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Fire-Tablet: Nur 59,99 Euro: Lohnt sich Amazons Billig-Tablet?

Wie billig kann ein Tablet sein? Amazons neues Fire Tablet kostet gerade einmal 60 Euro. Doch wie gut ist ein Gerät zu diesem Schnäppchenpreis? Und lohnt sich der Kauf? Wir haben es getestet.

Amazon Fire Tablet

Das Fire Tablet von Amazon ist ein echtes Preisbrecher

Amazon ist längst nicht mehr nur ein Online-Shop, sondern auch einer der größten Streaminganbieter. Der Dienst Prime Instant Video ist hierzulande die Nummer eins, noch vor Netflix. Damit man die Filme und Serien wirklich überall schauen kann, baut Amazon seit einiger Zeit auch eigene Hardware. Mit dem Fire TV und Fire TV Stick hat man bereits zwei ernstzunehmende Herausforderer des kommenden Apple TV am Markt.

Bei den Tablets gelang Amazon hingegen nie der Durchbruch. Nun hat der Shoppingriese eine ganze Reihe neuer Flachmänner auf den Markt gebracht. Interessant ist vor allem das Einstiegsmodell, denn das kostet gerade einmal 59,99 Euro. Doch lohnt sich der Kauf? Wir haben uns den Billigheimer genauer angeschaut.

 

Ein Tablet-Klotz

Wo beim Fire gespart wurde, bemerkt man schon an der Verpackung. Statt in einem schicken Karton steckt das Mini-Tablet in einer grellorangen Papiertüte. In der befindet sich auch nicht besonders viel: Neben dem Tablet gibt es nur ein Ladekabel samt Netzstecker. Kopfhörer, Schutzhüllen oder ähnliches Zubehör sucht man vergebens. Bei einem Preis von 59 Euro darf man das aber auch nicht erwarten.

Mit der schwarzen Kunststoffrückseite ist das Fire Tablet alles andere als ein Hingucker. Es ist 10,6 Millimeter dick und bringt stolze 313 Gramm auf die Waage. Man merkt schnell: Hier stand die Funktionalität im Vordergrund, einen Designpreis gewinnt Amazon definitiv nicht. Der Rand um das Display ist breiter, als man es von Premium-Geräten kennt. An der Verarbeitung gibt es aber sonst nichts zu meckern, das Tablet wirkt stabil.

Amazon Fire Tablet Rückseite

Schlichte Rückseite: Ein Hingucker ist das Fire Tablet nicht

Nichts für Gamer

Im Inneren werkelt ein 1,3 Gigahertz schneller Vierkernprozessor, dem ein Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Für anspruchsvolle 3D-Spiele ist das Tablet zu schwachbrüstig, für Daddel-Games wie "Monument Valley" ist das aber ausreichend. Und für den Preis von 59 Euro reicht die gebotene Leistung allemal.

Eine deutlich bessere Figur macht das Tablet als Medienmaschine, denn der firmeneigene Streamingdienst Prime Instant Video (Jahresabo: 49 Euro) ist vorinstalliert. Die meisten Filme und Serien aus dem Amazon-Katalog können offline gespeichert werden, ideal für lange Zugfahrten oder Flüge. Zwar ist der interne Speicher recht knapp bemessen (4,5 Gigabyte nutzbar). Allerdings gibt es einen microSD-Slot, mit dem man bis zu 128 Gigabyte Speicher nachrüsten kann. Damit kommen selbst Serienjunkies über die Runden.

Nun zum Wichtigsten: dem Display. Der Sieben-Zoll-Screen löst mit 1024 x 600 Pixeln auf. Nicht gerade üppig, war vor zwei Jahren aber noch Standard. Und irgendwo muss sich der niedrige Preis ja bemerkbar machen. Das Display ist sehr hell, die Farben des Bildschirms sind aber leider nicht besonders kräftig. Filme verlieren dadurch an Brillanz. Und der Screen ist ein wahrer Fingerabdruckmagnet.

Dennoch: Schlecht ist der Bildschirm nicht, erst recht nicht für den Preis. Nur Leseratten sollten lieber zu einem spezialisierten E-Reader oder einem höherwertigerem Tablet greifen, denn die leicht unscharfe Schrift strengt auf Dauer die Augen an.

Amazon FireOS 5

Das neue Amazon-Betriebssystem wirkt deutlich aufgeräumter als die Vorgänger-Versionen. Links ist das Fire HD 8, in der Mitte das Einsteigermodell, rechts das große Fire HD 10.

Kein reines Android

Erwähnenswert ist das Betriebssystem. Es handelt sich dabei um kein reines Android, sondern um eine stark modifizierte Version. Wichtig: Es gibt keinen vorinstallierten Play Store. Man kann somit nur Apps nutzen, die Amazon freigegeben hat. Dafür gibt es mit Amazon Underground einen Shopping-Marktplatz, indem viele angesagte Games und Apps verschenkt werden. Darunter befinden sich auch bekannte Anwendungen wie "Monument Valley", "Cut The Rope 2" oder "Castle of Illusion Starring Mickey Mouse".

Die Software ist sehr übersichtlich gestaltet, der Homescreen ist klar in verschiedene Kategorien (Videos, Apps, Spiele, Bücher …) gegliedert. Tablet-Neulinge werden nicht mit unnötigem Schnickschnack überfordert. Android-Profis dürften für das Amazon-System aber nicht viel übrig haben. Wer das Tablet wirklich ausreizen will, kann über Umwege den Play Store installieren (Anleitung hier). Dann kann man sämtliche Apps installieren, die auch auf Android-Smartphones laufen. Das empfiehlt sich aber nur für erfahrene Nutzer.

Werbung auf dem Sperrbildschirm

Die Kameras des Fire Tablet sind nicht der Rede wert. Die Rückkamera knipst mit 2 Megapixeln, die Frontkamera hat nur 0,2 Megapixel. Für ein Videotelefonat ist das okay - mehr kann man damit aber nicht anfangen. Ein GPS-Modul wurde beim Fire Tablet auch eingespart, es kann somit nicht als XXL-Navi genutzt werden.

Ein weiterer Hinweis für die Kaufentscheidung: Wenn man sich für das 59-Euro-Modell entscheidet, muss man mit Werbung auf dem Sperrbildschirm leben. Schaltet man das Tablet ein, bekommt man zunächst Anzeigen für aktuelle Amazon-Serien, Filme oder ähnliches zu sehen. Mit einem Wisch ist die Werbung weg, man muss sich keinen mehrsekündigen Spot ansehen. Wer ein werbefreies Gerät will, muss 74,99 Euro zahlen. Unserer Meinung nach kann man sich die 15 Euro sparen, da die Werbung nicht zu penetrant ist.

Fire Tablet Werbung

In der günstigsten Version des Fire Tablet gibt es auf dem Sperrbildschirm Werbung

Fazit

Das Fire Tablet ist ein gutes Einsteigergerät. Es ist nicht gerade schick und der Bildschirm ist nur mittelmäßig. Es lohnt sich vor allem für Abonnenten des Streamingdiensts Prime Instant Video, denn die können Serien gleich staffelweise auf dem Tablet speichern - solange man eine zusätzliche SD-Karte kauft. Aber auch Netflix läuft auf dem Fire Tablet. Die Rechenpower reicht für ein Spielchen zwischendurch. Als vollwertiger Ebook-Reader taugt das Gerät aufgrund der geringen Auflösung nichts.

Das Fire Tablet ist vermutlich das beste 59-Euro-Tablet am Markt. Fragt sich bloß: Will man so ein günstiges Tablet? Denn auch wenn der Einstiegspreis ein Knaller ist, sind Alternativmodelle, die am Markt nicht so wie vom Hersteller erhofft funktioniert haben, eine interessante Alternative. Ein Beispiel ist das Samsung Galaxy Tab 4. Das gab es kürzlich als Gratis-Zugabe beim Kauf eines Galaxy S6 und wird bei Ebay nun kistenweise verramscht. Gelegentlich bekommt man das Galaxy-Tablet in der 7-Zoll-Variante bereits für 80 Euro als Neuware. Und das hat einen besseren Bildschirm, ein GPS-Modul und ein vollwertiges Android-Betriebssystem.