"Maker Faire"-Messe Basteleien für Millionen


Heimwerken liegt wieder im Trend - in Kombination mit Technik und Internet erschließen sich Tüftlern ganz neue Welten, wie die kalifornische "Maker Faire"-Messe zeigt. Die Bandbreite der teilweise kuriosen Entwicklungen reicht dabei von Leuchtreifen über 3D-Kameras bis zu riesigen Mausefallen.
Von Karsten Lemm

Schon als kleiner Junge beschäftigte Mark Perez sich gern mit Mausefallen - nicht von der Sorte, die vierbeinige Nager fangen, sondern mit dem Kinderspiel, bei dem eine Kugel über einen Parcours mit Hinternissen läuft und eine Kettenreaktion auslöst. Heute, als scheinbar erwachsener Mann, verbringt der Bauunternehmer aus San Francisco immer noch viel Zeit mit dem Spiel - er hat es überlebensgroß nachkonstruiert: Die Kugel rollt durch Rohre und über Treppen, vorbei an einer Badewanne auf Stelzen, wird umhergeschleudert und aufgefangen und löst schließlich beim großen Finale einen Zwei-Tonnen-Safe vom Haken, der an einem Kran hängt und bei seiner Landung krachend ein Opfer zerquetscht - etwa eine Torte aus Sperrholz.

Mit seiner "Life Size Mousetrap" ist Perez einer der Stars der "Maker Faire" geworden, einer Messe für Bastler, Tüftler und Heimwerker, die am Wochenende zum dritten Mal im kalifornischen San Mateo stattfand, dem Herzen des Silicon Valley. Wie im vorigen Jahr wurden über 40.000 Besucher erwartet, denen sich Hunderte von Projekten boten: von Batik über Kampfroboter bis zu Plüschhamstern unter Glas. Veranstaltet wird die Messe von dem umtriebigen Medienunternehmer Tim O'Reilly ("Web 2.0"), der in der Kombination aus Technik und "Do it yourself" einen neuen Trend wittert. "Wenn wir irgendwo besonders viel Begeisterung entdecken, schauen wir genauer hin und fragen: Was ist da los?", erzählte er unlängst stern.de <http://www.stern.de/computer-technik/computer/612430.html>.

Sonderschichten fürs Aussehen

Mehr Begeisterung als bei Mark Perez lässt sich schwer denken. Seit 13 Jahren bastelt der Kalifornier an seiner Mausefalle herum, unterstützt von einem Team aus derzeit etwa zehn Helfern. Damit sich die Anlage, die beim "Burning Man"-Festival unter sandigem Wüstenwind gelitten hatte, wieder von der besten Seite zeigen konnte, legten die Bastler Sonderschichten ein - sägten, feilten, schweißten, pinselten, oft bis spät in die Nacht. "Man kommt von der Arbeit nach Hause und hängt sich dann noch mal acht Stunden rein", erzählt Perez. Die Frage nach dem Warum erübrige sich, erklärt sein Mitstreiter Paul Dingeldein. "Haben Sie die Begeisterung der Leute gesehen, besonders der Kinder?", fragt er. "Das kann süchtig machen."

Auch Lindsay Lawlors "elektrische Giraffe" kommt beim Publikum gut an: Wohin das 2,40 Meter hohe, ferngesteuerte Metalltier auch stakst, Neugierige strömen herbei, um ihm über den Kopf zu streicheln. "Oh, das gefällt mir", sagt die Giraffe immer wieder, während Techno-Musik aus ihren Lautsprechern dröhnt, und: "Hallo, ich heiße Russell." Den Namen verdankt das Tier seinem zweiten Vater, dem britischen Programmierer Russell Pinnington, der via Internet von Lawlors Projekt erfuhr. Während Lawlor sich in San Diego um die Hardware kümmert, übernimmt Pinnington in Northamptonshire die Software. "Lindsay schickt mir die Platinen, und ich schreibe die Programme", erklärt der Computerspezialist, der ganz in Schwarz gekleidet, in T-Shirt und Lederkluft, seine aus allen LEDs blinkenden Giraffe bei ihrem Gang über das Messegelände begleitet.

Zum Dank für ein Jahr Arbeit und über 20.000 Zeilen Programmcode gab Lawlor der Giraffe den Namen seines neuen Kompagnons. "Das kann etwas verwirrend sein", sagt Pinnington mit schiefem Grisen. "Die Leute rufen 'Russell!" Und ich denke, sie meinen mich." Doch an diesen beiden Tagen steht die Technik im Vordergrund - ob groß oder klein, einzigartig oder in Serie gefertigt. Und mancher, der bei der ersten Maker Faire noch Prototypen präsentierte, hofft heute, zwei Jahre später, sein Hobby zum Beruf zu machen. "Leute erzählten uns immer wieder, wie toll sie unsere Fahrradlichter finden, und wollten wissen, wo sie sie kaufen können", sagt Dan Goldwater, der nun mit Freunden die Firma Monkeylectric gegründet hat, um die Erfindung zu vermarkten. Der Gedanke dabei: "Wir versuchen Fahrradfahren nicht nur sicher zu machen, es soll auch cool aussehen."

Ein Mikroprozessor sorgt dafür, dass die Lichter, die zwischen die Speichen geklemmt werden, bunte Muster erzeugen. "Sie können kontrollieren, wie die Muster aussehen sollen", erklärt Goldwater, "aber ein Zufallsgenerator passt auf, dass es abwechslungsreich bleibt." 60 Dollar kosten die Lichter, und die Nachfrage sei so groß, erzählt der Jungunternehmer, dass kurz vor Ende der Maker Faire bereits die gesamte Anfangsproduktion ausverkauft ist.

Für Mark Perez dagegen wird seine Bastelei immer ein Hobby bleiben - und ein teures noch dazu. Allein der Transport seiner gigantischen Mausefalle kostet ein kleines Vermögen, weil er dazu einen LKW samt Fahrer mieten muss. Auf- und Abbau der über 22 Tonnen schweren Anlage verschlingen fünf Tage, und das Aufmöbeln der Mausefalle für die Maker Faire ist ebenfalls ins Geld gegangen. "Mindestens 1500 Dollar für Farbe und noch mal 2000 für andere Materialien", rechnet Perez vor, grinst und setzt hinzu: "Und es sind ja nicht nur die Materialkosten - Bier und Essen müssen auch bezahlt werden." Aber der Applaus der Zuschauer, die Begeisterung der Besucher entschädigt für alles. Wenn es nach Perez ginge, wäre er ständig mit seiner Rummelplatzattraktion auf Achse. "Es sollte überall eine Maker Faire geben", sagt er, "in jeder Stadt Amerikas."


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