn "die Gelegenheit, von Topleuten zu lernen", sagt er. Dafür war er auch bereit, die nicht ganz billige Studiengebühr zu zahlen: Gut 14.000 Dollar (etwa 11.000 Euro) kostet die Ausbildung.

Aufeinandertreffen der Online-Klassenkameraden

Für manche ist das ein Vermögen. Einer von Keisers Kommilitonen verkaufte sein Auto, um sich das Studium leisten zu können. Dahinter steht die Hoffnung, am Ende einen Job bei Trickstudios wie Lucasfilm, Pixar, DreamWorks oder Blue Sky ("Ice Age") zu ergattern, so wie es einigen Absolventen gelungen ist. Keiser selbst will seine Reise nach Kalifornien nutzen, um nun, mit dem Diplom in der Tasche, bei potentiellen Arbeitgebern im Silicon Valley und in Los Angeles an die Tür zu klopfen. "Wenn man hier herkommt, möchte man gar nicht wieder weggehen", schwärmt er. Paul Claessens, ein Absolvent aus dem ersten Lehrgang, hat es bereits geschafft: Der 35-jährige Holländer arbeitet seit kurzem bei der Spezialeffekte-Agentur Framestore <www.framestore-cfc.com> in London. "Meinen Job habe ich Animation Mentor zu verdanken", erzählt Claessens. "Ich brauchte Arbeit und habe ein 'Showreel' zusammengestellt." 80 Prozent seiner Arbeitsproben stammten aus dem Online-Unterricht, sagt er. "Anderthalb Wochen später kam der Anruf: 'Wann können Sie anfangen?'" Für die Abschlussfeier in San Francisco ist er zum ersten Mal in die USA geflogen und steht vielen seiner Mitschülern zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüber - ein eigenartiges Erlebnis, findet Claessens' virtueller Klassenkamerad David Leighton: "Wir wissen ja von der Webcam, wie die anderen aussehen", sagt er, "und dann steht man sich plötzlich gegenüber und sagt: 'He, Moment mal, dich kenne ich doch!' Das ist einfach großartig."

Manche finden so Freunde fürs Leben - andere noch etwas mehr. "Ich bin meiner großen Liebe begegnet", strahlt Lauren Wells. Die Kalifornierin studiert im dritten Lehrgang der Trickfilm-Uni und flog im vorigen Herbst zur Fachmesse Siggraph <www.siggraph.org> nach Boston. "Da waren über hundert andere Studenten von Animation Mentor", erinnert sich Wells - darunter auch ihr heutiger Freund Erik Baker. "Es ist fantastisch, mit einem anderen Animator zusammenzusein", sagt die 25-Jährige. "Wir inspirieren uns gegenseitig und verstehen beide, wenn es beim anderen mit der Arbeit mal wieder spät wird." Denn zu tun gibt es genug. Selbst heute, an diesem speziellen Samstag, hat sie bis zur letzten Minute an ihrem Projekt gearbeitet. "Ich musste unbedingt noch eine Szene für meinen Kurzfilm fertigstellen", erzählt Wells. "Sonst bringt mein Mentor mich um." Und das Schöne an einer Online-Uni ist ja: "Ich kann überall studieren, wo ich einen Internet-Anschluss finde." Selbst im Hotelzimmer, kurz vor der Abschlussfeier ihres Liebsten.

Jason Schleifer steht derweil ein paar Schritte entfernt und bereut kein bisschen, dass er nun als Lehrer die Animations-Schule durchlaufen hat, nicht als Schüler. "Unterricht zu geben hat viel Spaß gemacht", sagt er. "Und weil das Ganze so interaktiv ist, lernen wir Mentoren dabei genauso viel wie unsere Studenten." Ende gut, alles gut - typisch Hollywood.

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