HOME

Hohe Obstpreise: Süße Früchtchen für teuer Geld: Darum sind die Obstpreise so hoch

Ob Mango oder Papaya - die süßen Vitaminbomben gehen zurzeit für teils horrende Summen übers Warenband, wenn es sie überhaupt zu kaufen gibt. Aber auch eine europäische Steinfrucht macht sich in diesem Jahr in den Supermärkten rar.

Von Tina Pokern

Südfrüchte im Supermarkt

Das Südfrüchte-Regal ist in diesen Tagen nicht immer so gut bestückt, die Preise teils horrend.

Picture Alliance

Die Gelüste auf frisches Obst und Gemüse können derzeit die Supermarktrechnung in ungeahnte Höhen schießen lassen. Vornehmlich Südfrüchte sind im Preis gestiegen. Laut Berechnungen des AMI mussten Verbraucher im April beinahe zehn Prozent mehr für frische Waren wie Obst und Gemüse bezahlen als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Preise von Gemüse sind zwischenzeitlich um rund 26 Prozent gestiegen, die für Obst um gut 14 Prozent. Auch wenn sich die Preissituation langsam wieder bessert, zeigt sich so manche Obstsorte derzeit noch von ihrer kostspieligen Seite.

"Das betrifft vor allem genussreife Exoten wie Papayas, Flugmangos und auch brasilianische Feigen", erklärt Gabriele Held, AMI-Marktexpertin für Obst- und Gemüse. Also Obst, das erst weit reisen muss, bevor es auf dem deutschen Markt landet. Da der Flugverkehr auf Grund des Corona-Virus nahezu zum Erliegen gekommen ist, ist auch der Obst- und Gemüseimport stark eingeschränkt. Während normalerweise auch Passagierflugzeuge mit Importware aufgefüllt werden, können Flugimporte aktuell nur über Frachtflugzeuge laufen. Das lässt nicht nur die Frachtraten steigen. Auch die Preise der begehrten Südfrüchte klettern.

 

Teure Früchtchen

"Flugware ist immer Premiumware", erklärt Gabriele Held, aktuell aber eben noch ein wenig mehr. So hat Held festgestellt, dass viereinhalb Kilogramm Flupapaya, die zuvor am Großmarkt zwischen 15 und 16 Euro verkauft wurden, derzeit fünf bis sechs Euro mehr kosten. Und auch Flugmangos sind im Preis gestiegen. Bis zu zehn Euro mehr kostet die Sechs-Kilo-Einheit am Großmarkt aktuell, das ist ein knappes Drittel mehr als vorher.

Ein Mangel sei in Deutschland aber nicht zu erwarten. "Südfrüchte werden nicht knapp", meint Held. Zumal es ja auch noch den Import per Schiff gebe. Auf dem Meerweg werden unter anderem die sogenannten Ready-to-Eat-Mangos transportiert, die dann in den Hallen nachreifen.

Heimisches Obst gefragt

Die Folgen sind nicht nur hierzulande zu spüren. Exportland Brasilien meldet beispielsweise einen Umsatz-Rückgang von 8 Prozent für den Verkauf nach Europa in den ersten drei Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahr, vermeldet die Vereinigung Abrafrutas. So kamen unter anderem weniger Orangen (58 Prozent), Trauben (44 Prozent) und Mangos (23 Prozent) aus Brasilien nach Europa, dafür aber umso mehr Avocados - plus 128 Prozent.

Dass es aktuell weniger Südfrüchte im Verkauf gebe, sei auch der Saison geschuldet, erklärt Gabriele Held. Denn die Zeit für Steinfrüchte und Beeren sei angebrochen. Vermehrt übernehmen jetzt heimische Früchte wie Erdbeeren und Himbeeren die Vorherrschaft im Obstregal. Und auch die ersten Pfirsiche und Nektarinen sind schon da.

Neben dem Flugimport sind auch innereuropäische Transporte mit LKW in der Corona-Zeit beeinträchtigt, bestätigt Andreas Brügger, Geschäftsführer Deutscher Fruchthandelsverband. Die Auflagen seien streng, die Kontrollen an den Grenzen langwierig und die LKW-Fahrer knapp. Dazu kommen Rückfahrten mit leeren Frachträumen auf Grund der aktuellen Restriktionen. 

Sind Säfte und Smoothies wirklich gesund?: Darum sollten Sie Obst lieber essen statt es zu trinken

Aprikosen machen sich rar

Kurz: Weniger Ware in gleicher Zeit wird bewegt. "Eine Weile waren Champignons aus Polen knapp", beschreibt Held, welche Auswirkungen die Transportbedingungen auf den Markt haben können. Inzwischen aber, so die Beobachtung Helds, entspanne sich die Situation.

Von einer Frucht könnte es in diesem Jahr aber tatsächlich weniger zu kaufen geben ­– Aprikosen. Schuld daran hat laut Held allerdings nicht Covid-19, sondern das Wetter. Dieses habe der Steinfrucht, die beispielsweise aus Spanien nach Deutschland kommt, in diesem Jahr schlecht mitgespielt und dafür gesorgt, dass die Ernte kleiner ausfalle.

Quellen: fructidor.com, AMI