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Lumia 640 XL im Test: Unter 200 Euro: So gut ist Microsofts bunter Billigheimer

Bunt und billig: Mit dem Lumia 640 XL bringt Microsoft ein Riesen-Smartphone für kleine Geldbeutel nach Deutschland. Doch lohnt sich der Kauf?

Von Christoph Fröhlich

Das Lumia 640 XL: Großer Bildschirm - und viel dahinter?

Das Lumia 640 XL: Großer Bildschirm - und viel dahinter?

Große Smartphones sind in. Kein Wunder also, dass Microsoft das beliebte Lumia 630 aufgemotzt und in einer XL-Version auf den Markt gebracht hat. Das neue Lumia 640 XL hat ein deutlich größeres Display und eine verbesserte Hauptkamera spendiert bekommen. Mit knapp 190 Euro ist es zudem ein echtes Schnäppchen. Doch wie schlägt sich der Smartphone-Brocken im Alltagstest? Der stern hat ihn getestet.

Optik und Verarbeitung

Gott, ist das groß! Neben dem Lumia 640 XL wirken die meisten Fünf-Zoll-Smartphones beinahe lächerlich klein. Zum Vergleich: Es ist so hoch wie Apples iPhone 6 Plus (5,5 Zoll), das nicht gerade zu den unauffälligsten Telefonen zählt - allerdings ist das Lumia noch einmal fünf Millimeter breiter. Dafür ist das Display mit 5,7 Zoll Bildschirmdiagonale größer als beim 6 Plus. Damit richtet sich das Lumia 640 XL an preisbewusste Business-Menschen und Nutzer, die gerne Fotos und Filme auf ihrem Smartphone konsumieren. 

Optisch bleibt sich Microsoft treu: Die Formsprache aus runden Ecken und knalligen Farben erinnert klar an die Lumia-Vorgänger. Unser Testgerät leuchtet in Himmelblau, daneben gibt es noch ein Modell in Orange und seriöse Farben wie Schwarz und Weiß. Die Rückseite aus mattem Kunststoff liegt gut in der Hand, wirkt im Vergleich zur Metall-Konkurrenz aber weniger wertig. An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern: Die abnehmbare Rückseite passt millimetergenau, Spaltmaße sind nicht erkennbar. Die Rückkamera steht leicht aus dem Gehäuse hervor.

Display: Leider nur Mittelmaß

Das Herzstück des Lumia 640 XL ist das Riesen-Display. Der 5,7-Zoll-Bildschirm löst mit 1280 x 720 Pixeln (HD-ready) auf. Zum Vergleich: Das iPhone 6 Plus bietet 1920 x 1080 Pixel, das ähnlich große Galaxy Note 4 von Samsung sogar 2560 x 1440 Bildpunkte. Ein schärferer Full-HD-Screen hätte dem Lumia 640 XL definitiv gutgetan, dadurch wäre aber auch der Preis nach oben geschnellt. Ein Manko ist die geringe Helligkeit: Zwar reicht die Helligkeit für die meisten Situationen aus, im direkten Sonnenlicht kann man aber nur schwer etwas erkennen - da nützt auch Microsofts viel beworbene "ClearBack"-Technologie nichts. Bei sehr spitzem Betrachtungswinkel werden zudem die Farben verfälscht. Insgesamt landet das Display nur im Mittelfeld.

Im direkten Sonnenlicht nur schwer ablesbar: der Bildschirm des Lumia 640 XL.

Im direkten Sonnenlicht nur schwer ablesbar: der Bildschirm des Lumia 640 XL.

Technische Ausstattung

Die technische Ausstattung des Lumia 640 XL ist solide. Als Prozessor dient der betagte Snapdragon 400 mit 1,2 Gigahertz Taktrate, der im vergangenen Jahr bereits im HTC One Mini 2 verbaut wurde. Der deutlich flinkere Snapdragon 800 bleibt weiterhin den Flaggschiffen Lumia 930 und Lumia 1520 vorbehalten.

Dem Prozessor steht ein Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Das ist nicht üppig, für das sparsame Betriebssystem Windows Phone 8.1 aber ausreichend. Abstürze oder ähnliches konnten wir bei unserem Test nicht feststellen. Nur bei großen Apps oder bei vielen gleichzeitig geöffneten Anwendungen gönnt sich das Handy gelegentlich eine kurze Verschnaufspause. Gamer sollten lieber zu einem Premium-Smartphone greifen: Anspruchsvolle Spiele wie "Asphalt Overdrive" laufen nicht mit vollen Details.

Praktisch: Käufer des Lumia 640 XL bekommen kostenlos ein einjähriges Abonnement für die Büro-Software Office 365 Personal. Die Lizenz kann auch auf Tablets und dem PC oder Mac genutzt werden. Außerdem hat Microsoft angekündigt, das es für das Lumia 640 XL ein Update auf Windows 10 geben wird. Dank des Gratis-Dienstes HERE Drive+ kann das Lumia auch als Navigationsgerät genutzt werden.

Die Kamera des Lumia 640 XL knipst überraschend gute Bilder

Die Kamera des Lumia 640 XL knipst überraschend gute Bilder

Kamera, Akku und Speicher

Die 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite sorgt für gute Fotos. Bei Tageslicht wirken die Farben natürlich, die Bilder sind erstaunlich scharf und nicht verrauscht. An die brillanten Fotos des Galaxy S6 kommt das Lumia natürlich nicht heran, das spielt aber auch in einer völlig anderen Preisklasse. Bei schlechten Lichtbedingungen ist die Bildqualität dagegen schwankend: Während einige Fotos im Halbdunkel noch gut gelingen, fällt die Kamera bei sehr hohen ISO-Werten durch. Da kann auch der grelle LED-Blitz nicht mehr viel retten. Für den günstigen Preis ist die Kamera aber in Ordnung.

Bei Videos liegt die maximale Auflösung bei Full-HD (1920 x 1080 Pixel). Ultrahochauflösende 4K-Videos sowie Zeitlupenaufnahmen mit 120 Bildern pro Sekunde wie beim iPhone 6 werden nicht unterstützt. Die Frontkamera knipst mit fünf Megapixeln.

Zwei Tage ohne Steckdose

Großes Lob gibt es für den Akku, der mit 3000 Milliamperestunden sehr üppig bestückt ist. Bei moderater Nutzung sind anderthalb Tage ohne Steckdose drin. Wer nur selten zum Smartphone greift, dürfte sogar zwei Tage schaffen. Dafür lädt das Smartphone lange - erst nach vier Stunden steht die Akkuanzeige bei 100 Prozent.

Der interne Speicherplatz misst nur mickrige acht Gigabyte, von dem real nur knappe drei Gigabyte genutzt werden können. Fünf Gigabyte belegen das Betriebssystem und vorinstallierte Apps. Allerdings kann der Speicher via microSD um bis zu 128 Gigabyte aufgerüstet werden. Eine gute Entscheidung von Microsoft, viele teure Markengeräte wie das iPhone 6 oder das Galaxy S6 lassen sich nicht mehr nachrüsten.

Das Lumia 640 XL gibt es als Dual-SIM-Version, es können also zwei SIM-Karten eingesteckt werden. Das ist nützlich, wenn man etwa die private und berufliche SIM-Karte parallel nutzen möchte. Allerdings gibt es in Deutschland kein Modell, das LTE unterstützt. Das bedeutet: Im mobilen Internet surft das Lumia 640 XL bestensfalls mit 42 Mbit/S. Das ist besonders ärgerlich, weil im Ausland Geräte mit LTE-Support angeboten werden. Wlan wird bis zum n-Standard unterstützt, mit dem aktuellen ac-Standard moderner Router komt das Lumia 640 XL nicht klar.

Fazit

Das Lumia 640 XL richtet sich vor allem an preisbewusste Käufer. Und die bekommen viel Smartphone für ihr Geld - im wahrsten Sinne des Wortes. Das 5,7-Zoll-Display ist riesig, in puncto Helligkeit und Auflösung aber leider nur Mittelmaß. Hier hätte Microsoft ruhig noch eine Schippe drauflegen können!

Die Verarbeitung des Geräts ist prima, das Design ist mit seinen grellen Farben ein Hingucker. Große Pluspunkte sind der wechselbare Akku und der erweiterbare Speicher. Das angekündigte Update auf Windows 10 macht das Handy ein Stück weit zukunftssicher.

Die technische Ausstattung ist zufriedenstellend. Die Kamera eignet sich eher für Hobbyknipser denn für Profifotgrafen: Bei Tageslicht macht das Lumia gute Fotos, bei schlechten Lichtbedingungen macht es dagegen häufig schlapp. Ein großes Manko ist der Verzicht auf LTE.

Insgesamt liefert Microsoft ein gutes Mittelklasse-Smartphone für unter 200 Euro, das aber in keiner Kategorie so richtig glänzen kann. Viele Features von teureren Lumias sind aber an Bord, sodass Fans von Windows Phones bedenkenlos zugreifen können. Die Größe dürfte kein Problem sein - wer zu einem Klopper greift, dürfte wissen, was er tut.