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HTC One Mini 2 Das geschrumpfte Super-Smartphone im Test


Klein - aber fein? HTC bringt mit dem One Mini 2 eine geschrumpfte Version des derzeit schönsten Android-Handys One (M8) nach Deutschland. Wir haben den Powerzwerg getestet und sagen, was er kann.
Von Christoph Fröhlich

Eines der ersten Handys, mit dem ich telefoniert habe, war das Nokia 3310. Es war ein grauer Klotz mit 15 Tasten und einem einfarbigen Winzbildschirm. Damals in den frühen und mittleren 2000ern herrschte das Verständnis vor, dass Telefone umso besser wären, je kleiner sie sind. Kaum war ein Modell leichter und winziger, stürzten sich alle darauf. Mit dem Boom der Smartphones änderte sich das, man lernte große Displays nicht nur schätzen, sondern lieben. Surfen, daddeln, lesen, schreiben - alles ging leichter von der Hand.

Mittlerweile sind wir bei Dimensionen angekommen, die extrem weite Hosentaschen oder großzügig geschnittene Sakkos verlangen: Samsungs Galaxy S5 hat einen 5,1-Zoll-Screen, HTCs One (M8) ist mit fünf Zoll nur unwesentlich kleiner, Sonys Xperia Z2 misst 5,2 Zoll. Eine Entwicklung, die kaum noch im Interesse aller Kunden ist. Umso begrüßenswerter ist es, dass die meisten Hersteller ihre Top-Smartphones wenige Monate nach Verkaufsstart in einer kompakten, abgespeckten Version für weniger Geld auf den Markt bringen. Anfang Juni erscheint in Deutschland das HTC One Mini 2 - eine kuriose Namenswahl übrigens. Wir haben den kleinen Bruder des One (M8) getestet.

Schicker Zwerg

Schon auf den ersten Blick sieht man: Das Mini 2 ist ein typisches Mitglied der One-Familie. Es hat die gleichen abgerundeten Ecken, die typischen Zierstreifen auf der Rück- und Stereo-Lautsprecher auf der Frontseite. Das Metall-Gehäuse besteht wie beim großen Modell aus gebürstetem Aluminium und liegt sogar etwas besser in der Hand. Der Kunststoffrahmen rund um das One Mini 2 fällt dezenter aus als beim Vorgänger. Durch die HTC-Leiste unter dem Display wirkt das Gerät aber länger als nötig. Laut HTC-Kommunikatonsmanager Jeff Gordon war das Zierelement nötig, um die ganze Technik in das kompakte Gehäuse zu quetschen. Das ist funktional, schmälert den Eindruck aber ein wenig. Dennoch ist das One Mini 2 eine Augenweide. Das Handy gibt es in drei Farben: gold, silber und grau.

Das 4,5 Zoll große Display (11,4 Zentimeter) hat wie das letztjährige Mini-Modell eine HD-Auflösung von 1280 x 720 Pixeln. Das entspricht einer Pixeldichte von 326 Pixel Per Inch (ppi). Das ist weniger als beim Top-Modell, in puncto Pixeldichte liegt es auf Augenhöhe mit dem iPhone 5S. Doch wichtiger als die nackten Zahlen auf dem Papier ist die Displayqualität. Pixel sind mit bloßem Auge auf keinem der Telefone zu erkennen. Die Blickwinkelabhängigkeit ist gut, selbst aus schrägem Blickwinkel erkennt man alles Wesentliche. Würde der Nachbar im Zug die neueste Episode von "Game of Thrones" gucken, könnte man problemlos aus der Nebenreihe mitschauen.

Allerdings ist der Screen des Mini 2 nicht so hell und kontrastreich wie Apples Pendant. Vor allem im direkten Sonnenlicht lassen sich Details nur noch schwer erkennen. Dennoch: Texte und Bilder erscheinen gestochen scharf. Doch bei Handys geht es nicht nur ums Äußere, sondern auch um die inneren Werte.

Etwas dicker, dafür schneller

Bei der Ausstattung hat HTC im Vergleich zum Spitzenmodell gespart: Im Inneren stecken ein 1,2 Gigahertz schneller Snapdragon-400-Prozessor (Vierkernchip) und ein Gigabyte Arbeitsspeicher. Im Antutu-Benchmark, einem Programm zur Messung der Leistungsdaten, erreicht das neue One Mini 17.240 Punkte - etwa so viel wie Samsungs Galaxy S3 oder Note 2. Zum Vergleich: Das One (M8) erreichte in unserem Test mit 33.770 fast doppelt so viele Punkte. Trotzdem ist das One Mini 2 schneller als der Vorgänger und das Android-Betriebssystem (Version 4.4.2) läuft ruckelfrei. Als Software kommt HTCs modifizierte Android-Oberfläche Sense 6.0 zum Einsatz. Eines der Highlights ist der Blinkfeed, der News-Inhalte und Beiträge aus sozialen Netzwerken direkt auf dem Homescreen in einer Art Timeline anzeigt.

Das One Mini 2 hat nur 16 Gigabyte Speicherplatz, nach der Ersteinrichtung und der Installation einiger Apps sind nur noch knapp sechs Gigabyte verfügbar. Mit einer microSD-Karte kann der Speicher aber um 128 Gigabyte erweitert werden. Das ist genug Platz für ein Dutzend Serienstaffeln. Der Akku hat eine Kapazität von 2100 Milliamperestunden und hält damit etwas länger durch als beim 2013er-Modell (1800 mAh). Dafür ist das Handy aber auch etwas dicker geworden. Den extrem energiesparenden Notfall-Modus des One (M8), bei dem nur noch die nötigsten Funktionen des Handys aktiviert sind, gibt es auch im kleinen Modell.

Keine Duo-Kamera

Ein Highlight des großen Bruders fehlt bei der Sparversion: Statt der Ultrapixel-Kamera des One (M8) kommt im kleineren Modell eine herkömmliche 13-Megapixel-Kamera zum Einsatz. Die knipst bei Tageslicht brauchbare Bilder, bei schlechten Bedingungen verrauscht die Aufnahme aber stark. Insgesamt ist die Kamera nur Mittelmaß. Die zweite Rückkamera, dank der nachträglich die Schärfe auf dem Bild verändert werden kann, gibt es ebenfalls nicht. Die Frontkamera ist mit fünf Megapixeln Selfie-tauglich. Einen optischen Bildstabilisator gibt es wie in der ersten Version des Mini leider nicht, man sollte die Hände beim Knipsen also ruhig halten.

Bei der Konnektivität klotzt HTC mächtig ran. Das Telefon unterstützt das ultraschnelle mobile Internet LTE, außerdem kann es via Wlan mit dem Wifi a/b/g/n-Standard ins Netz. Nur der allerneueste ac-Standard wird noch nicht unterstützt, den dürften derzeit allerdings nur die wenigsten Menschen in den eigenen vier Wänden nutzen. Bluetooth 4.0, DLNA und die Nahfunktechnik NFC klappen ebenfalls reibungslos.

Fazit

Das HTC One Mini 2 ist ein schön designtes Smartphone. Das 4,5-Zoll-Display ist gut, die Kamera knipst leider nur mtitelmäßige Bilder, Apps laufen ohne nervige Ruckler. Die Duo-Kamera des großen One (M8) sucht man leider vergebens, der kleine Bruder hat auch nicht ganz so viel Power unter der Haube.

Wem das One (M8) zu groß ist, aber viel Wert auf ein schickes Handy legt, der sollte sich das One Mini 2 genauer anschauen. Mit 449 Euro ist das One Mini 2 recht teuer, weshalb man am besten noch etwas abwarten sollte. Vermutlich wird das Handy bereits ein paar Wochen nach Verkaufsstart unter die 400-Euro-Marke rutschen. Als Alternative empfiehlt sich das Xperia Z1 Compact, das es bereits ab 360 Euro gibt.


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