Mietautos in Ferienländern Mängeln an Reifen, Bremsen und Lenkung


Im August 2005 mieteten ADAC-Tester in den fünf wichtigsten Sommerreiseländern Autos und nahmen diese dann genauer unter die Lupe. Das Ergebnis war schockierend: fast 40 Prozent der untersuchten Autos waren nicht verkehrssicher.

Die Tester des ADAC kamen inkognito. Wie Tausende von Urlaubern mieteten sie im August 2005 in den fünf wichtigsten Sommerregionen Europas Autos und untersuchten diese dann gründlich. Bei der Autovermietung Avsar in der türkischen Urlauber-Hochburg Alanya verschlug es den Testern fast die Sprache: Als "Schrotthaufen" erwies sich dort ein 14 Jahre alter Geländewagen. "Die Reifen hatten tiefe Schnitte und Risse und die Lenkung zu viel Spiel", berichtete ADAC-Vizepräsident Günter Knopf in München. "Das Lenkgestänge war auffällig stark gebogen und ein Geradeausfahren fast unmöglich."

Reifen, Bremsen, Lenkung kaputt

"Unsere Tester haben schon viel erlebt, aber das war wirklich schockierend", sagte Knopf. An dem Wagen waren auch die Scheinwerfer kaputt, die Scheibenwischer fehlten und die Sicherheitsgurte funktionierten nicht. "Auf dem Tacho hatte der Wagen nur 5000 Kilometer", berichtete ADAC-Experte Robert Sauter. "Das kann wohl nicht ganz hinhauen." Auch bei anderen Mietwagenfirmen wurden gravierende Mängel vor allem an Reifen, Bremsen und Lenkung festgestellt, fast 40 Prozent der untersuchten Autos waren nach den Worten von Knopf nicht verkehrssicher.

Die jeweils zweiköpfigen Teams hatten 58 Mietwagenfirmen auf Rhodos, Kreta, Sardinien, Sizilien, Mallorca und Teneriffa sowie auf dem spanischen Festland, in Portugal und in der Türkei überprüft. Natürlich gab es dabei auch recht ordentliche Angebote. Aber sogar beim Testsieger - der Autovermietung Avis in Chersonisos auf Kreta - mussten ein paar kleinere Dinge beanstandet werden: So fehlten dort im Testwagen Verbandskasten und Warndreieck. Ärgernis ist oft auch, dass keine Kindersitze verfügbar sind.

Italien vorne, Türkei Schlusslicht

Italien lag mit einem im Durchschnitt guten Test-Resultat ganz vorne, gefolgt von Portugal, Griechenland und Spanien; die Türkei bildete mit überwiegend mangelhaften Ergebnissen das Schlusslicht. Aber auch bei einzelnen Vermietern in Italien wurden Reifen ohne Profil oder mit verkehrsgefährlich beschädigter Karkasse beanstandet. Von den geprüften Mietwagenfirmen erhielten nur sieben die Note "sehr gut", 27 die Note "gut", drei weitere rangierten mit durchschnittlichen Ergebnissen im Mittelfeld, neun Anbieter wurden als "bedenklich" eingestuft und zwölf fielen mit der Note "mangelhaft" glatt durch.

Ein großes Problem ist die Versicherungsfrage. Angesichts von Sprachbarrieren sagen sich viele Urlauber zwar "Augen zu und durch". Doch das kann zu bösen Überraschungen führen. "So beträgt die vorgeschriebene Mindestdeckung für Sachschäden in der Türkei nur 5000 Euro und in Spanien nur 100.000 Euro gegenüber 500.000 Euro in Deutschland", erläuterte Sauter. Ähnliche Differenzen gebe es bei der Mindestdeckung für Personenschäden. "Wer keine Vollkasko-Versicherung für den Mietwagen abschließen will, sollte deshalb vor Urlaubsantritt bei einer deutschen Versicherung eine so genannte Mallorca-Police abschließen", empfahl Sauter. Damit seien für ganz Europa Personen- und Sachschäden bis zu einer Million Euro abgedeckt.

Klare Regelungen fehlen

Um nachträglichen Ärger zu vermeiden, sollte man nach ADAC-Empfehlung bei Übernahme und Rückgabe auch stets auf schriftlicher Aufnahme des Mietwagen-Zustands und eventueller Mängel bestehen. ADAC-Vizepräsident Knopf betonte, eine Studie des Netzwerks europäischer Verbraucherzentralen habe vor kurzem ähnlich negative Ergebnisse zum Mietwagenmarkt wie der ADAC präsentiert. "Es fehlen klare und eindeutige Regularien zum Mietwagenmarkt", beklagte Knopf. "Egal ob in Italien oder in der Türkei: Überall sollten die gleichen verbindlichen Standards gelten."

Jürgen Balthasar/DPA DPA

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