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Interview

Food-Trends 2018: Warum Frühstück hip ist – und Millennials die Lebensmittelindustrie verrückt machen

Hanni Rützler beschäftigt sich mit unserer Ernährung und vor allem mit dem Wandel unseres Essverhaltens. Die Millennials spielen dabei eine große Rolle. Was wir die nächsten Jahre auf dem Teller haben werden, weiß die Ernährungsforscherin.

Den Millennials geht es um die Sehnsucht, mit gutem Gewissen wieder genießen zu können. Lebensmittelqualität ist für sie Lebensqualität. 

Den Millennials geht es um die Sehnsucht, mit gutem Gewissen wieder genießen zu können. Lebensmittelqualität ist für sie Lebensqualität. 

Frau Rützler, was haben Sie heute gefrühstückt?

Wie die letzten Monate: Porridge. Ausgekühlt mit Melone, ein paar Nüssen und Tee mit Milch.

Ist Porridge ein neues Trend-Frühstück?

Für mich nicht. Es ist ein Mitbringsel aus England – schon vor Jahrzehnten. In Kopenhagen gibt es aber seit einiger Zeit ein Porridge-Restaurant. Da habe ich gestaunt, wie viele verschiedene Varianten es gibt: süß bis pikant mit verschiedenen Getreidearten und -flocken und auch Korngrößen. Das hat viel Potenzial.

Im diesjährigen Food-Report, den Sie jährlich herausgeben, beschreiben Sie "New Breakfast" als Trend. Wieso gerade Frühstück?

Beim Frühstück zeigt es sich, dass sich unsere Mahlzeiten-Struktur verändert. Das Frühstück war jahrzehntelang die stabilste Mahlzeit. Entweder man frühstückte – oder aber nicht. Und wenn doch, dann immer das Gleiche. Der Wandel der Esskultur verändert aber das Frühstück, das locker bis in den Lunch hineingehen kann. Es ist eine neue Art des Zelebrierens, das weit über das klassische Repertoire mit Ei und Speck, Marmelade und Brötchen hinausgeht.

Was gibt es dann zum Beispiel?

Asiatische Suppen, Avocados, Hummus und arabisch-inspirierte Gerichte und jede Menge verschiedene Eiergerichte wie Eggs Benedict.

In letzter Zeit gibt es eine rege Diskussion ums Billigfleisch. Essen wir etwa bewusster als früher?

Hanni Rützler ist eine österreichische Ernährungswissenschaftlerin und Foodtrendforscherin. Jährlich veröffentlicht sie den Foodreport.

Hanni Rützler ist eine österreichische Ernährungswissenschaftlerin und Foodtrendforscherin. Jährlich veröffentlicht sie den Foodreport.

Essen ist der neue Pop. Wie wir uns ernähren, ist ein hoch moralisches, hoch ethisch aufgeladenes Thema. Ernährung wird genutzt, um Individualität auszudrücken und um zu hinterfragen, wie sich Lebensmittelqualität definiert. Der Begriff des Foodies ist ein stimmiger Begriff für ein verstärktes Engagement. Die jungen Menschen versuchen, sehr bewusst zu essen und echauffieren sich über Fleischpreise. Das war auch an der Zeit! Solche Debatten führen dazu, dass man überlegt, was es sonst noch für Qualitäten gibt - das sieht man jetzt beim Fleisch.

Woher kommt dieser Protest?

Trends sind nicht Mainstream, sondern die Ränder der Gesellschaft. Das sind die kreativen Early-Adapter, Menschen, die nach neuen Lösungen suchen. Trends sind Antworten auf Probleme und Herausforderungen. Der Flexitarier ist so eine Lösung. Ein Esstypus, der kein Vegetarier ist, trotzdem den Wert eines Lebensmittels hinterfragt. Dadurch lernen wir beispielsweise über Fleisch differenzierter zu reden. Das wirkt sich wiederum auf die Industrie aus.

Beobachtungen haben gezeigt: Seit einigen Jahren essen wir wieder mehr Gemüse. Warum?

Gemüse schmeckt wieder gut. Da geht es um Zubereitungsarten. Fleisch hat seine Pole Position verloren. Einen großen Anteil haben dabei Köche wie der israelisch-britische Kochbuchautor Yotam Ottolenghi, der fleischlos kocht und Gemüse als Star wieder hip gemacht hat.

Wieso verändert sich eigentlich unsere Ernährung?

Wir sind im Lebensmittelüberfluss und die jüngere Generation übt sich im Umgang damit, sie wählt bewusster und hinterfragt. Die eigentlichen Treiber sind die Megatrends, die schieben den Wandel an und wirken in allen Branchen weltweit. Dazu zählt unter anderem: Konnektivität, Individualität, Bildung, Gender-Shift, New Work ... Wohin es geht, wird kulturell, politisch-gesellschaftlich entschieden.

Sie beschreiben die Levante-Küche als neuen Trend. Was ist das?

Levante ist der Ost-mediterrane Kulturraum, also die heutigen Staaten Syrien, Libanon, Jordanien und Israel. In diesen Ländern ist eine Vielfalt an verschiedenen Küchen beheimatet. Auch wir haben hierzulande große Migrationsströme dieses Kulturraums, die Küche ist uns vertraut, auch wenn wir die Produkte noch nicht alltäglich benutzen. In der Levante-Küche arbeitet man hauptsächlich mit Gemüse, sie ist frisch und gesund wie Hummus beispielsweise.

Die Millennials sind der Lebensmittelindustrie ein Dorn im Auge. Sie wollen Vielfalt auf dem Teller und wissen, woher ihr Produkt kommt. Welche Herausforderungen sehen Sie für die Industrie?

Mehr zum Thema: Was essen wir eigentlich in Zukunft? Im neuen Foodreport 2018 von Hanni Rützler.

Mehr zum Thema: Was essen wir eigentlich in Zukunft? Im neuen Foodreport 2018 von Hanni Rützler.

Die Industrie kann sich ihre Kunden nur bedingt aussuchen. Es lohnt sich also, die Millennials wertzuschätzen und genau anzuschauen. Sie sind sehr gute Zeiger für den Wandel. Wir sind mitten in einer Zeitenwende. Die Millennials erobern sich eigentlich die Lebensmittel zurück, eine klassische Reaktion der Entfremdung von Lebensmitteln. Es geht um die Sehnsucht, mit gutem Gewissen wieder genießen zu können. Lebensmittelqualität ist Lebensqualität. Der Anteil an Foodies wird immer größer, zwei Generationen vorher war man noch froh, wenn man nicht kochen musste. Jetzt verändert sich auch das wieder.

Was essen wir 2018?

Wir werden bunter essen, viele neue Salate und andere Rezepturen mit Fokus aufs Gemüse. Bei Trends versuche ich aber größere Zeiträume zu betrachten, nicht nur Modeerscheinungen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.