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Stress in der vierten Klasse: Gymnasium auf Teufel komm raus

Ist das Kind in der vierten Klasse, entwickeln viele Eltern großen Ehrgeiz: Eine Gymnasialempfehlung muss sein! Doch oft ist diese Schulform nicht die richtige fürs Kind. Abi machen geht auch anders.

Von Catrin Boldebuck

Genervt und überlastet: Wenn Eltern ehrgeiziger sind, als es für das Kind gut ist

Genervt und überlastet: Wenn Eltern ehrgeiziger sind, als es für das Kind gut ist

Die einen haben es gerade hinter sich, die anderen stecken noch mittendrin: im kleinen Abitur. In diesen Tagen gibt es Halbjahreszeugnisse und mit ihnen bekommen Viertklässler die Empfehlung für die weiterführende Schule. Für die Neun- bis Zehnjährigen und ihre Eltern geht es gefühlt gerade um alles, denn mit diesem Zeugnis werden die Weichen für die Zukunft gestellt, ihr Lebensweg wird entschieden. Die Noten der vierten Klasse entscheiden, wer zu den Gewinnern zählt und im Sommer aufs Gymnasium gehen darf, und wer zu den Loosern, die auf die Realschule oder Hauptschule müssen. Deshalb ist die vierte Klasse (und oft schon die dritte) für viele Kinder mindestens so stressig wie die Zeit in der Oberstufe.

Zu Hause wird gepaukt und gebüffelt, gedroht und gelockt, damit es fürs Gymnasium reicht. Wie viele Dramen spielen sich da in deutschen Kinderzimmern ab? Und wie vielen Mädchen und Jungen wird dabei die Neugier, die Lust auf Wissen ausgetrieben?

Der Ehrgeiz der Eltern

Der Druck und der Stress ist inzwischen sogar Stoff fürs Kino: Im Film "Frau Müller muss weg" versuchen Eltern die Klassenlehrerin ihrer Kinder abzusägen, weil sie den Schülern schlechte Noten gibt. "In drei Monaten gibt es Übergangszeugnisse und dann hat diese unfähige Kuh unseren Kindern endgültig die Zukunft versaut", schimpft ein Vater (Justus von Dohnanyi). Interessanterweise taucht in dem Film, in dem Anke Engelke eine resolute Elternsprecherin und Wortführerin spielt, kein einziges Kind auf. Die neurotischen Eltern agieren anstelle ihrer Kinder.

Bekommt der Sohn oder die Tochter keine Gymnasialempfehlung, wird das von vielen als persönliche Kränkung empfunden. Karin Hechler, Leiterin eines Gymnasiums in Frankfurt, beobachtet: "Das Kind ist für viele Eltern ein Projekt geworden, es dient der narzisstischen Erfüllung ihrer Wünsche. Kinder sollen Erfolg haben und möglichst wenig Sorgen bereiten. Wenn es in der Schule nicht glatt läuft, reagieren Eltern an Stelle des Kindes gekränkt."

Lehrerempfehlung vs. Elternwille

In Bayern ist der Druck in der vierten Klasse besonders groß. Hier wird noch um die zweite Ziffer hinter dem Komma geschachert: 2,33 muss ein Schüler als Notenschnitt haben (in den Fächern Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachkunde), um aufs Gymnasium zu dürfen; 2,66 für die Realschule. Diese "verbindliche Lehrerempfehlung" existiert nur noch in drei weiteren Bundesländern: Sachsen, Thüringen und Brandenburg. In Sachsen muss es gar eine glatte 2,0 sein, sonst bleibt das Gymnasium verschlossen.

In den übrigen Ländern zählt der "Elternwille". In Nordrhein-Westfalen, Hamburg oder Hessen gibt die Grundschule zwar eine Empfehlung ab, aber die Eltern können versuchen, ihr Kind an der Schule ihrer Wahl anzumelden. Akademikereltern setzen sich dabei leichter über eine Empfehlung von der Grundschule hinweg als Mütter und Väter aus bildungsfernen Schichten.

Entscheidung fällt früh

Und so drängen trotz der Kritik an G8 immer mehr Kinder aufs Gymnasium: In Hamburg wählten bei der jüngsten Anmelderunde 54 Prozent ein Gymnasium und nur 44 Prozent die Stadtteilschule - obwohl diese Schulform das Abitur nach 13 Jahren anbietet, also ein Jahr mehr als am Gymnasium.

Experten weisen immer wieder darauf hin, dass die Entscheidung für einen Bildungsweg in Deutschland zu früh fällt: Zum einen ist die Intelligenz im Alter von zehn Jahren noch nicht ausgereift, zum anderen sind Faktoren wie Lernbereitschaft oder soziale Fähigkeiten wichtig für die Schulkarriere. In den meisten Ländern gehen die Kinder daher länger auf eine gemeinsame Schule als in Deutschland.

Abgänge nach der 6. Klasse

Durch das einseitige Schielen nach dem Gymnasium übersehen viele Eltern die Alternativen: So kann auch der Weg über eine Fachschule oder eine Berufliche Oberschule zum Abitur führen. Und die Chance, abgeschult zu werden, ist doppelt so hoch wie aufzusteigen: Laut einer Studie der Bildungsforscherin Gabriele Bellenberg kamen auf 50.000 "Absteiger" im Schuljahr 2010/11 (Klasse 5 bis 10) nur 23.000 "Aufsteiger". Die Real- und Gesamtschulen sind vor allem in den siebten Jahrgängen voll mit demotivierten Ex-Gymnasiasten, weil sie in der sechsten Klasse wegen mangelnder Leistung aussortiert werden. Eltern sollten sich gründlich überlegen, ob sie ihren Kindern so eine Demütigung zumuten wollen. Denn der Mensch fängt schließlich nicht erst beim Abitur an.

Zu viele Akademiker

Durch den Trend zur Akademisierung wird es an den Fachhochschulen und Universitäten eng, denn immer mehr Abiturienten wollen auch studieren. Dadurch werden die Azubis knapp: 2014 blieben 30.000 Lehrstellen unbesetzt, Fachverbände warnen bereits vor einer "Akademikerschwemme". Experten gehen davon aus, dass sich die Hochschulen in Zukunft Studenten mit Berufsausbildung öffnen werden, denn der Trend zur Höherqualifizierung lässt sich kaum zurückdrehen.

"Ein Kind, das einen guten mittleren Abschluss macht, hat bessere Chancen als ein Kind, das immer nur Druck gespürt hat, nur mit Vieren durchkam und nachher gar keine Lust mehr hat, sich irgendwo zu engagieren", sagt Schulleiterin Karin Hechler von der Schillerschule in Frankfurt. "Manchmal ringen wir regelrecht mit Eltern darum, dass ihr Kind einen anderen Schulweg einschlagen darf. Die größte Chance liegt für Kinder nicht immer im Gymnasium."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.