Der Windkraftausbau in Nordrhein-Westfalen boomt: Im vergangenen Jahr war die Gesamtleistung der neu in Betrieb genommenen Anlagen so hoch wie noch nie. Nach vorläufigen Zahlen gingen 259 neue Windräder mit einer Bruttoleistung von 1.346 Megawatt ans Netz, wie der Landesverband Erneuerbare Energien NRW in Düsseldorf berichtete.
Weil auch ältere Anlagen abgebaut wurden, betrug der sogenannte Netto-Zubau 1.288 Megawatt (2024: 626 Megawatt). Zum Vergleich: Das Steinkohlekraftwerk Datteln hat eine Nettoleistung von 1.050 Megawatt.
Die meisten neuen Anlagen wurden im Kreis Paderborn errichtet, nämlich 34. In Düren gingen 28 neue Windräder ans Netz, im Hochsauerlandkreis 22 neue Anlagen.
Verband rechnet auch 2026 mit vielen neuen Anlagen in NRW
LEE NRW-Geschäftsführer Christian Vossler geht davon aus, dass es auch 2026 einen starken Zuwachs geben wird. Er könne bei mehr als 1.500 Megawatt liegen, sagte er in Düsseldorf.
Ende 2025 erzeugten den Angaben zufolge landesweit insgesamt 3.850 Windräder mit einer Kapazität von knapp 9.100 Megawatt Leistung Strom. Bundesweit ist NRW damit das Bundesland mit der vierthöchsten Kapazität. In Niedersachsen waren zum Jahresende laut dem Portal Windbranche.de Anlagen mit mehr als 13.900 Megawatt in Betrieb. Schleswig-Holstein kommt auf 9.600 Megawatt und Brandenburg auf 9.500.
LEE beklagt "schleppenden Netzausbau"
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Bei aller Freude über den Zuwachs beklagt der Branchenverband ein aus seiner Sicht zu langsames Tempo beim Stromnetzausbau. "Was nutzen uns die vielen, mittlerweile immer schneller erteilten Genehmigungen, wenn die Netze nicht vorhanden sind, um den Strom aufzunehmen?", sagte der Geschäftsführer der Hellwegwind GmbH, Steffen Lackmann. Der schleppende Netzausbau werde zunehmend zur Achillesferse für den weiteren Windenergieausbau.
Vossler kritisierte in diesem Zusammenhang die Bundespolitik: "Wenn die zuständige Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihr ehemaliger Chef, der Eon-Vorstandsvorsitzende Leonhard Birnbaum, gemeinsam fordern, den Ausbau der erneuerbaren Energien an den verschleppten Netzausbau anzupassen, dann ist das ein kräftiger Tritt auf das Bremspedal, der den von der Politik versprochenen wirtschaftlichen Aufschwung verzögert." Der LEE forderte von der schwarz-grünen Landesregierung, sich für mehr Tempo beim Netzausbau einzusetzen.