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Musik: Hi-Fi auf dem Handy

Telefonieren konnten die Dinger schon immer. Dann lernten sie fotografieren. Die jüngsten von ihnen spielen jetzt sogar Musik ab.

Soll man das jetzt überhaupt noch als Handy bezeichnen? Also als ein Telefon? Oder ist das schon ein MP3-Player, mit dem man auch telefonieren kann? Das N91 von Nokia jedenfalls wird beides können: telefonieren sowieso, aber zusätzlich noch alles, was ein MP3-Player, zum Beispiel ein Mini-iPod, kann. Trotz minimaler Ausmaße speichert es mehr als 1000 Lieder digital und spielt sie über einen Kopfhörer ab. Denn das N91, das Ende des Jahres auf den Markt kommen wird, hat eine eingebaute Festplatte mit vier Gigabyte Kapazität.

Ein Handy mit Festplatte - braucht man das? Eigentlich nicht. Doch wer sich ohnehin überlegt, einen MP3-Player anzuschaffen, und auch noch regelmäßig mit dem Handy telefoniert, für den ist ein Mobiltelefon mit Kopfhörerbuchse die optimale Lösung. Insbesondere weil man statt vieler Geräte nur eins in den Taschen hat. MP3-Handys sind nicht größer als normale Mobiltelefone und sehen auch genauso aus.

Um mehr als 350 Prozent ist die Nachfrage nach MP3-Playern in den Monaten Februar und März gestiegen, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Ein Riesenmarkt, in den nun die Handyhersteller vorstoßen. Schon jetzt können acht Prozent aller Mobiltelefone MP3-Dateien abspielen. Technisch ist das ohnehin kein Problem: Weil moderne Handys sowieso nichts anderes mehr sind als kleine Hosentaschen-Computer, kann man aus ihnen früher oder später auch herausholen, was aus einem Computer herauszuholen ist.

Sind Handys also

die neuen iPods? Vieles deutet darauf hin. Die Marktforscher von "Strategy Analytics" erwarten, dass im Jahr 2008 jedes zweite Mobiltelefon MP3-Dateien speichern kann. So wie jetzt schon fast jedes Handy auch ein Fotoapparat ist, werden sie bald alle Mini-Musikboxen sein. Und weil man beides, Fotochip und MP3-Speicher, immer kleiner bauen kann, passt sogar alles zusammen in das Handygehäuse.

Kein Wunder, dass auch die Firma Apple, Hersteller des Erfolgsmodells iPod, ins Handygeschäft einsteigen will. Doch eine vor einem Jahr geschlossene Kooperation mit dem US-Handyhersteller Motorola hat bisher nichts Vorzeigbares gebracht: Die Präsentation des mit Spannung erwarteten "iPod-Handys" wurde immer wieder auf unbestimmte Zeit verschoben. Die anderen Handyhersteller ziehen derweil vorbei: Auch Samsung hat schon ein erstes Festplatten-Handy angekündigt, das Hunderte von MP3-Dateien speichern kann. "Wenn Sie mich fragen, welches tragbare Gerät künftig an erster Stelle zum Musikhören benutzt wird, würde ich ganz klar auf das Mobiltelefon tippen", sagt Microsoft-Gründer Bill Gates, dessen Konzern MP3-Software für Handys entwickelt hat.

Beflügelt durch den Kult um den iPod taugen schon jetzt immer mehr Funktelefone auch als Hosentaschen-Jukebox. Weil sie noch nicht über Festplatten verfügen, speichern sie in der Regel aber nur ein paar Dutzend MP3-Dateien. Das SDA Music von T-Mobile hat außer den üblichen Handytasten schon eine Leiste mit Start/Stopp- und Vor/Zurück-Tasten. Für das Siemens CX75 hat der Hersteller ein Lautsprecherboxen-Paar als Zubehör konstruiert, in das man das Handy so reinstecken kann, dass daraus eine Art Ghettoblaster wird. Nokia will die Mehrzahl seiner rund 40 Neuerscheinungen in diesem Jahr MP3-fähig machen. Und Sony Ericsson hat die neue Musikhandy-Reihe gleich mit dem Markennamen versehen, der seit zwei Jahrzehnten wie kein anderer für Hosentaschenmusik steht: Walkman.

Mit Musik befüttert werden die tönenden Handys im Prinzip genau wie MP3-Player: über den Computer. Leider ist das manchmal nicht ganz einfach. Weil das Abspielen von Musik bei einem Multimedia-Telefon nur eine von vielen Fähigkeiten ist, muss sich der MP3-Fan oft erst durch viele unübersichtliche Menüs klicken, bis der erste Takt aus dem Kopfhörer kommt. Mit einer speziellen Software, die MP3-Handys meist beiliegt, können normale Audio-CDs am Computer in Musikdateien umgewandelt werden. Die Übertragung auf das Telefon erfolgt je nach Modell ebenfalls mit spezieller Software oder durch das Kopieren der Musikdateien aufs Handy oder dessen Speicherkarte.

Doch es geht auch ohne PC, wenn man die Musik übers Handynetz direkt auf das Mobiltelefon herunterlädt. Darin sehen vor allem die Netzbetreiber die Zukunft, weil sie so nicht nur an der Musik, sondern auch an der Übertragung der Daten verdienen können. Branchenexperten vermuten daher auch, dass ein Grund für die Verzögerung beim Apple-Motorola-Deal der Widerstand der Netzbetreiber sei. Vodafone, T-Mobile und Co. witterten schon die ganz großen Umsätze mit Musik-Downloads, und die wollen sie selbst machen, statt Apple mit seinem Online-Music-Store das Geschäft zu überlassen. In der Tat prophezeien manche Marktforscher eine Verdreifachung des ohnehin milliardenschweren Marktes innerhalb der nächsten Jahre: Zum einen gelten Handykunden als zahlungsfreudig, zum anderen verfügen die Netzbetreiber mit der Telefonrechnung über ein funktionierendes Abrechnungssystem.

Schon seit gut einem Jahr experimentieren die in Deutschland mit eigenen Musikshops. Doch bislang war der Hit-Kauf teuer und umständlich (siehe Kasten rechts). Dass sich zumindest Letzteres jetzt ändert, liegt an UMTS. Erst mit dem neuen Handy-Funkstandard ist es möglich, die Musikdaten so schnell durch die Luft zu transportieren, dass sie nach überschaubarer Zeit ankommen - mit dem Effekt, dass man das Lied schon anhören kann, noch während man es herunterlädt.

Ulf Schönert / print
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.