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Smartphone Apple macht beim iPhone 12 alles neu - außer bei einem Bauteil

So stellt sich der Designer Ben Geskin das iPhone 12 vor.
So stellt sich der Designer Ben Geskin das iPhone 12 vor.
© Ben Geskin
Kommende Woche wird Apple das iPhone 12 vorstellen. Gerüchten zufolge wird der Konzern viel an seinem Smartphone verändern – doch eine Sache bleibt seit 2012 gleich. 

Kommende Woche, am 13. Oktober, wird Apple die nächste iPhone-Generation vorstellen. Gerüchten zufolge wird das Gehäuse flache Kanten statt abgerundeter Ränder haben, wie man es bereits vom iPad Pro kennt. Die Kamera wird ebenfalls aufgemotzt und soll den Lidar-Sensor aus dem Profi-Tablet erhalten. Der Prozessor wird schneller, das Display bekommt eine höhere Bildwiederholrate und 5G-Unterstützung wird ebenfalls integriert. Man kann also ohne zu übertreiben sagen: Der Konzern hat an beinahe jedem Bauteil Hand angelegt.

Beinahe, weil ein Element aller Wahrscheinlichkeit nach unangerührt bleiben wird, sehr zum Unmut einiger Nutzer*innen da draußen: die Ladebuchse. Seit dem iPhone 5, welches im Jahr 2012 auf den Markt kam, setzt Apple auf den Lightning-Stecker. Verglichen mit dem alten, breiten Dock-Anschluss war der Lightning-Stecker ein großer Fortschritt, schließlich war er nicht nur kompakter, sondern konnte auch beidseitig eingesteckt werden.

USB-C hat viele Vorteile, aber …

Seit einigen Jahren setzen jedoch immer mehr Android-Smartphones auf USB-C – ein Standard, auf den Apple auch beim Macbook, dem iPad Pro und dem jüngst angekündigten iPad Air vertraut. Außerdem ist mittlerweile viel Zubehör mit USB-C kompatibel, vom Drucker über externe Laufwerke bis hin zu Kameras. Zudem kann man Geräte mit USB-C deutlich schneller aufladen. Das Macbook Pro 16 Zoll kann mit bis zu 96 Watt aufgetankt werden. Beim iPhone 11 Pro Max ist bei 22,5 Watt Schluss, also einem Viertel der Ladepower.

Warum wechselt der Konzern nicht also auch bei seinem wichtigsten Produkt, dem iPhone, auf USB-C?

Die größte Stärke von USB-C – es ist ein offener Standard – ist zugleich auch seine größte Schwäche. Apple zertifiziert Lightning-Kabel und kann so kontrollieren, dass die Nutzer*innen etwas kaufen, was definitiv auch funktioniert. Das ist bei USB-C nicht der Fall.

Gerade in den ersten Jahren wurde der Markt von minderwertigen Kabeln und Adaptern überschwemmt. 2016, ein Jahr nach dem USB-C salonfähig wurde, testete der Google-Ingenieur Benson Leung mehr als 40 USB-C-Kabel. Das vernichtende Urteil: Nur drei von zehn schnitten gut ab. Ein billiges Kabel eines No-Name-Herstellers zerstörte sogar das Notebook im Test, indem es den Chip beschädigte, der den Ladevorgang an der USB-Buchse reguliert.

Apple schielt auf eine radikale Lösung

Was bedeutet das also für Apples Roadmap? Einigen Experten zufolge arbeitet Apple tatsächlich an der Abschaffung der Lightning-Buchse – aber nicht, um sie durch USB-C zu ersetzen, sondern um komplett auf Stecker zu verzichten. Womöglich könnte es bereits im kommenden Jahr so weit sein, unklar ist allerdings, ob durch Corona diese Pläne verzögert wurden.

So radikal die Abkehr von einer iPhone-Buchse zunächst klingt, überraschend wäre der Schritt nicht. Zum einen liebt Apple minimalistisches Design. Außerdem ist bekannt, dass der Konzern bereits beim iPhone X darüber nachdachte, die Buchse abzuschaffen. Damals war die Technik des kabellosen Ladens (Qi Charging) jedoch noch zu langsam, und das entsprechende Ladegerät hätte den ohnehin hohen Preis des Geräts weiter nach oben getrieben.

Denn mit dem Umstieg auf ausschließlich kabelloses Laden müsste Apple noch einige technische Hürden meistern. Wie etwa sollen die Kund*innen ein Back-up erstellen oder ihr Smartphone wiederherstellen, wenn etwas schief geht und sie es nicht an einen Computer anschließen können. Bei der Apple Watch oder dem Apple TV, wo es ebenfalls keine für Normalnutzer*innen zugängliche Buchse gibt, mag es verschmerzbar sein, das Produkt im Falle eines Fehlers einzuschicken. Auch die Nutzung von externen Akkupacks, sogenannten Powerbanks, würde komplizierter werden. Unterwegs – etwa an Flughäfen oder in Zügen – bräuchte man stets eine ebene Fläche, um das Telefon zu laden. Für all diese Fälle müsste Apple sich neue Lösungen einfallen lassen.

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