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Tag der Benutzerfreundlichkeit: Wie schwierig ist es, einfach zu sein?

Zu viele Funktionen, zu schwierig zu bedienen - Nutzerumfragen fördern immer wieder harsche Kritik an den Herstellern technischer Geräte zu Tage. Am "Tag der Benutzerfreundlichkeit" soll gezeigt werden, wie's besser geht.

Die Nutzer von Geräten sind zunehmend an einfacher Bedienbarkeit interessiert und wollen dafür lieber auf eine übergroße Vielfalt an Funktionen verzichten. Das hat die Befragung eines Marktforschungsinstituts zum so genannten World Usability Day (Tag der Benutzerfreundlichkeit) ergeben. Aus diesem Anlass sind bundesweit Aktionen zum Thema Gebrauchstauglichkeit geplant.

Ob unübersichtliches Handymenü, Bedienungsanleitung in einer sonderbaren Sprache oder Telefone, die von ihrem ursprünglichen Zweck sehr weit entfernt sind - Benutzerfreundlichkeit ist für viele Hersteller häufig ein Fremdwort. Aus diesem Anlass wurde der World Usability Day ausgerufen. Die Veranstaltungen dazu in Deutschland werden von Experten aus verschiedenen Bereichen organisiert, die sich im Bundesverband der deutschen Usability-Professionals (GC-UPA) zusammengeschlossen haben.

Das in der Marktforschung tätige Spiegel Institut Mannheim befragte dazu 720 Nutzer im Alter von 18 bis 81 Jahren zur Bedienbarkeit technischer Geräte im Alltag. 44 Prozent der Teilnehmer sehen dabei einen Verbesserungsbedarf vor allem bei Geräten des Home-Entertainments wie Videorekorder, DVD-Player oder Fernseher. Ein Drittel sprach sich für eine einfachere Bedienung von Telekommunikationsmitteln wie Handy und Telefon aus, gefolgt von Computern und deren Zubehör wie etwa Drucker (24 Prozent). Aber immerhin noch jeder fünfte Befragte dringt auch bei Haushaltsgeräten wie Waschmaschine, Trockner oder Mikrowelle auf eine einfachere Bedienbarkeit.

Dieses Ziel könnte nach Ansicht vieler schon mit einer Reduzierung des Umfangs an Funktionen der Geräte erreicht werden. Die Umfrageteilnehmer gaben an, im Durchschnitt nur zwei Drittel der möglichen Funktionen überhaupt zu nutzen. Bei Video- und DVD-Geräten sind es sogar nur 37 Prozent. Der meistgenannte Grund für die geringe Nutzung der Funktionen war schlichtweg fehlender Bedarf.

Freunde statt Bedienungsanleitung

Bei Schwierigkeiten mit den Geräten wird zwar in aller Regel die Bedienungsanleitung zu Rate gezogen, nicht aber, wenn es um Computer geht. Da werden laut der Studie des in Brühl ansässigen Instituts lieber Freunde und Bekannte um Hilfe gebeten. Ansonsten landet der Computer aber bei der Frage nach Verbesserungsbedarf in Handhabung und Bedienung hinter Video/DVD-Geräten und Mobiltelefon nur auf dem dritten Platz.

Die Brauchbarkeit und Benutzerfreundlichkeit von technischen Produkten steht nach Angaben des Verbandes GC-UPA auch im Mittelpunkt des World Usability Days. "Ein Telefon hat sich doch mittlerweile zu einer Multifunktionsmaschine entwickelt", sagte Vizepräsidentin Vera Brannen, der Nachrichtenagentur AP.

Dagegen ließen etwa Handbücher in der Regel zu wünschen übrig. "Das liegt an der Strukturierung der Inhalte, an der Form von Texten oder einfach an einer grottenschlechten Übersetzung." Die in ihrem Verband organisierten Experten für Design, Psychologie und auch von Herstellerseite setzen sich dafür ein, dass die Benutzerfreundlichkeit der Produkte trotz immer kürzer werdender Produktionszyklen und gleichzeitig steigendem Konkurrenzdruck nicht leidet. Schließlich sei für immer mehr Konsumenten gerade die Bedienbarkeit ein Kriterium bei der Kaufentscheidung. "Viele Hersteller haben in der Vergangenheit daran gearbeitet", sagte Brannen, aber noch lange nicht alle.

AP / AP
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