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Deutsche Bahn: Seehofers Trödelzuschlag

Bis zu 50 Prozent des Preises soll die Bahn zurückerstatten, wenn sich ihre Züge verspäten. Das fordert Verbraucherminister Horst Seehofer - und erntet dafür den Beifall des Fahrgast-Verbandes.

"Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", sagte der Vorsitzende des Verbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, am Montag. Auch der Verkehrsclub Deutschland hält eine solche Entschädigungsregelung für überfällig. Die Grünen nannten die Pläne unzureichend.

Seehofer rechnet damit, dass bis zum Herbst ein Gesetzentwurf vorliegt. "Es gibt innerhalb der Bundesregierung noch Abstimmungsbedarf", schränkte ein Sprecher des Justizministeriums ein.

Taxikosten bis 30 Euro

Nach Seehofers Vorschlägen sollen Kunden, die im Fernverkehr unterwegs sind, bei mehr als 30 Minuten Verspätung ein Fünftel des Ticketpreises in bar zurück bekommen. Bei mehr als einer Stunde ist ein Viertel fällig, bei mehr als zwei Stunden die Hälfte. Für den Nahverkehr gelten - insofern das Ticket mindestens acht Euro gekostet hat - spezielle Regelungen. Wenn der Zug mehr als 20 Minuten zu spät ist, muss die Bahn Taxikosten bis zu 30 Euro übernehmen, sofern kein Anschluss erreicht wird. Zeichnet sich ab, dass der Zug eine Stunde zu spät ist, soll der Fahrgast das Ticket zurückgegeben können.

Bisher sind die Entschädigungsansprüche von Fahrgästen wesentlich geringer: Die Deutsche Bahn erstattet im Fernverkehr 20 Prozent (in Form eines Gutscheins), wenn sich der Zug mehr als eine Stunde verspätet. Im Nahverkehr läuft bislang nur ein Entschädigungs-Pilotprojekt in Schleswig-Holstein. Gesetzliche Regelungen gibt es bisher nicht.

Lieber auf EU-Regelung warten?

Vertreter der Bahn warnten, Seehofers Vorschläge würden zu weiteren Kostenbelastungen führen. Der Konzern plädiere dafür, eine für 2007 erwartete EU-Regelung national zu übernehmen, sagte ein Sprecher. Sie sieht im Kern vor, Kunden 25 Prozent des Ticketpreises bei mehr als einer Stunde Verspätung zurückzuzahlen.

Der größte private Bahn-Konkurrent Veolia Verkehr (früher Connex) bevorzugt freiwillige Regelungen, wie ein Sprecher sagte. Sollte es zu einem Gesetz kommen, müsse es Möglichkeiten beinhalten, die Netz-Tochter der Bahn für von ihr verschuldete Verspätungen in Regress zu nehmen.

DPA / DPA

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