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Frauenbild in Medien: Bis zur Gleichberechtigung ist's noch ein weiter Weg

Mit einem Videozusammenschnitt macht die Gruppe The Representation Project erschreckend deutlich, wie Frauen in den Medien dargestellt werden. Nicht etwa in der "Mad Men"-Ära, sondern im Jahr 2013.

Von Susanne Baller

Zunächst startet das Video der Kampagne von The Representation Project ganz euphorisch: Die herausragenden Leistungen von Frauen in diesem Jahr werden dokumentiert. Zu den jüngsten gehört Malala Yousafzai, die als Kinderrechtsaktivistin zur bislang jüngsten Kandidatin für den Friedensnobelpreis wurde. Sie ist 16 und zierte das "Time"-Cover.

Es folgen erfolgreiche Filme mit Frauen in den Hauptrollen: Gravity (Sandra Bullock), "Die Tribute von Panem - Catching Fire" (Jennifer Lawrence) und der US-Serienhit: "Orange is the new Black" (Taylor Schilling). Ferner gab es 2013 die erste Emmy-nominierte schwarze Hauptdarstellerin seit 1995 (Kerry Washington für "Scandal") sowie eine Rekordzahl an Emmy-nominierten Regisseurinnen. "Newshour" hat sein erstes rein weibliches Nachrichtensprecher-Team und Katie Couric wird Yahoos "Globale Nachrichten-Moderatorin".

Die Schweden zensieren nun Kinofilme mit geschlechtsspezifischen Vorurteilen, der Sender ESPN bringt die Serie "Nine for IX" heraus, in der weibliche Filmemacher Geschichten von Sportlerinnen erzählen, der Spielzeughersteller GoldieBlox startet seine Kampagne, die Mädchen für Ingenieursberufe begeistern soll und die Webhostingfirma GoDaddy beschließt, keine sexistische Werbung mehr zu bringen.

Dann wird's ernst

Doch manche Dinge ändern sich einfach nicht (schnell genug): Durch die stattliche Anzahl an Clips, die alle aus Nachrichten, TV-Shows, Filmen, Werbung oder Videospielen stammen, wird schnell klar, dass sich das vorherrschende Frauenbild im Grunde seit den 60er Jahren nicht verändert hat. Es ist eher noch sexistischer geworden. Hier ist die Liste aller Schnipsel:

∙ Frauen werden in Photoshop so lange bearbeitet, bis sie einem unnatürlichen Puppenideal entsprechen
∙ die Burgerkette Carl's Jr. wirbt mit wenig bekleideten Frauen, die in lasziven Posen ihre Produkte konsumieren
∙ Fiat verkauft seine Autos mit Frauen in Bikinis, denen eine Krabbe in den Po zwickt
∙ Ford bewirbt einen großen Kofferraum mit drei animierten Frauen, die geknebelt und gefesselt darin Platz finden
∙ Equinox lässt eine Frau über einen Billardtisch kriechen
∙ für die Modefirma American Apparel lässt eine Frau ihr Höschen runter
∙ für das Deodorant Axe joggt eine Frau im Bikini mit schwingenden Brüsten
∙ Elektrohersteller Radio Shack legt sein pillenförmiges rotes Radio auf den nachten Rücken einer Frau
∙ der R&B-Sänger Robin Thicke gibt einer nackt auf hohen Schuhen tanzenden Frau den Rhythmus vor
∙ Miley Cyrus und ihr Twerking natürlich
∙ Rapper Flo Rida singt vor breitbeinigen Frauen in Stringtangas
∙ Rihanna zeigt ihren nackten Po in wippender Sexpose
∙ Justin Timberlake gibt vor, einen nackten Körper abzulichten
∙ Jennifer Love Hewitts posiert für die Serie "The Client List" des Kabelsenders Lifetime im BH
∙ der Sender Oxygen hat in der Reality-Serie "Bad Girl's Club" wenig bekleidete, streitbare Frauen im Visier
∙ der Sender Fox zeigt in der Sitcom "Dads" junge Frauen im Lolita-Outfit
∙ in der Kino-Komödie "Pain & Gain" von Paramount: eine Frau im Bikini
∙ in "Star Trek into Darkness", auch Paramount: eine Frau in Unterwäsche
∙ "Grown Ups 2" von Sony gewährt Einblick ins Dekolleté
∙ Entblößen eines Damenpos in "We're the Millers" von Warner Bros
∙ oberkörperfreie Frau in "Grand Theft Auto V"
∙ geköpft, abgehackte Arme, aber im drallen Bikinioberteil im Videospiel "Death Island Riptide"
∙ bei den Oscar's unterhält Seth McFarlane mit dem Song "I Saw Your Boobs" (ich habe deine Titten gesehen)
∙ die Oscar-nominierte, damals noch neunjährige, Kinderdarstellerin Quvenzhané Wallis wird von "The Onion" auf Twitter als "C…" (Fotze) bezeichnet

Nachrichten, Blogs, Zeitungen

∙ beim New Yorker Sender Pix11 wird sich auf Kosten seiner vierten Ehefrau, Kathryn Rogers, über den konservativen Radiomoderator Rush Limbaugh lustiggemacht
∙ Joan Rivers lästert über die Sängerin Adele
∙ der "Esquire"-Herausgeber bezeichnet, die Frauen, die im Heft zusehen sind, als Schmuckstücke
∙ Sport-Radiomoderator Damon Bruce sagt, seit Frauen in seiner Redaktion etwas zu sagen hätten, sei der Sport vom Weg abgekommen
∙ über ein NBA-Cheerleader wird bei CBS diskutiert, ob sie zu dick sei
∙ über den Tennis-Champion Marion Bartoli sagt ein BBC-Moderator, sie würde nie zu einem Hingucker
∙ zu CNN-Moderatorin Carolin Costello sagt ein Politiker während des Haushaltstreits: "Carolin, du bist zwar sehr hübsch, aber du musst auch ehrlich sein"
∙ in der Late-Night-Show "Red Eye" gehen die Witze auf Kosten von Frauen
∙ die neue Kopfbedeckung für Marines wird als zu weiblich bezeichnet, was wie eine Feminisierung wirke
∙ Frauen sollten eine höhere Krankenversicherung bezahlen, weil sie Brüste, Eierstöcke und eine Gebärmutter haben, fordert ein Experte beim Sender Fox
∙ eine politische Kampagne setzt das Gesundheitsprogramm Obamacare mit Vergewaltigung gleich
∙ "Ich sage nicht, dass sie verdient hatte, vergewaltigt zu werden, aber ..."
∙ CNN berichtet über die vielversprechende Zukunft der 16-jährigen Vergewaltiger aus Steubenville, Ohio, weil sie sehr gute Schüler seien
∙ im Dreiergespräch mit zwei Männern auf Fox News wird die Frau als dominant tituliert, der zweite Mann lacht herzhaft
∙ bei "Hannity Live" auf Fox News wird eine Frau ermahnt: "Know your role and shut your mouth!" (Bleib in deiner Rolle [als Frau] und halt den Mund!)
∙ "Als Frau wirst du, selbst wenn du argumentativ überlegen bist, von Männern gebeten, nicht hysterisch zu werden und dich zu beruhigen"
∙ ein Republikaner nennt die Demokratin Alison Lundergan Grimes ein "leeres Kleid"
∙ über Wendy Davis, Demokratin, wir gesagt, sie sei zu dumm, um Gouverneur zu sein
∙ der konservative Fox-News-Kommentator Erick Erickson bezeichnet sie auf Twitter als Abtreibe-Barbie
∙ im Politblog "Heard on the Hill" lässt sich Warren Rojas ausschließlich über die Kleidung der designierten Präsidentin der Zentralbank FED und Wirtschaftswissenschaftlerin Janet Yellen aus
∙ der "Daily Caller" fragt, wer besser aussähe, Yellen oder Miley Cyrus
∙ Republikaner Jim Allen redet Mobbing als Streit unter Prinzessinnen klein
∙ Republikaner Mitch Mcconnell sagt über die Schauspielerin Ashley Judd, die öffentlich erwog, für seinen Sitz zu kandidieren: "Sie ist, das klingt extrem, aber sie ist emotional unausgeglichen. Das ist doch sogar dokumentiert."
∙ das Bild aus einer Wutrede Hillary Clintons bekommt in der "New York Post" die Schlagzeile "Kein Wunder, dass Bill Angst hat"
∙ Hühner-Fastfoodriese Kentucky Fried Chicken verteilt Buttons mit dem Text "Hillary Special, 2 dicke Hüften, 2 kleine Brüste, linker Flügel"
∙ Afa-Channel-Radiomann Bryan Fischer sagt über Clinton: "Ich glaube nicht, dass die amerikanische Öffentlichkeit bereit ist, eine alte Frau ins Oval Office zu wählen"
∙ die texanische Senatorin Leticia van de Putte fragt ihre männlichen Kollegen, an welcher Stelle sie die Hand heben müsse, damit ihre Stimme gehört werde.

Wie viele Kampagnen notwendig sind, um das Bewusstsein für diese Stereotypen zu schärfen, wird sich zeigen. Das Ziel ist, die Kultur so weit zu verändern, dass jeder, ungeachtet seines Geschlechts, seiner Rasse, Klasse und seines Alters all seine Möglichkeiten ausschöpfen kann.

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