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Motorola Moto 360 im Test Warum ich mir keine Smartwatch zu Weihnachten wünsche


Sie sind der Kracher unterm Baum, doch ich verstehe den Hype um Smartwatches nicht. Wer jetzt schon zugreift, bekommt für viel Geld nur mäßige Leistung. Da ist noch Luft nach oben.

Schick sieht sie aus, die Moto 360. Das Lederarmband ist weich, das Gehäuse edel. Kommen viele Smartwatches mit Plastik daher und wirken so technisch, fühlt sich die Moto wirklich gut am Handgelenk an. Denn Motorola hat bei der aktuellen Version mitgedacht: Ein Konfigurator ermöglicht es dem Kunden, genau die Smartwatch zusammenzustellen, die er haben will. Ich entscheide mich für die schlankere 42mm-Durchmesser-Variante (Es gibt auch noch 46 mm) mit rosé-farbenem Gehäuse und einem hellbraunen Lederarmband. Aber bei diesen Uhren geht es ja nicht um gutes Aussehen. Auf die inneren Werte kommt es an. Doch was erwarte ich eigentlich von so einer Uhr?

Wohin mit dem Smartphone?

Ohne Smartphone geht nichts mehr, ständig schleppe ich das Ding mit mir rum. Es ruht auf dem Tisch vor mir, steckt in meiner Hosentasche oder schlummert in den Tiefen der Handtasche zwischen Lippenstiften, eingerollten Zeitungen und Haargummis. Spätestens, wenn ich ein Kleid trage, wird es kompliziert: keine Taschen. Wohin mit dem Ding? Hier kommt meine Smartwatch-Hoffnung ins Spiel: Alles lesen und beantworten können, aber die Hände frei haben - wie praktisch.

Gelungener Start mit der Moto 360

Und tatsächlich, der Start mit der Uhr ist gelungen: Ich verbinde sie via Bluetooth mit meinem Handy (Ein Android-Gerät, allerdings nicht von Motorola), mühelos erkennt die schlaue Uhr die auf dem Smartphone installierten Apps. In der Bahn wische ich mich durch die Spotify-Playlist, lese Whatsapp-Nachrichten und navigiere mich durch das Menü. Die Uhr kann noch mehr: Sie zählt meine Schritte, misst den Puls, ich finde via Google Maps meine Reiseziele. In lahmen Sitzungen kann ich diskret Nachrichten lesen. Eine kleine Vibration informiert über neue Nachrichten oder auch darüber, wann ich die 10.000 Schritte, die jeder von uns am Tag gehen sollte, erreicht habe.

Kabelloses Aufladen

Der 300 mAh-Akku reicht bei normaler Nutzung einen Tag, abends landet die Uhr auf einer kabellosen Station. Also gibt es kein lästiges Gefummel mit USB-Kabeln. Gesteuert wird die Uhr durch Touch-Eingabe oder Sprachsteuerung. Bei beidem gibt es manchmal Aussetzer, sie bleiben aber die Ausnahme. Praktisch ist auch der 4 GB große Speicher, auf dem ich beispielsweise Musik packen kann. Dann nur noch die Bluetooth-Kopfhörer aufsetzen und schon kann ich ohne Handy zum Sport. Wasser- und staubdicht ist das Display zum Glück auch, ganz praktisch beim Händewaschen. Und es passt sich an das Umgebungslicht an.

Smartphone bleibt unerlässlich

Obwohl ich offensichtlich keine Schwierigkeiten mit der Uhr habe, stoße ich schnell auf das erstes Problem: Auf mein Smartphone kann ich nicht verzichten, denn die Uhr braucht die Verbindung via Bluetooth (oder Wlan), um zu funktionieren. Im Alltag bedeutet das, dass ich weiterhin mit meinem Handy in der Nähe rumlaufen muss, wenn ich Nachrichten erhalten möchte. Und da sind wir auch beim zweiten Problem: Wirklich ersetzen kann die Uhr mein Kommunikationsbedürfnis nicht. Klar, ich empfange alle Messages, aber Nachrichten beantworten kann ich nicht. Meine große Hoffnung, dass ich künftig auf das Smartphone verzichten und vieles über die Uhr abwickeln kann, wurde enttäuscht.

Das reicht mir nicht

Glaubt man den Experten, hat die Moto 360 der zweiten Generation schon einiges mehr zu bieten als der Vorgänger: Die Software Android Wear wurde aufgerüstet, die Performance der Uhr hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Sieht man davon ab, dass sowohl der Touchscreen als auch die Sprachnavigation gelegentlich bocken, bietet die Uhr das aktuelle Maximum an Leistungsfähigkeit. Und das ist mein größtes Problem: Das reicht mir nicht. 

Man merkt zu sehr, dass sich diese Geräte und die dazu gehörige Software noch im Entwicklungsstadium befinden. Wer heute eine solche Uhr, die es ab 299 Euro gibt, kauft, muss wissen: Da ist noch viel Luft nach oben. Und fast nostalgisch wird man erinnert an eine Zeit (die noch gar nicht lange her ist), in der man für USB-Sticks mit 512 MB Speicherplatz echt Geld ausgeben musste. Technische Entwicklung ist zwar rasant schnell geworden, aber die Smartwatches stehen noch ganz am Anfang. Ich werde noch ein paar Generationen abwarten, bis eine solche Uhr auf meinem Wunschzettel landet.

PS.: Die Uhrzeit habe ich nicht ein einziges Mal auf der Uhr abgelesen. Offenbar habe ich verlernt, den Ärmel nach oben zu schieben und auf das Handgelenk zu schauen, um zu wissen, wie spät es ist.


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