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Ende der Atomkraft: Die Exoten unter den alternativen Energien

Erneuerbare Energien sind ein Schwerpunkt der Hannover Messe. Von dem deutschen Kernkraftmoratorium werden verstärkt auch exotisch anmutende Technologien profitieren - und sogar auf den Durchbruch hoffen.

Von Kathrin Werner und Michelle Röttger

Alternativen zu Kernkraft und Öl zählen zu den gefragtesten Technologien, die die Hannover Messe in diesem Jahr zu bieten hat. Bei der Ausstellung finden sich nicht nur die etablierten und staatlich üppig geförderten Techniken Solar- und Windenergie. Anbieter von Kleinwindanlagen und anderen alternativen Energieerzeugungstechniken hoffen auf den großen Durchbruch - und neuen Schwung durch steigende Energiepreise wegen der Krisen in Japan und Libyen.

Kleinwindanlagen

Bisher spielen Miniwindräder für das Hausdach, Boote, Wohnwagen oder für den Garten kaum eine Rolle. Doch die Nachfrage in Deutschland und auch weltweit steige, heißt es bei Southwest Windpower, einem der weltweit größten Anbieter von kleinen Windanlagen von 400 bis 3000 Watt, der auf der Messe ausstellt. Die Geräte seien eine Alternative oder Ergänzung zu Fotovoltaikmodulen. An windreichen, schattigen Standorten produzieren Miniwindmühlen mehr Strom als Solaranlagen. Sie kosten zwischen 3000 und 5000 Euro pro Kilowatt Leistung, also in etwa genauso viel wie die Fotovoltaik. Vor allem sinnvoll sind die Windräder, wenn der Strom nicht ins Netz eingespeist, sondern selbst verbraucht wird, etwa wenn kein Stromanschluss vorhanden ist. In guten Lagen rechnet sich die Investition nach rund zehn Jahren. Im Moment erhalten Windmüller für den eingespeisten Strom nur knapp 9 Cent je Kilowattstunde- genauso viel wie Riesenwindparks. Außerdem gibt es rechtliche Hindernisse, vor allem bei Baugenehmigungen. Die Hersteller rechnen dennoch mit einem Boom. Allein in Großbritannien würden bis 2020 1,2 Millionen Anlagen in Betrieb gehen. Weil die Massenproduktion beginnt, erwartet der Bundesverband Kleinwindanlagen stark fallende Preise.

Wärme aus dem Fluss

Ein bislang kaum genutztes Prinzip zur Energiegewinnung ist die Nutzung von Umweltwärme aus Gewässern. Einer der wenigen Einsatzorte ist eine kleine Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Dort heizt die Lauter - ein im Jahresmittel zehn Grad warmer Fluss - die wichtigsten Gebäude. Eine Hochtemperaturwärmepumpe des #link;http://www.thermea.de/;Freitaler Unternehmens Thermea; macht die Heizkraft des Flusses nutzbar. Mit einer Pumpe wird dem Flusswasser Wärme entzogen und ins Heizsystem der Gebäude eingespeist. Nur im tiefsten Winter ist der Fluss zu kalt, und ein Teil der Wärmeenergie muss über einen Brennwertkessel zugeführt werden. Im Schnitt hilft der Fluss, drei Viertel der elektrischen Energie, die normalerweise benötigt würde, zu sparen. Die Technik funktioniert ähnlich wie die vergleichsweise etablierten Wärmepumpen, die der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme entziehen.

Gezeitenkraftwerke

Großkonzerne wie Siemens und etliche Startups tüfteln an Kraftwerken, die Energie aus dem ständigen Wechsel von Ebbe und Flut schöpfen und funktionieren wie eine Art Windrad unter Wasser. Marktreif ist die Technik noch nicht, sie kostet deutlich mehr als Offshore-Windkraft, trotzdem entstehen gerade erste Projekte, vor allem vor Schottland. Experten erwarten, dass die Preise fallen werden. "Ich sehe das Potenzial der Technik weltweit bei mindestens 200 Gigawatt, was der Leistung von 200 konventionellen Großkraftwerken entspricht", sagt René Umlauft, Chef der Siemens-Sparte für erneuerbare Energien.

Strom aus Abdampf

In vielen Branchen, wie etwa der chemischen und pharmazeutischen Industrie, entsteht während der Produktion Dampf. Dieser enthält häufig noch viel Energie in Form von Wärme, die ungenutzt verpufft. Auf der Hannover Messe präsentieren verschiedene Hersteller Energiemodule zur Gewinnung von Strom aus Abdampf. Die Betreiber der Anlagen können den erzeugten Strom entweder selbst nutzen oder ins öffentliche Netz einspeisen. Die Kosten für den Einbau der Module rechnen sich schnell: Einspeisevergütungen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes belohnen das Dampfrecycling.

Mikrogasturbine

Nicht Mini-, sondern noch eine Größenordnung kleiner: Die Mikrogasturbine ist eine besonders kleine Gasturbine und wurde für den Einsatz in der dezentralen Energieversorgung im kleinen Leistungsbereich entwickelt. Sie arbeitet mit einem breiten Spektrum an Kraftstoffen wie Erd- und Biogas, aber auch flüssigen Brennstoffen. Manche Modelle sind reinste Allesfresser, die sogar feste Stoffe problemlos verbrennen. Verbraucher können so in ihrem Wohngebiet etwa aus Gartenabfällen Strom produzieren. Wichtig ist allerdings, dass die Temperatur so eingestellt wird, dass sich möglichst wenig schädliche Gase entwickeln.

Gefunden in der Onlineausgabe der #link;http:www.ftd.de;"Financial Times Deutschland"#.

FTD