Die hessische Landesregierung begrüßt die neuen Regeln zum Abschuss von Wölfen in Deutschland, Naturschützer üben Kritik. Es geht um die Rückkehr eines eineinhalb Jahrhunderte lang ausgerotteten Raubtieres ins heutige Hessen - und um seine Schafsrisse.
Der Sprecher des CDU-geführten Jagdministeriums in Wiesbaden, Olaf Streubig, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: "Hessen hat seine Hausaufgaben längst gemacht. Wir haben bereits im Oktober 2024 das hessische Jagdgesetz geändert und den Wolf ins Jagdrecht aufgenommen."
Manche Wölfe überspringen Zäune
Der Bundestag hatte am Donnerstag einen erleichterten Abschuss von Wölfen beschlossen. Mit den Stimmen von Schwarz-Rot und AfD wurden die Tiere ins Bundesjagdrecht aufgenommen. Problematische Wölfe können somit einfacher getötet werden - etwa wenn sie Zäune überwunden und Schafe gerissen haben. Der Bundesrat muss noch zustimmen, bevor die Neuregelung in Kraft treten kann.
Die vom Bundestag beschlossenen Regeln sehen vor, dass die Bundesländer auch generell die Jagd in jenen Regionen erlauben dürfen, wo sich der Wolf in einem günstigen "Erhaltungszustand" befindet, er also gute Chancen auf einen langfristigen Fortbestand hat. Als Jagdzeit ist der Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen. Wenn ein Wolf Weidetiere getötet oder verletzt hat, darf er sogar unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden.
Überdies können die Länder Gebiete bestimmen, in denen die Jagd auf den Wolf erforderlich ist, weil Weidetiere dort schwer vor ihm zu schützen sind - etwa auf Almen oder Deichen. Für Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde soll es dennoch weiterhin Geld vom Staat geben.
Hessens Jagd- und Umweltminister Ingmar Jung (CDU) betonte kürzlich: "Weidetierhaltung ist systemrelevant – für Naturschutz, Kulturlandschaft und Biodiversität – und durch den Wolf zunehmend unter Druck." Nötig sei ein "verantwortungsbewusstes Wolfsmanagement".
"Getötete Wölfe lernen nichts mehr"
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) forderte die schwarz-rote Landesregierung in Wiesbaden auf, "eine grundlose Jagd auf Wölfe in Hessen zu unterlassen". Herdenschutz sei der einzige verlässliche Weg zu weniger Konflikten: "Getötete Wölfe lernen nichts mehr. Tiere hingegen, die funktionierende Elektrozäune erleben, können dieses Meideverhalten ans Rudel weitergeben."
Problematische Einzeltiere können laut dem Nabu bereits nach geltendem Recht getötet werden. Zudem lebten nur drei Wolfsrudel in Hessen - bei Greifenstein (Lahn-Dill-Kreis), Waldkappel (Werra-Meißner-Kreis) und Rüdesheim (Rheingau-Taunus-Kreis). "Das Land muss seiner Verantwortung zum Erhalt der Wölfe weiterhin gerecht werden", verlangte der Nabu.