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Neuer Granatwerfer XM-25: Viel Geld, wenig Wumms - Heckler & Kochs Wunderwaffe vor dem Aus

Genial - aber viel zu teuer. So lautet das Verdikt des Generalinspekteurs des US-Verteidigungsministeriums über den Granatwerfer XM-25. Trotz positiver Tests in Afghanistan droht dem "Punisher" von Heckler & Koch das Aus.

Granatwerfer von Heckler & Koch:

Granatwerfer von Heckler & Koch: Der XM-25 ist eben noch tragbar, bindet aber einen Mann in der Gruppe.

In Deutschland muss Heckler & Koch vor Gericht gegen eine ministerielle Kampagne gegen das bei der Truppe beliebte Sturmgewehr G36 kämpfen, in den USA drohen die Kosten ein Zukunftsprojekt der Rüstungsschmiede zunichte zu machen. Für die US-Truppen wurde von Heckler & Koch gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Alliant Techsystems (ATK) ein wahrhaft revolutionärer Granatwerfer XM-25 entwickelt. Der markige Spitzname der Waffe lautet Punisher - der Bestrafer.

Der XM-25 sieht aus wie eine Mischung aus Panzerbekämpfungswaffe und Gewehr und verschießt Granaten im Kaliber 25 Millimeter. Das wäre noch nichts Besonderes, viele Sturmgewehre werden mit einem zusätzlich montierten Granatwerfer angeboten. Dazu gibt es seit langer Zeit tragbare Werfer, die ganze Granatenmagazine verschießen.

Technisch geniale Idee

Das Besondere an dem XM-25 ist die intelligente Munition. Mittels eines Entfernungsmessers und eines Computers kann die Munition an einem exakt definierten Punkt der Flugbahn zur Detonation gebracht werden. So könnten die Splitter auch Soldaten treffen, die hinter einer Mauer Schutz gesucht haben. Genau genommen handelt es sich auch um keinen Granatwerfer, sondern um eine Airburst Assault Weapon - eine Angriffswaffe, die in der Luft explodiert. Technisch hat das System die punktgenaue Zündung genial gelöst, da zum Festlegen des Detonationszeitpunktes die Eigenrotation des Geschosses verwendet wird. In der Theorie sollte dieses Verfahren zu genauen, aber doch auch bezahlbaren Projektilen führen.

Ausufernde Kosten

Die Erprobung mit Prototypen in Afghanistan verlief zwar noch halbwegs positiv, aber dem Projekt liefen die Kosten davon. In einem Bericht des Generalinspekteurs des US-Verteidigungsministeriums ist die Rede davon, dass allein die Entwicklungskosten von geplanten 185 Millionen Dollar mittlerweile auf 835 Millionen Dollar gestiegen sind. Jeder einzelne Prototyp hat 686.000 Dollar gekostet. Da werden Zweifel laut, ob die Serienmodelle tatsächlich "nur" 35.000 Dollar kosten werden. Der Bericht empfiehlt, trotz der schon gezahlten Millionen, das Projekt zu beerdigen.

Nicht so wirksam wie gedacht

So revolutionär sich das System auch anhört, so macht es doch den Anschein, als würde man mit sehr viel Geld nur das erreichen, was andere Waffen schon lange können. Der wirkliche Vorteil an der XM-25 ist, dass die Waffe von einem Soldaten getragen werden kann, sie also auch Gruppen im mobilen Einsatz begleiten kann. Zumindest in der Vision.

Tatsächlich ist die Waffe so schwer, dass sie einen Infanteristen bindet. Sollen mehr als die fünf Granaten im Magazin mitgeführt werden, wäre der Mann komplett ausgelastet. Ohne eigene Hauptwaffe, müsste ihn im Falle eines Gefechtes ein Begleiter schützen. Diesen Punkt monierte ein General nach der Erprobung. 

Im stationären Einsatz kann ein einfacher Mörser oder jedes Steilfeuergeschütz schon lange Truppen hinter einer Mauer treffen. Die Tragbarkeit hat aber zu dem absurd kleinen Kaliber von 25 Millimetern geführt. Die eigentliche Wirkung der Granate fällt dementsprechend gering aus, und das bei einer eher geringen Reichweite der Waffe von nur 500 Metern. Der Schütze wäre also stets im Wirkungsbereich von Sturmgewehren mit dem alten NATO-Kaliber 7,62 x 51 Millimeter, von Maschinengewehren und Scharfschützen gar nicht zu reden. Von einem weitgehend gefahrlosen Einsatz wie bei modernen Lenkwaffen wie TOW oder Javelin kann also keine Rede sein.