Protest Lehrerverband fordert Stopp des Schul-Sponsorings


Der Deutsche Lehrerverband fordert von der Politik, dem zunehmenden Schul-Sponsoring durch Unternehmen entgegen zu wirken.

Der Deutsche Lehrerverband (DL) fordert von der Politik, dem zunehmenden Schul-Sponsoring durch Unternehmen entgegen zu wirken. Während sich die öffentliche Hand immer mehr vor der Bildungsfinanzierung drücke, gerieten die Schulen in Abhängigkeiten, sagte Verbands-Präsident Josef Kraus der Nachrichtenagentur AP. Außerdem verstärke sich das Gefälle zwischen Schulen, die für Sponsoren unterschiedlich attraktiv seien. "Ich sehe das mit größter Skepsis", sagte Kraus.

"Ich hoffe nach wie vor, dass sich dieser Trend stoppen lässt", erklärte der DL-Präsident. Die Politik müsse entsprechend auf die Schulen einwirken, vor allem aber müsse sie diese finanziell so ausstatten, dass sie nicht auf Geld von Unternehmen angewiesen seien. "Die Politik muss hier Flagge zeigen und darf sich nicht aus der Finanzierung der Schulen zurückziehen, sonst haben wir bald ein Zwei-Klassen-Schulsystem", betonte Kraus. Für einen Sponsor sei beispielsweise ein Gymnasium attraktiver als eine Sonderschule in einem sozialen Brennpunkt.

Nicht mit den pädagogischen Zielen von Schulen vereinbar

Nach Ansicht Kraus' verwischen die Grenzen zwischen Sponsoring, das in allen Bundesländern erlaubt ist, und reiner Produktwerbung, die in den meisten Ländern verboten ist. "Die Sponsoren erwarten ja etwas für ihr Geld, insofern ist das immer irgendeine Form von Product Placement." Werbeflächen in Schulen, wie sie in Berlin erlaubt seien, oder Firmen-Logos in Briefköpfen von Schulen seien nicht mit den pädagogischen Zielen von Schule vereinbar. "Wir werden unglaubwürdig, wenn wir Schüler einerseits auffordern, die Tricks der Werbung zu entlarven, und sie gleichzeitig selbst mit Werbung konfrontieren", erklärte Kraus.

Zur besseren Finanzierung der Schulen kommen für den Verbands-Präsidenten Kompromisslösungen in Frage. So könnten etwa Zuwendungen von Unternehmen über einen neutralisierten Förderverein an die Schulen geleitet werden. "Wenn die Unternehmen tatsächlich ein Interesse daran haben, die Bildung zu fördern, wie sie das ja sagen, dann können sie das auch über eine solche neutrale Stelle tun." Inakzeptabel seien dagegen Entwicklungen wie in den Niederlanden, "wo sich die Pausengestaltung einzelner Schulen nach den Bedürfnissen des benachbarten McDonald's richtet", betonte Kraus.


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