Filmindustrie HDTV kommt mit eingebautem Kopierschutz


Hollywood hat Angst vor hoch auflösendem Fernsehen: Wenn Filme erst einmal in Spitzenqualität digital ausgestrahlt werden, hätten Raubkopierer eine tolle Zeit. Ein in HDTV integrierter Kopierschutz soll's richten.

Die Filmindustrie rüstet sich für das anbrechende Zeitalter des hochauflösenden Fernsehens mit einem strengen Kopierschutz. Erst einmal digitalisiert, passt schon jetzt jeder Blockbuster durch schnelle Internet-Leitungen und auf jede DVD. Und es könnte für die Filmbranche noch schlimmer kommen, wenn mit dem neuen Fernsehsignal HDTV Filme in höchster Qualität millionenfach kopiert werden könnten. Deshalb soll HDTV nach dem Willen der Hollywood-Studios nicht nur gestochen scharfe Bilder liefern, sondern mit einem integrierten Schutzsystem auch der "Kopierfreiheit" der Verbraucher ein Ende setzen.

HDCP (High Bandwidth Digital Content Protection) nennt sich das Verfahren, das dafür sorgen soll, dass die Bilder ausschließlich an einen Bildschirm ausgegeben werden und zum Beispiel auch die Aufzeichnung auf einem DVD-Recorder verhindert werden kann.

Filmindustrie in Angst

Es ist die vollständige Digitalisierung von der Filmaufzeichnung bis hin zur Ausstrahlung im Kino oder Wohnzimmer des Fernsehzuschauers, die die Filmindustrie vor ein riesiges Problem stellt. "Damit wäre das Klonen eines Films ohne jeglichen Qualitätsverlust möglich", sagt Michael Jachan, Sprecher des Fernsehsenders Premiere.

"Uns wäre es ersteinmal grundsätzlich egal, ob es einen Kopierschutz gibt oder nicht", sagt Jachan. "Wir sind aber auf Inhalte angewiesen, und die Hollywood-Studios wollen ihren Content nur liefern, wenn der Kopierschutz gesichert ist." Der Sender will im November als Erster in Deutschland drei Fernsehkanäle in HD- Qualität starten - mit Filmen, Dokumentationen und Sportereignissen wie der Fußball-WM 2006.

Der Kopierschutz HDCP ließe sich zwar auch so konfigurieren, dass zum Beispiel die Ausgabequalität künstlich heruntergerechnet würde. So könnte ein Film in niedrigerer Auflösung zur Speicherung freigegeben werden, sagt Klingler. "Was mit den Inhalten passiert, hängt aber davon ab, was die Content-Lieferanten daraus machen", betont Georg Wilde von Philips.

Was passiert mit alten Geräten

"Für den Verbraucher ist das eine Katastrophe", meint Nico Jurran, Redakteur der Fachzeitschrift "c't" aus dem Heise-Verlag. Hinzu komme, dass Flachbildschirme, die gerade einmal zwei oder drei Jahre alt sind, nicht über den geforderten Kopierschutz-Decoder verfügen. Fazit: Ältere Flachbild-Fernseher werden das neue Fernseh- Signal nicht einmal empfangen können. Wer bereits frühzeitig sein altes Gerät durch einen Beamer oder Plasma-TV ersetzt hat, könnte künftig "in die Röhre" schauen.

Dabei hätte man mit einem anderen Standard solchen Problemen aus dem Weg gehen können, meint Jurran. "Mit einem digitalen Firewire- Ausgang würde alles untereinander funktionieren." Vor allem könne die Industrie damit sogar festlegen, dass der Zuschauer einen Film zum Beispiel nur ein oder zwei Mal kopieren kann. Firewire, eine Erfindung des Computerherstellers Apple, ist bei Personal Computern auch unter der Abkürzung IEEE 1394 bekannt. Die Schnittstelle wird in der Computer-Industrie für die schnelle Übertragung von Multimedia-Daten genutzt.

Niemand soll "eine Kopierstraße anwerfen" können

Die Elektronikindustrie verfolge aber weiterhin die Philosophie, dass das Recht des Verbrauchers auf eine Privatkopie erhalten bleibt, betont Panasonic-Sprecher Peter Weber. "Es soll aber verhindert werden, dass damit jemand gleich seine Kopierstraße anwirft." Bis das hochauflösende Fernsehen einen Massenmarkt bedienen wird, werden ohnehin noch einige Jahre ins Land gehen, sind sich viele in der Branche sicher. "Gehen wir mal von 2010 oder sogar noch später aus", sagt Jachan. Bis Mitte 2008 rechnet Premiere mit 500.000 HD-Abonnenten.

Bislang sei bei künftigen Recordern der DVD-Nachfolgegeneration HD-DVD oder Blu-ray mit deutlich erhöhter Kapazität eine Aufnahme des hochaufgelösten Fernsehsignals bislang nicht vorgesehen, sagt Wolfgang Klingler von Panasonic Deutschland. Die Industrie bereite sich jedoch vor, Aufzeichnungsmöglichkeiten über entsprechende Schnittstellen prinzipiell zu ermöglichen, sagt Rainer Hecker, Vorstandsvorsitzender des Fernsehspezialisten Loewe. Was künftig aufgezeichnet werden könne, sei dann aber abhängig von den Filmstudios und Fernsehsendern. Bei Premiere sei in Zukunft die Speicherung von Filmen auf Receiver-interne Festplatten denkbar, sagt zum Beispiel Sprecher Jachan.

Renate Grimming/DPA DPA

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