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Schlaf Bose Sleepbuds II - die Anti-Schnarch-Kopfhörer im Test

Die Bose Soundbuds II spielen keine Musik ab, sondern überlagern störende Geräusche
Die Bose Soundbuds II spielen keine Musik ab, sondern überlagern störende Geräusche
© PR-Material
Die Bose Sleepbuds II sind die wohl ungewöhnlichsten Kopfhörer seit langer Zeit. Statt Musik spielen sie entspannende Geräusche ab, die für besseren Schlaf sorgen sollen.

Sie sehen aus wie Kopfhörer, sie passen in die Ohren - doch Musik können sie nicht abspielen: Die Bose Sleepbuds II gehören zu den ungewöhnlichsten Produkten, die man derzeit kaufen kann. Vereinfacht gesagt, handelt es sich bei ihnen um kabelfreie In-Ear-Kopfhörer, die "für den besten Schlaf aller Zeiten" sorgen sollen, verspricht der US-Hersteller auf seiner Webseite. Das ist eine Ansage.

Bose ist kein Unbekannter auf dem Kopfhörermarkt. Mit seinen Noise-Cancelling-Kopfhörern, die auf Knopfdruck nervige Außengeräusche ausblenden, machte sich das Unternehmen bei Pendlern und Piloten einen Namen. 2017 stellte das Unternehmen die erste Generation der Sleepbuds vor. Mit den Mini-Kopfhörern zielte Bose auf die Zielgruppe der Millionen Menschen, die allabendlich nichts dringender wollen, als endlich einzuschlafen. Um den Bedarf zu prüfen, entschied sich das Unternehmen damals sogar für einen ungewöhnlichen Schritt, indem die erste Generation per Crowdfunding mitfinanziert wurde. Am Ende wurde neunmal mehr Geld eingenommen als benötigt. Die Nachfrage war offensichtlich groß.

Mittlerweile gibt es die zweite Generation der Mini-Kopfhörer, die Bose Sleepbuds II.

Mehr Geräusche statt weniger - das soll funktionieren?

Es gibt viele Gründe für Schlaflosigkeit. Der private oder berufliche Alltagsstress kann bis in die Abendstunden nachhallen. Statt abzuschalten, drehen sich die Gedanken dann stundenlang im Kreis. Es können einen aber auch profane Dinge vom Schlafen abhalten, etwa der zu laute Fernseher in der Wohnung nebenan oder ein schnarchender Bettnachbar.

All diese Stressfaktoren will Bose mit Hightech entschärfen. Dafür wählt das Unternehmen bei diesen Kopfhörern einen anderen Ansatz: Statt die Störquelle "auszulöschen", wie es bei Active Noise Cancelling der Fall ist, wird sie durch entspannte Geräusche überlagert. Der Hersteller nennt dieses Prinzip "Noise Masking". Mehr Geräusche statt weniger, das klingt zunächst kontraproduktiv. Doch die Überlagerung mit positiv besetzten Geräuschen soll gewissermaßen das Gehirn austricksen.

Kopplung mit Smartphone-App

Um die abzuspielen, muss man die Kopfhörer zunächst mit dem Smartphone (App erhältlich für Android und iOS) koppeln, denn die Kopfhörer haben keine Tasten. In der Bose-Sleep-App steht eine Soundbibliothek mit einer Vielzahl vorinstallierter Sounds bereit, darunter "Regenschauer", "Wind", "Flugzeugrauschen" (dabei versuchen die meisten Menschen doch, gerade das auszublenden) und "Meeresrauschen", aber auch ungewöhnliche Sounds wie "Hufklappern". Um den Akku zu schonen, befinden sich die Soundkulissen auf den Kopfhörern selbst - so ist keine permanente Bluetooth-Verbindung zum Smartphone nötig. Das Übertragen neuer Sounds dauert jedoch relativ lange, man sollte also nicht erst damit anfangen, wenn einem schon die Augen zufallen.

In der App kann man die Bose Sleepbuds II an die eigenen Vorlieben anpassen. So kann man etwa festlegen, wann sich die Einschlafautomatik abschalten soll, von 30 Minuten bis zum ganzen Schlafzyklus ist alles möglich. In der App ist auch ein Wecker integriert. Wer will, kann sich also entspannt mit einem Gong wecken lassen, den man nur selbst hört. Praktisch, wenn man nicht allein im Schlafzimmer liegt.

Die Transportschale, in der die Sleepbuds aufbewahrt werden, wird per Micro-USB mit Strom versorgt und kann mit voller Ladung die Sleepbuds etwa drei Mal aufladen. Pro Nacht mit etwa sieben Stunden Schlaf verbrauchen die Buds rund die Hälfte des Akkus. Sie sollten also täglich geladen werden. 

Extrem guter Sitz

Die Kopfhörer selbst sind kaum größer als ein klassischer Oropax und extrem leicht. Sie wiegen nur ein paar Gramm und drücken auch nicht unangenehm, wenn man auf der Seite liegt. Die Einsätze unterscheiden sich in puncto Form und Material von den Ohrknubbeln, die man sonst von In-Ear-Kopfhörern kennt. Im Lieferumfang sind drei verschiedene Größen enthalten. Bei korrektem Sitz spürt man sie quasi gar nicht im Ohr.

In der ersten Generation klagten viele Nutzer über unangenehme Geräusche, welche die Sleepbuds etwa beim Berühren des Kissens erzeugten. Durch eine neue Beschichtung wurde dieses Problem gelöst. Auch die Akkulaufzeit wurde verbessert: Sechs bis sieben Stunden Laufzeit sind auf jeden Fall drin. Womöglich halten sie auch länger, doch mit zwei Kindern ist mir kein längerer Schlaf vergönnt.

Doch helfen die Sleepbuds II nun beim Einschlafen? Das kommt sehr auf die Umstände an, sprich: Wie laut sind die störenden Außengeräusche und wie empfindlich ist der eigene Schlaf? Wenn der Bettnachbar laut schnarcht, müssen die Kopfhörer sehr laut sein, um die Geräusche zu überlagern - doch dann kann man auch nicht mehr schlafen. Zu laut sollten sie nicht eingestellt sein, da man ansonsten "wichtige" Geräusche wie Babygeschrei oder den Rauchmelder überhören könnte.

Insofern sind die Sleepbuds eher bei leichten Geräuschen wie Mücken oder rumpelnden Nachbarn empfehlenswert - oder für Menschen, die bei zu viel Stille nicht einschlafen können, aber nicht den Fernseher laufen lassen wollen. Ein weiterer Einsatzzweck ist das fokussierte Arbeiten im Büro, denn nervige Nebengeräusche wie Tastaturklappern werden auch maskiert.

Glaubt man Erfahrungsberichten im Netz, haben die meisten Menschen mit Schlafproblemen dadurch tatsächlich eine Verbesserung erfahren, jedoch nicht alle. Am Ende bleibt einem nichts weiter übrig, als die Schlafkopfhörer auszuprobieren. Denn mit knapp 200 Euro sind die Sleepbuds kein Schnäppchen, und zu individuell sind die eigenen Schlafbedingungen.

Kritik

Auch wenn Bose viele Details im Vergleich zur ersten Generation verbessert hat, in einigen Bereichen ist noch Luft nach oben. So funktionieren die Sleepbuds nur mit der eigenen App. Eine Anbindung an andere Apps, die ähnliche Dienste anbieten (Asana Rebel bietet etwa ebenfalls beruhigende Soundsets) ist leider nicht möglich. Zudem ist es nicht möglich, sie tagsüber als "normale" Kopfhörer zu verwenden, um damit etwa Netflix oder Spotify wiederzugeben. Die SleepBuds II sind allein als Schlafkopfhörer zu gebrauchen.

Zudem ist die Aufladezeit sehr lang: Bis die SleepBuds II zu 100 Prozent aufgetankt sind, dauert es bis zu sechs Stunden. Man sollte sie also rechtzeitig im Case verstauen. 

Dass die Soundbuds II ohne Tasten auskommen, ist sinnvoll, schließlich kann man so ein versehentliches, nächtliches Verstellen der Lautstärke verhindern. Zugleich fehlt dadurch die Möglichkeit, die Kopfhörer nachts bequem leiser zu drehen, falls sie einem doch zu laut sind. Dann bleibt nur der Griff zum Smartphone. 

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