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Lilium Flugtaxi: Münchner Start-up bringt vollelektrisches Flugtaxi in die Luft

Beim Thema Flugtaxi ist Deutschland ganz weit vorn. Ein Prototyp des Flugtaxis von Lilium ist nun erstmals abgehoben. Rein elektrisch und fast lautlos soll es fünf Personen 300 Kilometer weit transportieren können.

Der Lilium-Jet hat ein einzigartiges Design und unterscheidet sich von allen anderen Fluggeräten.

Der Lilium-Jet hat ein einzigartiges Design und unterscheidet sich von allen anderen Fluggeräten.

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Das Flugtaxi kommt – auch wenn manche noch spotten. Erstaunlich ist aber, dass ausgerechnet ein Münchner Start-up in der Zukunftsbranche ganz vorn mitmischt. Schließlich wird der Markt kommerzieller Drohnen von China dominiert.

Dass das Start-up Lilium mehr kann, als schöne Computersimulationen zu präsentieren, hatte es bereits mit dem Erstflug eines Demonstrators bewiesen. So ein Gerät beweist aber nur, dass das Konzept im Prinzip machbar ist. Nun ist erstmals ein seriennaher Prototyp des geplanten Lufttaxis abgehoben.

Einzigartiges Design

Und der hat es in sich: Das Flugtaxi von Lilium ist weit mehr, als nur eine zu groß gerate Drohne mit vier Rotoren, die Firma selbst spricht von einem Jet.

Das Fluggerät hat Flügel wie ein Flugzeug, das bedeutet, es wird nicht allein von den Rotoren in der Luft gehalten. Einfach gesagt, sind die Elektro-Motoren nur für den Vortrieb nötig, in der Höhe wird das Gerät vom Auftrieb der Flügel gehalten.

Darum reichen die Akkus des Modells auch für sagenhafte 300 Kilometer Reichweite. Das Taxi kann so Regionen verbinden und ist nicht allein für den Nahbereich geeignet. Die Flughöhe beträgt bis zu 3000 Metern.

Der Lilium-Jet unterscheidet sich trotzdem in vielerlei Hinsicht von bekannten Flugzeugen. Er wird von 36 vollelektrischen Jetmotoren angetrieben und kann mit ihnen sogar senkrecht starten und landen. Er benötigt nur einen etwas größeren Parkplatz und keine Start- beziehungsweise Landebahn.

Das Flugtaxi soll relativ günstig im Bau und Unterhalt sein, da der Flugbetrieb kaum bewegliche Teile benötigt. Das minimalistische Design kommt ohne Heck, Seitenruder, Propeller, Getriebe und mit nur einem beweglichen Teil im Motor aus.

Die Aufnahme des Flugbetriebes ist im Jahr 2025 geplant, gut möglich, dass sich die Reichweite durch bessere Akkuleistung bis dahin noch erhöht.Grundsätzlich ist ein autonom fliegendes Taxi das Ziel, zu Beginn wird allerdings ein Pilot mit an Bord sein. 

Bei den Testflügen wird der Prototyp ferngesteuert, im Betrieb soll er zunächst von Piloten geflogen werden. "Das vereinfacht die Lizenzen und Zulassungen", sagte Firmengründer Daniel Wiegand. "In zehn Jahren vielleicht soll es aber auch autonom fliegen können." Von Audi sei der ehemalige Leiter des autonomen Fahrens zu Lilium gewechselt. Das Unternehmen will alle Maschinen selbst betreiben. "Dass wir das Flugzeug an reiche Privatleute oder Firmen verkaufen, schließe ich aus", sagte Wiegand. Ziel sei, dass viele Bürger Flüge "für Preise wie mit einem Taxi" buchen. Der chinesische IT-Konzern Tencent und andere Investoren haben Lilium bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. 

Lautlos und ohne Emissionen

Gedacht ist etwa an Basis-Stationen in der Nähe großer Bahnhöfe, um von dort die Reisenden an ihr Ziel zu bringen. Anders als Flugzeuge und vor allem Helikopter soll das Lilium-Taxi im Reiseflug fast lautlos sein, und auch bei Start und Landung nicht mehr Lärm als ein vorbeifahrenden LKW machen. Durch den E-Antrieb stößt es auch keine Emissionen aus.

Der Betrieb von Hubschraubern für den Privatgebrauch ist in den meisten Ländern wegen des enormen Krachs der Geräte streng limitiert