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"Unsichtbarer" Panzer: Tricksen, täuschen, tarnen

Tarnung im Kampf ist alles: Der britische Rüstungskonzern BAE Systems macht mit einer neuen Technik einen Panzer unsichtbar – oder tarnt sich als Auto. Aber nur nachts und wenn er stillsteht.

Von Gerhard Hegmann

Tarnnetze oder farbige Anstriche von Panzern und Lastwagen gehören zum Standardschutz der Militärs, um nicht entdeckt zu werden. Doch mancher Anstrich wird auffällig, wenn ein Fahrzeug sich bewegt und der Hintergrund sich ändert. Der größte europäische Rüstungskonzern BAE Systems hat zusammen mit schwedischen Ingenieuren eine Technologie entwickelt, die angeblich zumindest in der Nacht eine perfekte Tarnung und Täuschung liefern soll.

Dazu werden auf dem Panzer kleine, elektronisch regelbare, sechseckige Kacheln angebracht. Diese können die Temperatur der Umgebung annehmen. Der Effekt: Das Fahrzeug ist für Infrarot-Zielgeräte von der Umgebung nicht zu unterscheiden und damit unsichtbar. Der Panzer taucht praktisch in seiner Umgebung unter. Infrarot-Zielgeräte werten Wärme aus. Ein Objekt wird als solches erkannt, wenn es eine andere Temperatur als seine Umgebung hat.

Umrisse vortäuschen

Doch die neuartige Ausrüstung des Panzers kann nach Herstellerangaben noch mehr: Möglich sei auch, auf der Oberfläche des Fahrzeugs Umrisse vorzutäuschen - beispielsweise eines Zivilautos oder eines Waldes, vor dem der Panzer steht. BAE Systems will nach eigenen Angaben die patentierte Technik des Adaptiv-Systems noch in diesem Monat auf einer britischen Fachmesse demonstrieren.

Elektronisch veränderbare Oberflächen markieren eine neue Epoche in der Tarnungstechnologie. Bekannt sind ähnliche Techniken aus dem Militärflugzeug- oder dem Schiffsbau: Zur Ablenkung von Radarstrahlen sind einige Kampfflieger und Schiffe mit besonderen eckigen Oberflächen oder Spezialbeschichtungen ausgerüstet.

Trend in der Militärtechnik

Neu sind nun also Oberflächen, deren Temperatur sich so regulieren lässt, dass sie für die Infrarotaufklärung unsichtbar sind. Auch die israelische Firma Eltics forscht seit Längerem an großen Platten mit Temperaturregulierung, die an Panzer montiert werden. Wissenschaftler experimentieren darüber hinaus angeblich auch an Bildschirmfolien für Militärfahrzeuge oder Flugzeugen, auf denen sich die Umgebung optisch darstellen lässt. Solche Fahrzeuge wären auch bei Tag unsichtbar.

Aber es geht auch ohne Elektronik: Die deutsche Firma Blücher Systems hat unter dem Markennamen Ghost einen Schutzanzug aus High-Tech-Material für Soldaten entwickelt, der sie gegen die Entdeckung durch Infrarot-Aufklärung schützen soll.

Der britische Konzern BAE Systems verwendet bei seiner Adaptiv-Technologie handtellergroße, sechseckige Kacheln, die nebeneinander auf der Außenfläche des Panzers angebracht werden. Schätzungsweise 1000 Kacheln werden für einen Panzer benötigt. Jede Kachel ist elektronisch vernetzt und kann ihre Temperatur sehr schnell ändern.

Über Kameras wird der Hintergrund des Fahrzeugs als Infrarot-Bild aufgenommen und künstlich auf die Kacheln übertragen. Damit verschwindet praktisch der Panzer in der Umgebung. Die Technologie sei zusammen mit einem schwedischen Militärinstitut entwickelt worden, heißt es bei dem Konzern. In den nächsten Jahren soll sie weiterentwickelt werden. Die Technik könnte auch für Schiffe, Hubschrauber oder Gebäude genutzt werden.

Die K-Frage

In Branchenforen wird die Praxistauglichkeit des Systems heftig diskutiert und zum Teil angezweifelt. So wird darüber spekuliert, ob sich statt den Umrissen eines Panzers auch das Infrarotbild einer Kuh darstellen lässt. Unglaubwürdig werde es, wenn die Kuh dann mit 60 Stundenkilometer davonläuft und heiße Auspuffgase ausströmt, gibt ein Kritiker zu bedenken.

FTD
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